Erfolg, Trump

Erfolg fĂŒr Trump: Supreme Court befasst sich mit ImmunitĂ€t

29.02.2024 - 04:54:55

Ex-PrÀsident Donald Trump will einen Prozess wegen versuchten Wahlbetrugs in Washington unbedingt verhindern. Dabei setzt er auf das Oberste Gericht. Das nimmt sich der Sache nun an.

  • Donald Trump ist in der US-Hauptstadt Washington im Zusammenhang mit versuchtem Wahlbetrug angeklagt (Archivbild). - Foto: Rebecca Blackwell/AP/dpa

    Rebecca Blackwell/AP/dpa

  • Der Supreme Court ist unter Trump deutlich nach rechts gerĂŒckt. - Foto: Jacquelyn Martin/AP

    Jacquelyn Martin/AP

Donald Trump ist in der US-Hauptstadt Washington im Zusammenhang mit versuchtem Wahlbetrug angeklagt (Archivbild). - Foto: Rebecca Blackwell/AP/dpaDer Supreme Court ist unter Trump deutlich nach rechts gerĂŒckt. - Foto: Jacquelyn Martin/AP

Der frĂŒhere US-PrĂ€sident Donald Trump hat einen wichtigen Teilerfolg eingefahren bei dem BemĂŒhen, die anstehenden Gerichtsverfahren gegen ihn hinauszuzögern. Das Oberste Gericht der USA nahm Trumps Berufung in der Frage nach ImmunitĂ€t vor Strafverfolgung an.

Es geht darum, ob der Republikaner fĂŒr bestimmte Handlungen wĂ€hrend seiner Amtszeit als PrĂ€sident ĂŒberhaupt belangt werden kann oder nicht. Geplant sei dazu nun eine Anhörung Ende April, teilte der Supreme Court mit. Damit ist offen, ob und wann der politisch bedeutsame Prozess gegen den Ex-PrĂ€sidenten und aktuellen PrĂ€sidentschaftsbewerber wegen versuchten Wahlbetrugs in Washington beginnen kann.

Der Prozess zur Wahl

Trump ist in der US-Hauptstadt im Zusammenhang mit versuchtem Wahlbetrug angeklagt. AnhĂ€nger Trumps hatten am 6. Januar 2021 den Parlamentssitz in Washington gestĂŒrmt. Dort war der Kongress zusammengekommen, um den Sieg des Demokraten Joe Biden bei der PrĂ€sidentenwahl formal zu bestĂ€tigen. Trump hatte seine AnhĂ€nger zuvor bei einer Rede mit der Behauptung aufgewiegelt, er sei durch Betrug um den Wahlsieg gebracht worden. Infolge der Krawalle kamen damals fĂŒnf Menschen ums Leben. Trump hatte bereits vor dem Sturm auf das Kapitol auf verschiedenen Ebenen versucht, das demokratische Wahlergebnis zu kippen. Er erkennt seine Niederlage gegen Biden bis heute nicht an und will nach der PrĂ€sidentenwahl im November wieder ins Weiße Haus einziehen.

Trump und seine AnwĂ€lte wollen erreichen, dass die Anklage in Washington fallen gelassen wird. Sie berufen sich dabei auf die ImmunitĂ€t Trumps in seinem damaligen Amt als PrĂ€sident und argumentieren, dass Trump nicht rechtlich fĂŒr Taten belangt werden könne, die zu seinen Pflichten als PrĂ€sident gehörten. Mit dieser Argumentation waren sie vor einem Berufungsgericht in der US-Hauptstadt gescheitert. Dieses urteilte, dass der 77 Jahre alte Republikaner fĂŒr seine Handlungen im Amt strafrechtlich belangt werden könne. Trump ging dagegen vor und forderte den Supreme Court auf, sich der Sache anzunehmen.

Die Rolle des Supreme Courts

Der Oberste Gerichtshof der USA kam dem nun nach. Das Gericht teilte mit, es werde prĂŒfen, «ob und wenn ja, in welchem Umfang ein ehemaliger PrĂ€sident ImmunitĂ€t vor strafrechtlicher Verfolgung fĂŒr Verhaltensweisen genießt, die mutmaßlich mit Amtshandlungen wĂ€hrend seiner Amtszeit zusammenhĂ€ngen». Bei der Anhörung Ende April sollen beide Seiten ihre Position vortragen. Danach dĂŒrfte es mehrere Wochen dauern, bis das Gericht eine Entscheidung fĂ€llt.

Ein solcher Beschluss ĂŒber den Schutz vor Strafverfolgung hat auch immense Bedeutung fĂŒr kĂŒnftige PrĂ€sidenten. Sollten diese wirklich ImmunitĂ€t genießen, könnten sie möglicherweise Straftaten im Amt begehen, ohne Konsequenzen fĂŒrchten zu mĂŒssen. Es bleibt aber abzuwarten, wie genau das Urteil des Supreme Courts aussehen wird.

Der torpedierte Zeitplan

Sollte das Gericht dem Republikaner Recht geben, dĂŒrfte dies das Aus fĂŒr den Wahlbetrugsprozess in Washington bedeuten. Sollte das Gericht Trumps EinwĂ€nde dagegen abweisen, wĂŒrden danach voraussichtlich noch mal mehrere Wochen verstreichen, bis der Prozess zu versuchtem Wahlbetrug beginnen könnte - um Trumps Team Zeit zur Vorbereitung zu geben. Das heißt, ein möglicher Prozessauftakt könnte sehr nah an den Termin der PrĂ€sidentenwahl Anfang November heranreichen. Manche Rechtsexperten halten es auch fĂŒr möglich, dass es vor dem Wahltermin gar nicht mehr zum Prozess kommt.

Die zustĂ€ndige Richterin im Wahlbetrugsverfahren hatte den Beginn des Prozesses bis zur endgĂŒltigen KlĂ€rung der ImmunitĂ€tsfrage auf unbestimmte Zeit verschoben. UrsprĂŒnglich hĂ€tte das Verfahren kommende Woche beginnen sollen.

Trump will bei der Wahl im November erneut fĂŒr die Republikaner antreten und ist bei den parteiinternen Vorwahlen der klare Spitzenreiter. Er bezeichnet die Ermittlungen gegen ihn regelmĂ€ĂŸig als «politische Hexenjagd» und stellt sich selbst als Justizopfer dar.

Trump Ă€ußerte sich zufrieden mit dem Schritt des Supreme Courts und erklĂ€rte, auch Rechtsexperten seien «Àußerst dankbar», dass das Gericht die Frage aufgreife. Ohne prĂ€sidiale ImmunitĂ€t könne ein PrĂ€sident nicht vernĂŒnftig seine Arbeit machen.

Die anderen Trump-FĂ€lle

Aktuell deutet alles darauf hin, dass Trump die PrĂ€sidentschafts-Vorwahlen seiner Partei gewinnen wird und es zu einer Neuauflage des Rennens zwischen ihm und dem demokratischen Amtsinhaber Biden kommen dĂŒrfte. Bisher haben Trump die Ermittlungen gegen ihn in Umfragen nicht geschadet. Dies könnte sich Ă€ndern, wenn Trump von einer Geschworenenjury noch vor der Wahl verurteilt wĂŒrde. Daher stemmt er sich mit aller Kraft gegen die Prozesse.

Insgesamt ist Trump mit vier strafrechtlichen Verfahren gegen ihn konfrontiert: Neben dem Wahlbetrugsverfahren im Bund gibt es ein weiteres im US-Bundesstaat Georgia. Trump ist außerdem im Zusammenhang mit Schweigegeldzahlungen an eine Pornodarstellerin angeklagt worden und wegen der Mitnahme geheimer Regierungsdokumente nach seiner Zeit im Amt. Trumps AnwĂ€lte berufen sich auch in dem Dokumenten-Fall auf die prĂ€sidiale ImmunitĂ€t und versuchen so, das Verfahren zu stoppen.

Und auch der Supreme Court ist gleich in mehreren FÀllen mit Trump beschÀftigt: Das Gericht befasst sich aktuell mit der Frage, ob der Republikaner weiterhin an den Vorwahlen teilnehmen darf oder gar vom Amt des PrÀsidenten ausgeschlossen werden kann. Die Richterinnen und Richter zeigten sich bei einer Anhörung Anfang Februar dazu eher skeptisch - es deutete sich eine Entscheidung im Sinne Trumps an. Wann das Urteil kommt, ist offen.

Trump hatte sich an das Gericht gewandt, um ein Urteil aus dem Bundesstaat Colorado zu kippen, wonach er sich aufgrund seiner Rolle in Verbindung mit dem Angriff auf das US-Kapitol 2021 fĂŒr die Vorwahl disqualifiziert hat. Auch in Maine fiel eine Ă€hnliche Entscheidung gegen Trump - und erst am Abend auch in einem dritten Bundesstaat, in Illinois. Der Fall in Colorado, der beim Supreme Court liegt, gilt als exemplarisch fĂŒr den Vorstoß auch in den anderen Bundesstaaten.

WĂ€hrend Trumps Amtszeit war der Supreme Court deutlich nach rechts gerĂŒckt. Der Republikaner verschob wĂ€hrend seiner PrĂ€sidentschaft durch mehrere Neubesetzungen die MehrheitsverhĂ€ltnisse zwischen den tendenziell konservativen und den eher liberal gesinnten Richtern am Gericht deutlich. Allerdings entschied das Gericht in der Vergangenheit nicht immer Sinne des ehemaligen PrĂ€sidenten.

@ dpa.de