Klimagipfel: Afrika als «SchlĂŒssel» fĂŒr grĂŒne Weltwirtschaft
04.09.2023 - 17:09:44Kenias PrĂ€sident William Ruto hat zum Auftakt des ersten Afrika-Klimagipfels den Kontinent als «SchlĂŒssel zur Beschleunigung der Dekarbonisierung der Weltwirtschaft» bezeichnet.
Die Energiewende sei nicht nur notwendig fĂŒr den Klimaschutz, sondern auch eine Chance, «milliardenschwere, wirtschaftliche Möglichkeiten» zu schaffen, sagte Ruto zu Beginn des dreitĂ€tigen Spitzentreffens in der kenianischen Hauptstadt Nairobi.
«Weltweit suchen Investoren nach grĂŒnen Investitionsmöglichkeiten im Wert von Billionen US-Dollar», sagte Ruto. Afrika habe das Potenzial, um diese Gelder anzuziehen. Dazu gehörten ideale Bedingungen fĂŒr die Produktion erneuerbarer Energien, beispielsweise durch Sonne und Wind.
Auch besitzt Afrika fĂŒr die Energiewende kritische BodenschĂ€tze wie Lithium, Kupfer, Seltene Erden oder Silizium und zudem ein enormes «Naturkapital» wie WĂ€lder, Ackerböden, Wasser- und Meeresressourcen. Ziel sei, den Kontinent zu einem global relevanten «grĂŒnen Industriestandort» zu entwickeln, der es afrikanischen LĂ€ndern ermögliche, auf globalen MĂ€rkten «fair zu konkurrieren».
Afrika leidet stark unter der Klimakrise
Ruto und die Afrikanische Union (AU) richten den Gipfel aus, an dem afrikanische Staatschefs sowie Vertreter der Vereinten Nationen, von Regierungen aus anderen Regionen, von Nichtregierungsorganisationen und aus der Privatwirtschaft teilnehmen. FĂŒr Deutschland sind die Parlamentarische StaatssekretĂ€rin im Entwicklungsministerium, BĂ€rbel Kofler (SPD), und die Beauftragte fĂŒr internationale Klimapolitik im AuswĂ€rtigen Amt, Jennifer Morgan, angereist.
Der Kontinent leidet stark unter den Folgen der Klimakrise, trĂ€gt aber vergleichsweise wenig zu den klimaschĂ€dlichen Treibhausgasemissionen bei. Deshalb wollen afrikanische LĂ€nder wĂ€hrend des Gipfels die globale Finanzierung von Klimaschutzprojekten auf dem Kontinent in den Fokus rĂŒcken.Â
FĂŒr die schon heute spĂŒrbaren Folgen des Klimawandels fordern afrikanische Staaten Schadenersatz von den Industriestaaten, die massiv zur ErderwĂ€rmung beigetragen haben. Afrika, so das Argument, sei statistisch betrachtet fĂŒr nicht einmal vier Prozent der ErderwĂ€rmung verantwortlich, zahle aber den höchsten Preis. Nach SchĂ€tzungen der Afrikanische Entwicklungsbank kosten klimabedingte Naturkatastrophen die LĂ€nder zwischen 7 und 15 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Bis 2030 könnten diese Verluste auf jĂ€hrlich 50 Milliarden US-Dollar ansteigen.
IndustrielÀnder kommen ihren Versprechungen nicht nach
Die Gipfelteilnehmer wollen die Industriestaaten in Nairobi daher erneut an ihre finanziellen Verpflichtungen erinnern - etwa bei der Finanzierung von Klimaprojekten im globalen SĂŒden. Seit 2020 haben sich Staaten verpflichtet, hierfĂŒr jĂ€hrlich 100 Milliarden US-Dollar aufzubringen. Dabei sollen Emissionen eingespart und Projekte zur Anpassung an den Klimawandel finanziert werden. Dass die Industriestaaten dieses Ziel nicht eingehalten haben, ist lĂ€ngst bekannt.
Besonders seit der Corona-Pandemie und dem Angriffskrieg in der Ukraine sind Gelder in andere Bereiche geflossen. Auch Forderungen nach Schuldenerleichterungen dĂŒrften auf dem Gipfel eine wichtige Rolle spielen.
Es gĂ€be mittlerweile so viele aufeinanderfolgende Klimakatastrophen, dass afrikanische LĂ€nder sich kaum davon erholen könnten, sagte Josefa Correia Sacko, die AU-Kommissarin fĂŒr Landwirtschaft und Umweltschutz. Einige Staaten gĂ€ben bis zur HĂ€lfte ihres Bruttoinlandsprodukts aus, um klimabedingte Zerstörung zu bewĂ€ltigen. «Die Kosten des Klimawandels explodieren», warnte Sacko. IndustrielĂ€nder mĂŒssten daher schnellstmöglich ihre finanziellen Versprechen einlösen.
Auch UN-Klima-Chef Simon Stiell betonte die Notwendigkeit, die FinanzlĂŒcke schnellstmöglich zu schlieĂen. Er forderte die «sofortige» Zahlung der jĂ€hrlich zugesagten 100 Milliarden US-Dollar, eine Verdoppelung der Finanzierung zur Klimawandelanpassung, eine erhebliche Aufstockung des Green Climate Fund zur Reduzierung des CO2-AusstoĂes in armen LĂ€ndern sowie die Ausrichtung des globalen Finanzsystems auf «grĂŒne MaĂnahmen».
Der Gipfel soll am Mittwoch mit einer «Nairobi-ErklĂ€rung» enden, die wichtige Signale und Ziele setzen soll - auch fĂŒr die bevorstehende Weltklimakonferenz ab dem 30. November in Dubai.





