Israel und Hamas einigen sich auf Freilassung der Geiseln
09.10.2025 - 04:46:50 | dpa.deIm Ringen um eine Beilegung des Gaza-Kriegs haben sich Israel und die islamistische Hamas in indirekten Verhandlungen auf erste wichtige Punkte geeinigt. Demnach werden die in den Gazastreifen verschleppten Geiseln freigelassen und Israel wird seine Truppen auf eine vereinbarte Linie zurĂŒckziehen, wie US-PrĂ€sident Donald Trump fĂŒr die Vereinigten Staaten als Vermittlerland auf seiner Plattform Truth Social bekannt gab. «Alle Parteien werden fair behandelt», schrieb er dort.
Die Hamas bestĂ€tigte die Einigung. Die Vereinbarung sehe ein Ende der Kampfhandlungen im Gazastreifen, einen RĂŒckzug des israelischen MilitĂ€rs, Zugang fĂŒr HilfsgĂŒter in das KĂŒstengebiet und einen Austausch von Geiseln und HĂ€ftlingen vor, hieĂ es in einer Mitteilung der Terrororganisation.Â
Durchbruch nach zwei Jahren Krieg
Damit ist zwei Jahre nach dem Beginn des Gaza-Kriegs ein Durchbruch gelungen. Man sei sich ĂŒber die erste Phase des US-Friedensplans einig geworden, schrieb Trump. Im Ă€gyptischen Scharm el Scheich hatten Verhandler um Details gerungen. Trump brachte bereits einen Besuch in Israel am Wochenende ins Spiel. Israels MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu lud Trump ein, vor der Knesset zu sprechen.
Auslöser des Gaza-Kriegs war der Ăberfall der Hamas und anderer islamistischer Terrorgruppen auf Israel am 7. Oktober 2023. Rund 1.200 Menschen wurden dabei getötet und mehr als 250 als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Israel reagierte seinerseits mit Angriffen. Seitdem wurden laut der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde mehr als 67.000 PalĂ€stinenser getötet.
Was ist ĂŒber die Abmachung bekannt?
Alle Geiseln sollen freikommen, und zwar sehr bald, schrieb Trump. AuĂerdem werde Israel seine Truppen hinter eine vereinbarte Linie zurĂŒckziehen. Das seien die ersten Schritte hin zu einem «starken, dauerhaften und ewigen Frieden». Laut einem Bericht der «Times of Israel» will die israelische Regierung am Donnerstag zusammenzukommen, um das Abkommen zu genehmigen. Der TV-Sender CNN berichtete unter Berufung auf eine israelische Quelle, dass die Geiseln voraussichtlich am Samstag oder Sonntag freigelassen werden könnten. Trump hingegen sprach in einem Audio-Interview des Senders Fox News von voraussichtlich Montag.Â
Das Abkommen ĂŒber die erste Phase einer Waffenruhe im Gazastreifen werde zu einem Ende des Krieges, zur Freilassung israelischer Geiseln und palĂ€stinensischer Gefangener sowie zur Einfuhr von HilfsgĂŒtern fĂŒhren, schrieb der Sprecher des katarischen AuĂenministeriums, Madschid al-Ansari, auf der Plattform X. «Die Einzelheiten werden spĂ€ter bekanntgegeben.» Katar gilt als zentraler Vermittler zwischen Israel und den PalĂ€stinensern.Â
20 Geiseln im Gazastreifen sollen noch am Leben seinÂ
Im Gazastreifen befinden sich noch 48 Geiseln, von denen nach israelischen Informationen noch 20 am Leben sind. «Das ist ein wichtiger und bedeutender Schritt auf dem Weg, alle nach Hause zu bringen, aber unser Kampf ist noch nicht vorbei und wird erst enden, wenn die letzte Geisel zurĂŒckgekehrt ist», hieĂ es in einer Mitteilung des Forums der Geisel-Familien. «Es ist unsere moralische und nationale Pflicht, sie alle nach Hause zu holen â sowohl die Lebenden als auch die Toten. Ihre RĂŒckkehr ist fĂŒr die Heilung und Genesung der gesamten israelischen Gesellschaft von entscheidender Bedeutung.»Â
Trumps Plan sieht vor, dass Israel im Gegenzug rund 250 zu lebenslanger Haft verurteilte palĂ€stinensische HĂ€ftlinge sowie etwa 1.700 nach dem 7. Oktober 2023 Inhaftierte freilĂ€sst. Trotz der angekĂŒndigten Geiselfreilassung bleiben viele Fragen offen.
Gibt die Hamas ihre Waffen ab?
Nicht erwĂ€hnt wird bisher ein wichtiger Knackpunkt des Friedensplans: die Entwaffnung von Terroristen im Gazastreifen. Das sieht Trumps Friedensplan vor: Sobald alle Geiseln freigelassen sind, bekommen demnach Hamas-Mitglieder, die sich zu friedlicher Koexistenz und zur Niederlegung ihrer Waffen verpflichten, Amnestie. Die USA sind ĂŒberzeugt, dass der Terror wiederkommen wird, wenn es keine Entwaffnung gibt. US-AuĂenminister Marco Rubio sagte am Sonntag zu den lĂ€ngerfristigen Zielen, zu denen auch eine Entwaffnung gehöre: «Das wird schwierig sein, aber es ist entscheidend, denn ohne das wird es keinen dauerhaften Frieden geben. Man mag die Geiseln zurĂŒckbekommen, man mag eine Einstellung der Feindseligkeiten erreichen, aber langfristig wird sich alles wiederholen.»
Die USA hatten betont, dass es zwei Phasen der Verhandlungen gĂ€be. Zum einen die ĂŒber die Geiselfreilassung, die absolute PrioritĂ€t habe. Zum anderen eine zweite Phase, in der der langfristige Frieden gesichert werden sollte. Darunter zĂ€hlten die USA auch die Entwaffnung.Â
ĂbergangsregierungÂ
Wird es wirklich so kommen wie im Friedensplan formuliert? Die Islamistenorganisation hatte jĂŒngst zwar gesagt, sie sei damit einverstanden, dass das Gebiet nach Kriegsende zunĂ€chst von einer Ăbergangsregierung palĂ€stinensischer Technokraten unter Aufsicht eines internationalen Gremiums regiert werde. Es blieb aber unklar, ob sie damit auch der Forderung von Trumps Friedensplan zustimmte, dass sie selbst dabei keine Rolle spielen darf.
UN-GeneralsekretĂ€r AntĂłnio Guterres rief nach der Einigung in Ăgypten alle Beteiligten auf, «diese einmalige Gelegenheit» fĂŒr den Weg hin zu einer Zweistaatenlösung zu nutzen, die es Israelis und PalĂ€stinensern ermöglichen wĂŒrde, in Frieden und Sicherheit zu leben. «Noch nie stand so viel auf dem Spiel», betonte er. Mit Zweistaatenlösung ist ein unabhĂ€ngiger palĂ€stinensischer Staat gemeint, der friedlich Seite an Seite mit Israel existiert. Israels MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu lehnt eine Zweistaatenlösung ebenso ab wie die Hamas.
Israels MilitĂ€r zieht sich auf vereinbarte Linie zurĂŒck
Die israelischen StreitkrĂ€fte sollen sich laut Trumps Plan auf eine vereinbarte Linie zurĂŒckziehen, um die Geiselfreilassung vorzubereiten. Wo diese Linie exakt verlaufen soll, war zunĂ€chst allerdings unklar. Netanjahu sagte zuletzt, das israelische MilitĂ€r solle weiterhin strategisch wichtige Gebiete «tief im Gazastreifen» kontrollieren. Der vollstĂ€ndige RĂŒckzug ist laut Trumps Plan erst zu einem spĂ€teren Zeitpunkt vorgesehen, wenn eine internationale Stabilisierungstruppe (ISF) fĂŒr Sicherheit vor Ort sorgt.
So schÀtzen die Börsenprofis Aktien ein!
FĂŒr. Immer. Kostenlos.
