Epstein-Akten: Tausende Fotos und Dokumente veröffentlicht
20.12.2025 - 01:37:10Das US-Justizministerium hat auf Druck der Ăffentlichkeit und des Parlaments damit begonnen, die gesamten Ermittlungsakten zum Fall des verstorbenen SexualstraftĂ€ters Jeffrey Epstein zu veröffentlichen. Unter den Dateien sind Fotos und auch teils geschwĂ€rzte Dokumente der US-Bundespolizei FBI zu finden. Vertreter beider Parteien kritisierten allerdings die unvollstĂ€ndige Veröffentlichung des Materials, das zum Teil komplett geschwĂ€rzte Seiten umfasst.
In den Dokumenten schien es nach ersten Auswertungen kaum neue Informationen ĂŒber das VerhĂ€ltnis zwischen Epstein und Donald Trump zu geben. Der US-PrĂ€sident Ă€uĂerte sich nach der Veröffentlichung zunĂ€chst nicht. Ex-PrĂ€sident Bill Clinton, dem Trump in dieser Sache immer wieder VorwĂŒrfe gemacht hat, kommt in den veröffentlichten Dokumenten hingegen besonders hĂ€ufig vor.
Missbrauch junger Frauen und MĂ€dchen
Der Fall Epstein beschĂ€ftigt die Ăffentlichkeit seit vielen Jahren. Der einflussreiche US-MultimillionĂ€r aus New York hatte jahrelang einen Missbrauchsring betrieben, dem Dutzende junge Frauen und MinderjĂ€hrige zum Opfer fielen. Ăber mehrere Jahre hinweg soll Epstein minderjĂ€hrige MĂ€dchen etwa in New York und Florida auch selbst missbraucht haben. Epstein kam 2019 im Alter von 66 Jahren in einer GefĂ€ngniszelle zu Tode.Â
Der Finanzier hatte beste Kontakte in die High Society, was Spekulationen ĂŒber die Tragweite des Skandals auslöste. Per Gesetz wurde vor einem Monat die Veröffentlichung der Akten verfĂŒgt, das Justizministerium gab Stunden vor Ablauf einer Frist ein erstes groĂes Paket an Daten frei.
Immer wieder Clinton
Immer wieder tauchen in den nun veröffentlichten Dateien Fotos von Ex-PrÀsident Bill Clinton auf - zum Beispiel beim Schwimmen im Pool mit Epsteins langjÀhriger Vertrauter Ghislaine Maxwell. Auf anderen Aufnahmen sieht man den Demokraten ohne Bezug zu den beiden.
Ein Sprecher Clintons, Angel Urena, kritisierte die Veröffentlichung der Fotos als Ablenkungsmanöver des WeiĂen Hauses. Es gebe zwei Gruppen von Menschen, schrieb Urena auf der Plattform X. Eine erste Gruppe, die nichts gewusst und die Beziehung zu Epstein abgebrochen habe, bevor dessen kriminelle Taten ans Licht gekommen seien. Und eine zweite Gruppe, die auch danach ihre Beziehungen zu ihm weitergefĂŒhrt habe. «Wir gehören zur ersten Gruppe.» Keine noch so groĂe Verzögerungstaktik von Menschen aus der zweiten Gruppe werde daran etwas Ă€ndern, schrieb er weiter.
Trump unter Druck
Der Republikaner Trump hatte in den vergangenen Wochen immer wieder versucht, die Aufmerksamkeit auf Clinton zu lenken. Dabei behauptete er, dass dieser auf einer Privatinsel Epsteins gewesen sei. Trumps Stabschefin Susie Wiles widersprach dieser Darstellung aber: «Es gibt keine Beweise dafĂŒr», sagte sie dem Magazin «Vanity Fair».
Trump selbst ist wegen des Skandals in den vergangenen Wochen massiv unter Druck geraten. Noch im PrĂ€sidentschaftswahlkampf hatte er die Freigabe der Akten gefordert, dann strĂ€ubte er sich nach dem Amtsantritt. DafĂŒr erntete er selbst im eigenen Lager Kritik. Erst auf massiven Druck unterschrieb er im November das vom US-Parlament verabschiedete Gesetz zur Veröffentlichung. Trump kannte Epstein gut, wie frĂŒhere Fotos der beiden zeigen. Allerdings gibt es keine Hinweise auf eine Verwicklung des Republikaners in den Skandal.
Riesige Datenmengen in mehreren Teilen
In mehreren Teilen stellte das Ministerium ab Freitagnachmittag (Ortszeit) riesige Datenmengen bereit, die Teil der Ermittlungen gewesen sein sollen. Bis zum Vormittag waren sieben solche Pakete online. Einige der Fotos sind bereits bekannt. Dokumente, die als geheim eingestuft werden, muss das Ministerium nicht veröffentlichen. In den nĂ€chsten Wochen sollen weitere Hunderttausende Dokumente veröffentlicht werden, wie Vize-Justizminister Todd Blanche kurz zuvor im Sender Fox News erklĂ€rte. Ihm zufolge mĂŒssen Seiten vor einer Veröffentlichung zum Schutz der IdentitĂ€t der Opfer bearbeitet werden.
Allerdings sieht das neue Gesetz auch vor, dass das Justizministerium innerhalb von 15 Tagen nach der vollstĂ€ndigen Veröffentlichung dem Kongress einen Bericht zur VerfĂŒgung stellen muss, der alle SchwĂ€rzungen begrĂŒndet und eine Liste aller Regierungsmitarbeiter und politisch relevanten Personen umfasst, die in den Dokumenten vorkommen.
Eine erste Ăbersicht zu den Dokumenten
- Fotos mit Epstein und Maxwell: Auf Bildern sind hÀufig zwei Personen zu sehen - der MillionÀr und seine Vertraute. Maxwell wurde im Jahr 2022 verurteilt. Laut Urteil hatte sie eine zentrale Rolle beim Aufbau eines Rings zum sexuellen Missbrauch gespielt und sitzt nun im GefÀngnis. Aufnahmen zeigen die beiden etwa beim Feiern.
- Fotos von Zuhause und von Reisen: Viele Bilder zeigen Epstein und Maxwell auf Reisen. Auch Aufnahmen von Epsteins Zuhause in New York sind unter den Dateien. Darunter TreppenaufgÀnge, ein Arbeitsplatz mit vielen Bildschirmen, AktenschrÀnke, Sexspielzeug, Badezimmer, SportgerÀte, KleiderschrÀnke.
- Dokumente: Es gibt viele Protokolle, angefangen von DruckauftrÀgen, Klageschriften, Verhörprotokollen sowie eine Checkliste des FBI bis hin zu Listen, auf denen bis auf Zeit und Datum kaum etwas anderes zu sehen ist
Das Ministerium gab keine ErklĂ€rung oder ErlĂ€uterungen zu den Dateien ab. Auch Namen, die bereits rund um die Epstein-AffĂ€re auftauchten, kommen in einigen Dokumenten vor. Darunter ist auch der britische Ex-Prinz Andrew, der Kontakt zu Epstein pflegte, deswegen in Verruf geriet und jĂŒngst seine Adelstitel abgeben musste. Ein schwarz-weiĂes Foto soll ihn dabei zeigen, wie er auf einer Couch lachend ĂŒber dem SchoĂ mehrerer Personen liegt. Hinter ihm steht demnach Epsteins Gehilfin Maxwell, neben ihr eine Frau. Die Gesichter weiterer Personen sind geschwĂ€rzt.
Was zunÀchst nicht zu sehen ist
Bei einer ersten Sichtung waren zunĂ€chst keine Bilder enthalten, auf denen etwa sexueller Missbrauch oder andere Straftaten zu sehen sind. Per Gesetz darf das Justizministerium derartige Aufnahmen und Dokumente weiterhin zurĂŒckhalten.Â
Auch Akten, die laut Gesetz einen «eindeutig ungerechtfertigten Eingriff in die PrivatsphĂ€re darstellen», können ausgenommen werden. Die Veröffentlichung von Informationen, die mögliche Bundesermittlungen oder Gerichtsverfahren gefĂ€hrden wĂŒrden, oder deren Geheimhaltung im Interesse der nationalen Verteidigung oder der AuĂenpolitik liegt, kann ebenfalls gestoppt werden.
Die Echtheit der Fotos konnte zunÀchst nicht unabhÀngig verifiziert werden. Auch blieb offen, nach welcher Methodik die Tausenden Fotos ausgesucht wurden. Wann die Fotos entstanden sind, von wem sie gemacht wurden und woher das Justizministerium diese hat, blieb zunÀchst ebenfalls unklar.
Kritik an LĂŒcken und SchwĂ€rzungenÂ
Die Initiatoren des Gesetzes fĂŒr die Veröffentlichung der Ermittlungsakten warfen dem Justizministerium vor, Informationen zurĂŒckzuhalten. Der demokratische Kongressabgeordnete Ro Khanna sagte in einem auf X veröffentlichen Video, dass ein 119 Seiten langes Dokument mit Zeugenaussagen ohne jede ErklĂ€rung komplett geschwĂ€rzt worden sei. Man wolle eine vollstĂ€ndige Freigabe der Ermittlungsakten. UnterstĂŒtzung erhielt Khanna unter anderem vom Republikaner Thomas Massie, der die Gesetzesinitiative zusammen mit dem Demokraten angestoĂen hatte.













