Immun im Amt? Trump erringt Teilsieg vor Oberstem Gericht
01.07.2024 - 17:03:31Donald Trump hat vor dem Obersten US-Gericht einen bedeutsamen Teilsieg errungen. In der Frage, ob Ex-PrĂ€sidenten vor Strafverfolgung geschĂŒtzt sind, entschied das Gericht in Washington, dass zumindest fĂŒr offizielle Amtshandlungen ImmunitĂ€t gilt. Die Richter gaben den Fall an die untere Instanz zurĂŒck und wiesen das zustĂ€ndige Gericht an, festzustellen, wie die Entscheidung auf Trumps Fall anzuwenden ist. Damit dĂŒrfte sich ein möglicher Prozessbeginn gegen Trump wegen versuchten Wahlbetrugs in der US-Hauptstadt Washington weiter verzögern. Es gilt als unwahrscheinlich, dass der Prozess noch vor der PrĂ€sidentenwahl im November startet.Â
«Der PrĂ€sident genieĂt keine ImmunitĂ€t fĂŒr seine inoffiziellen Handlungen, und nicht alles, was der PrĂ€sident tut, ist offiziell. Der PrĂ€sident steht nicht ĂŒber dem Gesetz», heiĂt es in der Entscheidung. Damit ist offen, welche Teile der Anklage gegen Trump in Washington noch Bestand haben. Der Supreme Court klĂ€rte diese Frage nicht. Es liegt nun an dem zustĂ€ndigen unteren Gericht, herauszufinden, fĂŒr welche Handlungen Trumps ImmunitĂ€t gilt. Dies dĂŒrfte ein langwieriger Prozess sein.Â
Das Urteil fiel mit sechs gegen drei Richterstimmen. Die als erzkonservativ geltende Mehrheit der Richter schloss sich im Grundsatz der Entscheidung an. Die drei als liberal geltenden Richterinnen widersprachen.Â
Anklage gegen Trump nach Kapitol-Sturm
Trump, der fĂŒr die Republikaner bei der PrĂ€sidentenwahl im November antritt, ist in der US-Hauptstadt im Zusammenhang mit versuchtem Wahlbetrug angeklagt. AnhĂ€nger Trumps hatten am 6. Januar 2021 den Parlamentssitz in Washington gestĂŒrmt. Trump hatte vor dem Sturm auf das Kapitol auf verschiedenen Ebenen versucht, das Ergebnis der PrĂ€sidentenwahl von 2020 zu kippen und seine damalige Niederlage gegen den Demokraten Joe Biden umzukehren. In der US-Hauptstadt Washington ist er deswegen angeklagt worden - auch im US-Bundesstaat Georgia lĂ€uft ein Verfahren gegen Trump wegen versuchter Wahlmanipulation.Â
Trump und seine AnwĂ€lte wollten erreichen, dass die Anklage in Washington fallen gelassen wird. Sie beriefen sich dabei auf die ImmunitĂ€t Trumps in seinem damaligen Amt als PrĂ€sident. Sie argumentierten, dass Trump nicht rechtlich fĂŒr Taten belangt werden könne, die zu seinen Pflichten als PrĂ€sident gehörten. Mit dieser Argumentation waren sie bereits vor einem Berufungsgericht US-Hauptstadt gescheitert. Zuvor hatte auch die zustĂ€ndige Richterin in dem Fall dieses Argument zurĂŒckgewiesen. Trumps AnwĂ€lte reichten Berufung ein, weshalb der Fall vor dem Supreme Court landete.
Historisches Urteil
Das Oberste Gericht, das unter Trump wegen mehrerer Nachbesetzungen weit nach rechts gerĂŒckt ist, bezog nun Stellung dazu, wie groĂ die Macht von US-PrĂ€sidenten ist und wo die Grenzen des Rechtsstaats liegen. Die Verfassung gewĂ€hrt PrĂ€sidenten nicht explizit ImmunitĂ€t, auch nicht wĂ€hrend ihrer Zeit im Amt. Allerdings ist das Justizministerium traditionell der Auffassung, dass PrĂ€sidenten zumindest wĂ€hrend ihrer Zeit im WeiĂen Haus nicht angeklagt werden können. Das Urteil mit Blick auf die rechtliche Handhabe fĂŒr Ex-PrĂ€sidenten wird auch immense Bedeutung fĂŒr kĂŒnftige PrĂ€sidenten haben und ist bereits jetzt als historisch zu werten.
Bei der Anhörung vor dem Supreme Court hörten sich die Richterinnen und Richter Ende April rund drei Stunden die Argumente von Trumps Anwalt und der Gegenseite an. «Dieser Fall hat enorme Auswirkungen auf die PrĂ€sidentschaft, auf die Zukunft der PrĂ€sidentschaft, auf die Zukunft des Landes», sagte etwa der konservative Richter Brett Kavanaugh. Einige Richter lieĂen in ihren Fragen durchblicken, dass sie zwar keine vollumfĂ€ngliche ImmunitĂ€t unterstĂŒtzen - aber gewisse Handlungen doch vor Strafverfolgung geschĂŒtzt sein sollten.Â
Gegen Trump laufen mehrere Verfahren
Gegen Trump laufen mittlerweile mitten im Wahlkampf mehrere Strafverfahren. Auch im US-Bundesstaat Georgia ist Trump wegen versuchten Wahlbetrugs angeklagt. In Florida wird ihm die mutmaĂlich gesetzeswidrige Aufbewahrung von Geheimdokumenten vorgeworfen.Â
Und in New York ist der Republikaner Ende Mai wegen unrechtmĂ€Ăig verbuchter Schweigegeldzahlungen an eine Pornodarstellerin verurteilt worden. Die StrafmaĂverkĂŒndung ist fĂŒr Mitte Juli angesetzt. Trump hat Berufung gegen das Urteil angekĂŒndigt.Â
Der Republikaner beteuert in allen Verfahren seine Unschuld und stellt die Ermittlungen gegen ihn als Versuch seiner politischen Gegner dar, ihn kaltzustellen. Bisher haben Trump die strafrechtlichen Ermittlungen in Umfragen nicht geschadet.Â
Das Urteil des Supreme Court dĂŒrfte auch Auswirkungen auf das Wahlbetrugsverfahren auf bundesstaatlicher Ebene in Georgia und das Geheimdokumente-Verfahren haben - in welchem MaĂ dĂŒrfte sich aber erst in den kommenden Wochen zeigen.Â





