Pro-EuropÀer Nicusor Dan gewinnt PrÀsidentenwahl in RumÀnien
19.05.2025 - 05:00:45Freude von Paris bis Kiew: Nach dem Wahlsieg des pro-europĂ€ischen Politikers Nicusor Dan bei der PrĂ€sidentenwahl in RumĂ€nien zeigen sich europĂ€ische Spitzenpolitiker erleichtert. Am spĂ€ten Abend gratulierten der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj und EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen, Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron und dessen moldauische Kollegin Maia Sandu dem 55-JĂ€hrigen zum Wahlsieg. Dan hatte sich ĂŒberraschend gegen den Rechtspopulisten George Simion durchgesetzt.
Dan erzielte nach AuszĂ€hlung der Stimmen aller Wahllokale rund 53,60 Prozent, Simion rund 46,40 Prozent. Am spĂ€ten Abend gestand Simion seine Niederlage nach langem Zögern ein.Â
Dan rief Tausenden jubelnden Fans vor dem Bukarester Rathaus zu: «Dieser Sieg gehört Euch!» Die begeisterte Menge antwortete im Chor: «Russland, Russland, RumĂ€nien gehört nicht dir!» Dies bezog sich darauf, dass Dans Rivale Simion den Kremlfreund Calin Georgescu fĂŒr das Amt des MinisterprĂ€sidenten hatte durchsetzen wollen. Dan amtiert derzeit noch als BĂŒrgermeister von Bukarest.Â
Dan warnt vor schweren Zeiten
Dan betonte am Wahlabend mehrfach, dass wegen des hohen Budgetdefizits und wegen einer voraussichtlich schwierigen Regierungsbildung viel Arbeit auf ihn zukomme. «Es wird eine schwierige Zeit sein, die notwendig ist, um die Wirtschaft (...) ins Gleichgewicht zu bringen, um die Grundlagen fĂŒr eine gesunde Gesellschaft zu schaffen. Bitte haben Sie dafĂŒr Geduld», sagte er.Â
Der sozialdemokratische MinisterprĂ€sident Marcel Ciolacu war am 5. Mai wegen der Niederlage seines Kandidaten in der ersten Runde der PrĂ€sidentenwahl vom 4. Mai zurĂŒckgetreten. Dan rief nun «alle pro-europĂ€ischen Parteien» im Parlament zur Kooperation auf. Allerdings haben drei extrem rechte Parteien zusammen mehr als ein Drittel der Sitze im Parlament, darunter die Partei AUR von Simion.
Mit Simion hÀtten die Zeichen auf Unberechenbarkeit gestanden
Der Rechtspopulist Simion gestand seine Niederlage erst nach langem Zögern ein. Er gratulierte Dan in einer Videobotschaft bei Facebook und sprach dabei von seiner «bitteren Niederlage».Â
Weit vor dem Ende der AuszĂ€hlung hatte sich Simion noch zum Sieger erklĂ€rt. «Wir sind die klaren Gewinner dieser Wahl. Wir beanspruchen diesen Sieg im Namen des rumĂ€nischen Volkes», sagte er. Vor den Wahlen hatte Simion den Behörden Versuche des Wahlbetrugs unterstellt, ohne Beweise vorzulegen.Â
Simion wollte Kremlfreund Georgescu zum Regierungschef machen
HĂ€tte Simion die Wahl gewonnen, wĂ€re auf RumĂ€nien und auch die EU wohl ein weitgehend unberechenbarer Staatschef zugekommen. Kritiker werfen dem Populisten vor, flatterhaft und launisch zu sein. Er vertrat mitunter widersprĂŒchliche politische Ansichten. Einerseits wollte er etwa dem rechtsextremen Kremlfreund Calin Georgescu zur Macht verhelfen und ihn zum Regierungschef machen, wie er am Wahlabend bestĂ€tigte. Andererseits hatte Simion zuletzt Russland im Ukraine-Konflikt als Aggressor bezeichnet, aber auch weiteren Hilfen fĂŒr die Ukraine eine Absage erteilt.Â
Simion Ă€uĂerte in der Vergangenheit Bewunderung fĂŒr die Politik des ungarischen MinisterprĂ€sidenten Viktor Orban und hĂ€tte Experten zufolge wahrscheinlich diesen in seinen Konflikten mit der EU-Kommission unterstĂŒtzt. Zugleich aber war der Nationalist Simion auch als Gegner der in RumĂ€nien lebenden ungarischen Minderheit aufgetreten.
Der in RumĂ€nien nach wie vor beliebte Georgescu, den Simion als seinen Mentor darstellte, war im November 2024 bei der spĂ€ter annullierten PrĂ€sidentenwahl auf Platz eins gekommen. Das Verfassungsgericht hatte diese Wahl wegen regelwidriger Wahlkampfmethoden und intransparenter Finanzierung annulliert und seine erneute Kandidatur verboten.Â
GlĂŒckwĂŒnsche fĂŒr Dan aus Kiew, BrĂŒssel und Chisinau
Der ukrainische PrĂ€sident Selenskyj gratulierte Dan zu seinem «historischen Sieg», wie er auf der Kurznachrichten-Plattform X schrieb. «Wir werden immer einen hohen Respekt fĂŒr RumĂ€nien und seine Menschen haben, insbesondere angesichts der Hilfe, die wir wĂ€hrend der schwersten Zeit unserer Geschichte bekommen haben», fĂŒgte er hinzu. RumĂ€nien unterstĂŒtzt das vom russischen Angriffskrieg heimgesuchte Nachbarland Ukraine vor allem in der Logistik und bietet sich als Transportweg an.Â
EU-KommissionsprĂ€sidentin von der Leyen schrieb bei X, die RumĂ€nen hĂ€tten mit der Entscheidung fĂŒr Dan «das Versprechen eines offenen, wohlhabenden RumĂ€nien in einem starken Europa gewĂ€hlt». Frankreichs PrĂ€sident Macron rief seinen kĂŒnftigen neuen Kollegen in Bukarest an, wie er bei X mitteilte. Die RumĂ€nen hĂ€tten «trotz zahlreicher Manipulationsversuche (...) den Weg der Demokratie» gewĂ€hlt.
GlĂŒckwĂŒnsche kamen auch aus der ebenfalls von Russland bedrĂ€ngten Republik Moldau. PrĂ€sidentin Maia Sandu hatte ihre BĂŒrger aufgerufen, fĂŒr Dan zu stimmen. Viele Moldauer haben auch einen rumĂ€nischen Pass. «Die ganze Welt sieht, wie stark wir sind, wenn wir zusammenhalten», schrieb Sandu bei Facebook. Dan erhielt fast 88 Prozent der Stimmen der in Moldau wĂ€hlenden RumĂ€nen.





