Ukraine-Verhandlungen, Alaska

Ukraine-Verhandlungen in Alaska? Trump will Putin empfangen

10.08.2025 - 12:47:54

Es soll ein historisches Treffen werden: US-PrÀsident Trump lÀdt Kremlchef Putin ein - auf amerikanisches Staatsgebiet, das einst Russland gehörte. Es soll um die Ukraine gehen - ohne die Ukraine.

  • Donald Trump und Wladimir Putin wollen sich in Alaska treffen. (Archivbild) - Foto: Pavel Bednyakov/AP/AP/dpa

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  • Trump und Putin trafen sich schon mehrmals - darunter in Vietnam. (Archivbild) - Foto: Jorge Silva/Reuters Pool/dpa

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  • Der ukrainische PrĂ€sident ist zu dem Treffen bislang nicht eingeladen. - Foto: Jaimi Joy/PA Wire/dpa

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Donald Trump und Wladimir Putin wollen sich in Alaska treffen. (Archivbild) - Foto: Pavel Bednyakov/AP/AP/dpaTrump und Putin trafen sich schon mehrmals - darunter in Vietnam. (Archivbild) - Foto: Jorge Silva/Reuters Pool/dpaDer ukrainische PrÀsident ist zu dem Treffen bislang nicht eingeladen. - Foto: Jaimi Joy/PA Wire/dpa

US-PrĂ€sident Donald Trump und Kremlchef Wladimir Putin wollen sich am Freitag im US-Bundesstaat Alaska erstmals persönlich zu Verhandlungen ĂŒber den Krieg in der Ukraine treffen. Bis zu diesem ersten Treffen eines US-PrĂ€sidenten mit einem russischen Staatschef seit mehr als vier Jahren gibt es noch viel vorzubereiten. Vor allem aber sorgt schon vorab fĂŒr Kritik, dass die Ukraine, um die es vor allem geht, selbst nicht mit am Verhandlungstisch sitzt. Was das Treffen bringen kann - dazu einige Fragen und Antworten:

Worum geht es?

Der US-PrĂ€sident will den Krieg so schnell wie möglich beenden. Allerdings hat Russlands Armee, die auf Putins Befehl seit rund dreieinhalb Jahren einen zerstörerischen Angriffskrieg gegen die Ukraine fĂŒhrt, die Initiative und weitet ihre Eroberungen aus. TĂ€glich werden Menschen getötet. Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer flohen aus ihrer Heimat. Deshalb geht es nun vor allem um eine Waffenruhe - oder gar einen Friedensschluss.

Trump stellt den Gipfel als Versuch dar, einem Ende der KÀmpfe nÀherzukommen. Er warf in diesem Kontext einen möglichen Gebietstausch zwischen der Ukraine und Russland in den Raum, blieb dabei aber vage. 

Moskau forderte zuletzt fĂŒr eine friedliche Lösung des Konflikts unter anderem einen Verzicht der Ukraine auf einen Nato-Beitritt sowie die Abtretung der von Russland annektierten Gebiete. Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj lehnt den Verzicht auf die von Russland schon 2014 annektierte Schwarzmeer-Halbinsel Krim sowie auf die teils von Moskau kontrollierten Gebiete Luhansk, Donezk, Saporischschja und Cherson bisher aber kategorisch ab.

Internationale Grenzen dĂŒrften nicht gewaltsam verĂ€ndert werden, hieß es vor dem Gipfel auch in einer gemeinsamen ErklĂ€rung von Deutschland, Frankreich, Italien, Polen, Großbritannien, Finnland und der EU-Kommission.

Wo bleibt bei dem Treffen Selenskyj?

In Kiew betont PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj, dass es einen fairen Frieden nur mit Beteiligung der Ukraine an den Verhandlungen geben könne. Aber Putin lehnt Selenskyjs Teilnahme am Gipfel ab - zum jetzigen Zeitpunkt. Im Kreml in Moskau heißt es, das Hauptaugenmerk liege jetzt bei den bilateralen russisch-amerikanischen Verhandlungen.

Dagegen warnen Kiew und die EuropĂ€er, es dĂŒrfe bei dem Gipfel keine Geschenke an Russland geben. Jedes ZugestĂ€ndnis berge die Gefahr, Russland nur zu neuen Aggressionen zu ermutigen. 

Russland ist allerdings auch an wirtschaftlichen Kontakten mit den USA interessiert und will mit Trump kĂŒnftig ĂŒber die strategische Sicherheit sprechen - gemeint sind damit vor allem atomare RĂŒstungsfragen. Auch deshalb brachte Moskau schon ein Anschlusstreffen zwischen Putin und Trump ins Spiel - dann auf russischem Gebiet.

Was kann bei dem Gipfel ohne Kiew ĂŒberhaupt geklĂ€rt werden?

Russland will vor allem eine Wiederherstellung des VerhĂ€ltnisses mit den USA. Mit Blick auf die Ukraine dĂŒrfte Putin nach zahlreichen Telefonaten mit Trump nun im direkten GesprĂ€ch einmal mehr seine Sicht auf die UrsprĂŒnge des Konflikts deutlich machen und eine Lösung - womögliche eine teilweise Waffenruhe - anbieten. Eine Umsetzung gilt aber ohne ukrainische Beteiligung und Zustimmung als ausgeschlossen.

Insbesondere territoriale Fragen wĂŒrden eine umfangreiche Änderung der ukrainischen Verfassung erfordern, da in dieser alle Gebiete - einschließlich der Krim - aufgezĂ€hlt sind. VerfassungsĂ€nderungen, die zudem in Kriegszeiten gar nicht zulĂ€ssig sind, verlangen eine Zweidrittelmehrheit im Parlament, der Obersten Rada. Zudem muss das Verfassungsgericht zustimmen.

PrĂ€sident Selenskyj oder auch die Oberste Rada können also nicht einfach einen Gebietsverzicht beschließen. Auch eine internationale Anerkennung der Krim und anderer ukrainischer Gebiete als russisches Territorium, wie sie Moskau fordert, gilt als ausgeschlossen.

Allerdings hĂ€tte der US-PrĂ€sident natĂŒrlich einige Druckmittel gegen die Ukraine in der Hand, darunter vor allem ein kompletter Stopp der militĂ€rischen UnterstĂŒtzung, wie bereits im MĂ€rz kurzzeitig geschehen. ZusĂ€tzlich könnten die USA auch die Bereitstellung von AufklĂ€rungsdaten einstellen, was von den ĂŒbrigen ukrainischen VerbĂŒndeten nur schwer zu ersetzen wĂ€re. Die ukrainische Armee wĂ€re auf einen Schlag praktisch blind, die Fortsetzung des Krieges wĂŒrde fĂŒr sie immer schwerer werden. Der Ukraine könnte der Verlust ihres Staatsgebiets drohen.

Die Ukraine und Europa werfen Putin vor, kein Interesse an einem Frieden zu haben - ist das so?

TatsĂ€chlich wird auch in Moskau immer wieder betont, dass Russland noch genĂŒgend Ressourcen habe, den Krieg ĂŒber Jahre fortzusetzen. Zugleich erklĂ€rt der Kreml, daran kein Interesse zu haben. Doch was Putin bisher verlangt fĂŒr ein Ende der Kampfhandlungen, kĂ€me fĂŒr die Ukraine einer Kapitulation gleich. Ein Aufgeben lehnen Kiew und die EuropĂ€er ab.

Aber klar ist auch, dass die Sanktionen des Westens die russische Wirtschaft belasten. Trotz einer hochgefahrenen Kriegswirtschaft droht eine Rezession, es gibt viele Probleme bei schnell schrumpfenden RĂŒcklagen. Die Fortsetzung der Kampfhandlungen wird fĂŒr Russland immer teurer - nicht zuletzt, weil durch die Hunderttausenden Freiwilligen, die wegen der hohen GehĂ€lter in den Krieg ziehen, zunehmend ArbeitskrĂ€fte fehlen. 

Die unabhĂ€ngige russische Politologin Tatjana Stanowaja sieht Chancen bei dem Gipfel. Trump habe selbst zu verstehen gegeben, dass Russland einen militĂ€rischen Vorteil habe und Sanktionen Putin wohl nicht beeindruckten. «Meiner Meinung nach ist dies nun der erste mehr oder weniger realistische Versuch, den Krieg zu beenden», sagt sie. «Gleichzeitig bin ich Ă€ußerst skeptisch, was die Umsetzung der Vereinbarungen angeht, selbst wenn es fĂŒr eine gewisse Zeit zu einem Waffenstillstand kommen sollte.»

Wann war Putin zuletzt in den USA - und wie gut kennt er Trump?

Nach Angaben des US-Außenministeriums war Putin zuletzt im September 2015 in den Vereinigten Staaten, um in New York an der Generalversammlung der Vereinten Nationen teilzunehmen. Dort traf er auch den damaligen US-PrĂ€sidenten Barack Obama, der Putin auch in Moskau besuchte.

Trump hat Putin schon mehrfach getroffen - wÀhrend seiner ersten Amtszeit von 2017 bis 2021, unter anderem 2019 beim G20-Gipfel im japanischen Osaka. Unter Trumps Nachfolger Biden, den Putin zuletzt 2021 in Genf traf, herrschte nach Beginn des russischen Angriffskriegs im Februar 2022 zwischen Washington und Moskau weitgehend Funkstille.

Seit Beginn seiner zweiten Amtszeit im Januar 2025 prĂ€sentiert sich Trump als Vermittler fĂŒr eine Friedenslösung, der einen guten Draht zu Putin pflegt. Er distanzierte sich dabei vom UnterstĂŒtzerkurs Bidens fĂŒr die Ukraine und stellte auch US-Waffenlieferungen an das angegriffene Land infrage. Er geht sogar regelmĂ€ĂŸig so weit zu behaupten, es handele sich um «Bidens Krieg». 

Wollte Trump nicht eigentlich den Druck auf Putin erhöhen?

Im Wahlkampf hatte sich Trump noch damit gebrĂŒstet, den Krieg innerhalb von 24 Stunden beenden zu wollen. Seit Beginn seiner Amtszeit im Januar telefonierte er mehrfach mit Putin. Zuletzt Ă€ußerte er sich jedoch zunehmend kritisch ĂŒber den Kremlchef. Dass Putin sich gerade jetzt zu einem raschen Wiedersehen mit dem US-PrĂ€sidenten bereiterklĂ€rte, kam deshalb relativ ĂŒberraschend. 

Am 29. Juli hatte Trump eine Frist von zehn Tagen gesetzt und in diesem Zeitraum eine Waffenruhe zwischen Moskau und Kiew gefordert. FĂŒr den Fall, dass es dazu nicht kommen sollte, kĂŒndigte er Sanktionen gegen wichtige Handelspartner Russlands an - und belegte als erstes Land Indien wegen seiner ÖlgeschĂ€fte mit Moskau mit neuen Strafzöllen. Diese sollen allerdings erst am 27. August in Kraft treten. Das 10-Tage-Ultimatum von Ende Juli ist nun abgelaufen, ohne dass Trump weitere Staaten mit neuen Abgaben im Kontext des Ukraine-Kriegs belegt hat. 

Warum ĂŒberhaupt Alaska?

Trump ist Hausherr, Putin kommt als Gast. FĂŒr Trump wird die Anreise fast so lange dauern wie fĂŒr Putin: Alaska ist der nördlichste Bundesstaat der USA. Er liegt gar nicht so weit entfernt von Russland - an der engsten Stelle sind es nur wenige Kilometer. Die Meerenge Beringstraße trennt das Gebiet von russischem Territorium. 

Der genaue Ort des Treffens und die Zeit der Begegnung sind noch unklar. Alaska liegt aber auch im Sinne Putins weit weg von Europa, um zu zeigen, dass die EuropĂ€er im Grunde außen vor sind. Und aus SicherheitsgrĂŒnden ist es ideal fĂŒr den Kremlchef, weil keine Drittstaaten beteiligt sind. Zudem muss er dort den Haftbefehl des internationalen Strafgerichtshofs nicht befĂŒrchten, weil die USA wie Russland die Instanz nicht anerkennen. 

Alaska zÀhlte bis Mitte des 19. Jahrhunderts zum heutigen Russland, bis die Vereinigten Staaten dem damaligen Kaiserreich das Gebiet mit vielen BodenschÀtzen abkauften.

@ dpa.de