Indigene Aktivisten stĂŒrmen GelĂ€nde der Klimakonferenz
12.11.2025 - 02:32:17Zahlreiche indigene Aktivisten und ihre UnterstĂŒtzer sind auf das hochgesicherte GelĂ€nde der Weltklimakonferenz im brasilianischen BelĂ©m eingedrungen. Videos sĂŒdamerikanischer Medien zeigen, wie sie am Dienstagabend (Ortszeit) gewaltsam eine TĂŒr aufbrachen und sich ein Gerangel mit SicherheitskrĂ€ften lieferten.Â
Auf Instagram-Videos mehrerer Aktivisten war zu sehen, wie eine groĂe Menschentraube von Demonstranten auf den Fluren des Konferenzzentrums Fahnen schwenkte und protestierte. BBC-Reporter beobachteten nach eigenen Angaben, wie UN-Sicherheitspersonal noch anwesenden Delegierten zurief, sie sollten das GelĂ€nde verlassen.Â
Eine lokale Journalistin, die das Geschehen auf dem GelĂ€nde verfolgte und aus SicherheitsgrĂŒnden anonym bleiben will, sagte einer dpa-Reporterin vor Ort, eine solche Eskalation habe sich schon lange angekĂŒndigt. In Brasilien wĂŒrden immer wieder UmweltschĂŒtzer getötet, «es gibt diesen Schmerz schon seit langer Zeit». Mit dem Eindringen hĂ€tten die Indigenen ein Zeichen setzen wollen.
Indigene auf dem Gipfel auch offiziell vertreten
Auf dem Klimagipfel im Amazonasgebiet sind auch Tausende Vertreter indigener Gemeinschaften vertreten. Sie setzen sich gegen die Zerstörung ihrer angestammten Heimat ein, etwa durch die Abholzung des Regenwalds. Zuvor hatte es einen Marsch durch die Stadt zu den gesundheitlichen Gefahren des Klimawandels mit rund 3.000 Teilnehmenden gegeben.Â
Deren Organisatoren grenzten sich ausdrĂŒcklich von den gewaltsamen Szenen nach Ende ihrer Demo ab. «Die Handlungen, die nach dem Marsch stattfanden, gehören nicht zur Organisation des Ereignisses», erklĂ€rte die beteiligte Organisation 350.org. Dem brasilianischen Nachrichtenportal «G1» zufolge sollen zwei Wachleute verletzt worden sein, auf einem Video ist zu sehen, wie ein Wachmann an der Stirn blutet.
VerschÀrfte Sicherheitslage in Belém
In den sozialen Medien war auf Videos zudem zu sehen, wie SicherheitskrĂ€fte von innen mit Tischen das GelĂ€nde verbarrikadierten â das Eindringen konnten sie jedoch nicht verhindern.Â
Als die SicherheitskrĂ€fte die Lage schlieĂlich wieder im Griff hatten, wurde das GelĂ€nde vollstĂ€ndig evakuiert und abgeriegelt. Etliche ReinigungskrĂ€fte saĂen am Abend drauĂen vor den Toren. Normalerweise ist die bewachte Zeltstadt, vor deren Zufahrt sogar ein groĂer Panzer aufgebaut ist, auch ĂŒber Nacht geöffnet, da sich die Verhandlungen teils in die LĂ€nge ziehen und Journalisten aus allen Zeitzonen aus dem Pressezentrum berichten.
Am spĂ€ten Abend (Ortszeit) hatte sich die Lage wieder beruhigt. Die ZugĂ€nge zum COP-GelĂ€nde blieben verschlossen, davor bauten sich maskierte Soldaten und andere SicherheitskrĂ€fte auf. Mehrere Polizeiwagen standen mit Blaulicht vor den Toren. Auf dem GelĂ€nde selbst liegt die Sicherheitsverantwortung bei der UN-Polizei.Â
Unangenehme Fragen fĂŒr den Gastgeber
FĂŒr den Gastgeber Brasilien und die Vereinten Nationen stellen sich mit dem Zwischenfall wenige Tage, bevor aus aller Welt Ministerinnen und Minister fĂŒr die finale Phase der Verhandlungen anreisen, unangenehme Fragen: Wie konnten die Aktivisten eindringen? Weshalb hatten sie ĂŒberhaupt das GefĂŒhl, sich auf diesem Wege Gehör verschaffen zu mĂŒssen? Dies dĂŒrfte die Konferenz weiter beschĂ€ftigen.Â
Die Konferenzleitung teilte am spÀten Abend mit, der Haupteingang werde nach den Ereignissen repariert und ab 7.00 Uhr morgens (Ortszeit, 11.00 Uhr MEZ) am Mittwoch wieder geöffnet.
In Brasilien erstmals wieder Proteste möglich
Erstmals seit Jahren findet die UN-Klimakonferenz wieder in einem demokratischen Rechtsstaat statt, und nicht wie zuletzt in autoritĂ€r regierten LĂ€ndern wie Aserbaidschan, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Ăgypten. Deren repressive Sicherheitsbehörden hatten Demonstrationen und Kundgebungen von Klimaaktivisten rigoros untersagt und nur auf dem abgeschotteten COP-GelĂ€nde selbst geduldet.Â
Das ist nun in Brasilien anders: Proteste sind auch im Stadtgebiet möglich. Auch zur Halbzeit der Konferenz am Wochenende sind Proteste geplant, flankiert von weiteren «Klimastreiks» rund um den Globus.





