Historisch: Höchstes UN-Gericht befasst sich mit Klimaschutz
02.12.2024 - 05:00:39Vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag startet der bisher umfangreichste Fall: Es geht um den Klimaschutz. Die höchsten Richter der Vereinten Nationen sollen ein Rechtsgutachten erstellen zu der Frage, inwieweit Staaten rechtlich zum Klimaschutz verpflichtet und inwieweit sie auch fĂŒr die Folgen des Klimawandels in vor allem Ă€rmeren LĂ€ndern verantwortlich sind. Dieses Gutachten kann weitreichende Konsequenzen fĂŒr Klima-Prozesse weltweit haben, der Fall gilt als historisch. Das Gutachten wird erst im kommenden Jahr erwartet.
98 Staaten und 12 Organisationen sollen vor den 15 Richtern im Friedenspalast in den kommenden zehn Tagen ihre Argumente prĂ€sentieren. Deutschland nimmt gleich am Montag Stellung. Auch die USA und China, die gröĂten Verursacher von Schadstoffemissionen, werden bis zum 13. Dezember ihre Argumente prĂ€sentieren.
Rechtsgeschichte wird geschrieben
Der Internationale Gerichtshof war von der UN-Generalversammlung im vergangenen Jahr beauftragt worden, das Rechtsgutachten zu erstellen. Es ist zwar nicht bindend, aber kann von groĂer Bedeutung sein fĂŒr Ă€hnliche Prozesse weltweit, um Staaten zu mehr Klimaschutz zu zwingen. Die Richter schreiben international Rechtsgeschichte. Sie waren bereits mit Klimawissenschaftlern zusammengekommen.Â
Die Richter mĂŒssen sich mit zwei Fragen auseinandersetzen. Erstens: Was sind die rechtlichen Verpflichtungen der Staaten, um Umwelt und Klima gegen die schĂ€dlichen Emissionen der Treibhausgase zu schĂŒtzen? Zweitens: Was sind die Folgen ihres Handelns beziehungsweise Nichthandelns? Sind Staat haftbar fĂŒr SchĂ€den?Â
Inselstaaten besonders vom Klimawandel betroffen
Die kleine Inselgruppe Vanuatu hatte die Initiative zu dem Gutachten ergriffen. Sie will gemeinsam mit anderen stark vom Klimawandel betroffenen LĂ€ndern die reichen Staaten dazu zwingen, fĂŒr SchĂ€den aufzukommen.Â
Vanuatu betont, dass es unverhĂ€ltnismĂ€Ăig schwer getroffen sei von den Effekten des Klimawandels wie heftigen StĂŒrmen und dem steigenden Meeresspiegel. Die Inselgruppe wird am Montag als erstes von 98 LĂ€ndern ihre Stellungnahme vor den Richtern prĂ€sentieren.Â
Das UN-Gericht mit Sitz in Den Haag wurde eingerichtet, um Konflikte zwischen Staaten zu lösen. Es kann aber auch von der UN-Generalversammlung beauftragt werden, Rechtsgutachten zu internationalen Fragen erstellen.
Nach enttÀuschendem Klimagipfel
Gerade fĂŒr kleine und arme Staaten wie Vanuatu hatte die jĂŒngste Weltklimakonferenz in Aserbaidschan enttĂ€uschend geendet. Dort einigte man sich zwar nach erbittertem Streit auf Hilfen fĂŒr Ă€rmere LĂ€nder - 300 Milliarden US-Dollar pro Jahr bis 2035. Doch beim Klimaschutz gab es keine Fortschritte. Die Ă€rmeren Staaten reagierten verbittert: Dies reiche bei weitem nicht aus. Nun setzen sie ihre Hoffnung auf die höchsten UN-Richter.


