Bandengewalt in Haiti: UN-Sicherheitsrat genehmigt Mission
03.10.2023 - 05:00:18Ein internationaler Polizeieinsatz mit UnterstĂŒtzung der Vereinten Nationen soll das von Bandengewalt zerrĂŒttete Krisenland Haiti stabilisieren. Der UN-Sicherheitsrat genehmigte die Entsendung von Polizisten unter der FĂŒhrung Kenias in den Karibikstaat fĂŒr zwölf Monate.
Das sonst so hĂ€ufig gespaltene mĂ€chtigste Gremium der Vereinten Nationen votierte mit 13 Stimmen fĂŒr den Einsatz, nur Russland und China enthielten sich. Ziel der UN ist eine TruppenstĂ€rke von idealerweise 2000 - diese Zahl wird mit den bisherigen Zusagen aus Kenia und meheren anderen LĂ€ndern wohl noch nicht erreicht. Weitere Staaten könnten deshalb zusĂ€tzliche KrĂ€fte entsenden.
«Ich begrĂŒĂe die Resolution des Sicherheitsrats zur Entsendung einer multinationalen Mission», schrieb Haitis Premierminister Ariel Henry nach der Entscheidung in New York auf der Nachrichtenplattform X, ehemals Twitter. «Dank an das Bruderland Kenia, das sich bereit erklĂ€rt hat, das Kommando ĂŒber diese Mission zu ĂŒbernehmen. Vielen Dank bereits jetzt an alle LĂ€nder, die dieser Truppe beitreten.» Die Regierung in Port-au-Prince hatte angesichts der eskalierenden Gewalt in dem Karibikstaat selbst um internationale UnterstĂŒtzung geben.
Ambivalentes VerhÀltnis zu den Vereinten Nationen
Bei der Mission handelt es sich nicht um einen Einsatz der Vereinten Nationen selbst, sondern um eine Entsendungen unter kenianischem Kommando, die vom Sicherheitsrat offiziell unterstĂŒtzt werden. Haiti hat ein ambivalentes VerhĂ€ltnis zu den UN: Zwar ist das bitterarme Land auf internationale Entwicklungshilfe angewiesen. Andererseits schleppten Blauhelmsoldaten nach EinschĂ€tzung von Experten nach dem verheerenden Erdbeben 2010 auch die Cholera ein. Zudem sollen Blauhelme wĂ€hrend ihres 13 Jahre langen Einsatzes immer wieder Haitianer vergewaltigt, missbraucht oder sexuell ausgebeutet haben.
Millionen Hungernde und unkontrollierte Gewalt
Haiti leidet seit Jahren unter KĂ€mpfen zwischen Banden, die einen GroĂteil der Hauptstadt Port-au-Prince kontrollieren und die Bevölkerung mit groĂer BrutalitĂ€t und auch sexueller Gewalt terrorisieren. Auch die Zahl der EntfĂŒhrungen ist drastisch gestiegen. Zuletzt kam es zu einer Selbstjustiz-Bewegung der Bewohner gegen die Banden. Die Gewalt verschĂ€rft auch die ohnehin schon prekĂ€re Versorgungslage. Fast die HĂ€lfte der elf Millionen Bewohner leidet laut Vereinten Nationen unter akutem Hunger.
«Haiti steht vor einem sicherheitspolitischen, aber auch humanitĂ€ren und sozioökonomischen Notstand», sagte die UN-Sondergesandte in Haiti, MarĂa Isabel Salvador. «Die haitianische Politik muss zeigen, dass sie den Herausforderungen, vor denen das Land und seine Bevölkerung stehen, gewachsen ist.»
Nach Angaben der an die Vereinten Nationen angeschlossenen Organisation fĂŒr Migration (IOM) lebt fast die HĂ€lfte der Vertriebenen in Port-au-Prince inzwischen in behelfsmĂ€Ăigen UnterkĂŒnften, in denen die hygienischen VerhĂ€ltnisse extrem schlecht sind. Viele hĂ€tten bei Freunden oder Familie Unterschlupf gesucht. Die FĂ€higkeit der aufnehmenden Gemeinden, ihre knappen Mittel zu teilen, nehme mit Fortdauern der Krise jedoch ab. Landesweit gibt es laut IOM fast 200.000 Vertriebene. Hinzu kĂ€men rund 100.000 Haitianer, die in diesem Jahr aus umliegenden LĂ€ndern abgeschoben worden seien.
Operationen gegen Gangs - Schutz der Infrastruktur
Der Entscheidung des UN-Sicherheitsrates vom Montag ging eine etwa einjĂ€hrige Suche nach einem Land voraus, das auf Bitten von UN-GeneralsekretĂ€r AntĂłnio Guterres die Verantwortung in Haiti zu schultern bereit war. Ein aus UN-Sicht zunĂ€chst prĂ€ferierter kanadisch gefĂŒhrter Einsatz kam nicht zustande. Nun soll Kenia zusammen mit zusĂ€tzlichen KrĂ€ften aus Jamaika, den Bahamas sowie Antigua und Barbuda zusammen mit den Behörden in Haiti Operationen gegen die Gangs durchfĂŒhren und kritische Infrastruktur schĂŒtzen.
Haiti liegt zwischen Nord- und SĂŒdamerika auf der Insel Hispaniola. Auf der OsthĂ€lfte der Insel befindet sich die Dominikanische Republik. Haiti ist das Ă€rmste Land auf dem amerikanischen Kontinent. Seit Jahren leidet es unter Korruption, Gewalt und Naturkatastrophen. Seit dem verheerenden Erdbeben 2010 mit mehr als 220.000 Toten hĂ€ngt Haiti am Tropf der Entwicklungshilfe. Ziel der UN ist nun eine Truppe von idealerweise 2000 internationalen Polizisten - diese Zahl wird mit den bisherigen Zusagen wohl noch nicht erreicht. Deswegen könnten noch weitere LĂ€nder dazukommen, die KrĂ€fte entsenden.


