Frankreich, KriminalitÀt

Urteil kommt - Kann Le Pen 2027 PrÀsidentin werden?

07.07.2026 - 04:49:05 | dpa.de

Es ist ein folgenschweres Urteil, das in Paris erwartet wird. FĂŒr die Rechtsnationale Le Pen geht es letztlich um den Traum, PrĂ€sidentin zu werden. Das Gericht könnte dem einen Riegel vorschieben.

  • Von der Gerichtsentscheidung hĂ€ngt ab, ob Marine Le Pen bei der PrĂ€sidentschaftswahl im kommenden Jahr kandidiert oder nicht. (Archivbild) - Bild: Thibault Camus/AP/dpa
    Von der Gerichtsentscheidung hÀngt ab, ob Marine Le Pen bei der PrÀsidentschaftswahl im kommenden Jahr kandidiert oder nicht. (Archivbild) - Bild: Thibault Camus/AP/dpa
  • Le Pen hofft auf einen Freispruch, auch wenn dies als unwahrscheinlich gilt. (Archivbild) - Bild: Bertrand Guay/AFP/dpa
    Le Pen hofft auf einen Freispruch, auch wenn dies als unwahrscheinlich gilt. (Archivbild) - Bild: Bertrand Guay/AFP/dpa
  • Zieht Le Pen nicht ins Rennen, schicken die Rechtsnationalen Parteichef Bardella in den Ring. (Archivbild) - Bild: Jean-Francois Badias/AP/dpa
    Zieht Le Pen nicht ins Rennen, schicken die Rechtsnationalen Parteichef Bardella in den Ring. (Archivbild) - Bild: Jean-Francois Badias/AP/dpa
Von der Gerichtsentscheidung hÀngt ab, ob Marine Le Pen bei der PrÀsidentschaftswahl im kommenden Jahr kandidiert oder nicht. (Archivbild) - Bild: Thibault Camus/AP/dpa Le Pen hofft auf einen Freispruch, auch wenn dies als unwahrscheinlich gilt. (Archivbild) - Bild: Bertrand Guay/AFP/dpa Zieht Le Pen nicht ins Rennen, schicken die Rechtsnationalen Parteichef Bardella in den Ring. (Archivbild) - Bild: Jean-Francois Badias/AP/dpa

Das Pariser Berufungsgericht entscheidet heute ĂŒber Schuld und Strafe von Marine Le Pen – und stellt damit Weichen fĂŒr die französische PrĂ€sidentschaftswahl im kommenden Jahr. Denn die große Frage fĂŒr Le Pens Rechtsnationale ist, ob die 57-JĂ€hrige nach dem Urteil im Verfahren um mögliche ScheinbeschĂ€ftigung ĂŒberhaupt fĂŒr die Wahl kandidieren kann. In erster Instanz hatte das Gericht ihr das sogenannte passive Wahlrecht mit sofortiger Wirkung auf fĂŒnf Jahre entzogen.

Um 13.30 Uhr will das Gericht seine Entscheidung verkĂŒnden. Um 20.00 Uhr will dann Le Pen bekanntgeben, ob sie sich um Frankreichs höchstes Staatsamt bewirbt.

Darum geht es in dem Verfahren

Der Prozess in Paris dreht sich um den Vorwurf der Veruntreuung von Geldern. Zwischen 2004 und 2016 sollen Abgeordnete von Le Pens Partei Geld fĂŒr parlamentarische Assistenten im Europaparlament bekommen haben, die aber zumindest in Teilen fĂŒr die Partei Front National (mittlerweile: Rassemblement National) gearbeitet hĂ€tten. Le Pen hatte eine Verantwortung dafĂŒr vor Gericht von sich gewiesen. Neben der rechten FĂŒhrungsfigur stehen die Partei und elf weitere Angeklagte vor Gericht.

Folgende Szenarien sind beim Urteil fĂŒr Le Pen denkbar.

Sie wird freigesprochen:

Das gilt als unwahrscheinlich. Wenn es aber so kĂ€me, könnte Le Pen theoretisch kandidieren. Sollte dann aber die Anklage in Revision gehen, sĂ€he es fĂŒr Le Pen schwierig aus. DafĂŒr gibt es zwei GrĂŒnde: Zum einen hat das dann zustĂ€ndige Kassationsgericht angekĂŒndigt, seine Entscheidung noch vor der PrĂ€sidentschaftswahl zu fĂ€llen. Sollte es den Freispruch kippen und eine erneute Verhandlung anordnen, dĂŒrfte es zeitlich zwar nicht fĂŒr ein weiteres Urteil reichen, aber politisch könnte das Le Pen schaden.

Zum anderen gibt es in juristischen Kreisen eine Debatte darĂŒber, was mit dem vorlĂ€ufig angewandten Entzug ihres passiven Wahlrechts passiert, wenn sie in Revision geht. Das Urteil ist in einem solchen Fall nicht rechtskrĂ€ftig. Die vorlĂ€ufige Anwendung aus erster Instanz könnte im Falle der Revision aber weiterhin gelten.

Sie wird zu einer Haftstrafe verurteilt, erhÀlt aber kein Wahlverbot:

In diesem Fall könnte Le Pen unter UmstĂ€nden kandidieren. Sollte die Strafe aber nicht sehr kurz sein oder vollstĂ€ndig zur BewĂ€hrung ausgesetzt werden, wĂ€re eine Kandidatur wohl kaum praktikabel. Mit einer elektronischen Fußfessel wĂ€re Le Pen an strikte Ausgangszeiten gebunden. Ein Wahlkampf, geprĂ€gt von zahlreichen Terminen, wĂ€re unter diesen Bedingungen kaum vorstellbar und deshalb fĂŒr Le Pen keine Option, wie sie bereits sagte.

Ihr wird das passive Wahlrecht fĂŒr zwei Jahre entzogen:

Bei einem solchen Urteil könnte Le Pen eine Kandidatur eventuell riskieren. Als entscheidendes Datum fĂŒr das Recht, sich in ein öffentliches Amt wĂ€hlen zu lassen, gilt die erste Wahlrunde. Da Le Pen bereits seit Ende MĂ€rz 2025 das passive Wahlrecht entzogen ist, und die Wahl im kommenden April stattfindet, hĂ€tte sie die Strafe bis dahin verbĂŒĂŸt.

Einige EinschrÀnkungen blieben aber: Wird Le Pen im gleichen Atemzug zu einer Haftstrafe verurteilt, wÀre auch in diesem Fall eine Kandidatur kaum praktikabel. Sollten sie oder die Anklage Revision einlegen und dann die sofortige Anwendung des Wahlausschlusses nicht gelten, könnte sie durch ein Urteil des Kassationsgerichts noch kurz vor der Wahl ausgeschlossen werden.

Ihr wird das passive Wahlrecht fĂŒr mehr als zwei Jahre entzogen:

Selbst wenn keine sofortige Anwendung der UnwĂ€hlbarkeit verhĂ€ngt wird, dĂŒrfte es in diesem Fall fĂŒr Le Pen faktisch unmöglich sein, zu kandidieren. Zwar könnte sie in Revision gehen und darauf hoffen, dass die vorlĂ€ufige Anwendung der Strafe, die in erster Instanz verhĂ€ngt worden war, nicht greift. Sicher ist das aber nicht. Außerdem wĂŒrde sie riskieren, dass das Kassationsgericht das Urteil vor der Wahl bestĂ€tigt und sie somit kurzfristig aus dem Rennen fliegen wĂŒrde.

Sollte das Gericht beschließen, dass ein langjĂ€hriges Verbot, sich in öffentliche Ämter wĂ€hlen zu lassen, sofort angewandt werden muss, wĂ€re das das Ende von Le Pens TrĂ€umen von einer Kandidatur fĂŒr 2027.

Deshalb schauen auch die anderen Parteien auf die Entscheidung

Den Rechtsnationalen werden bei der PrĂ€sidentschaftswahl gute Chancen ausgerechnet, in die entscheidende Stichwahl zu kommen. Tritt Le Pen nicht an, schickt ihr Rassemblement National den 30 Jahre alten Parteichef Jordan Bardella ins Rennen. Beide fĂŒhren in den Umfragen zumindest fĂŒr die erste Wahlrunde deutlich vor möglichen Kandidatinnen und Kandidaten anderer Lager. Sowohl ihr Image als auch ihre tatsĂ€chlichen Erfolgsaussichten werden aber recht unterschiedlich eingeschĂ€tzt.

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