Experten warnen vor russischer Propaganda auf Tiktok
30.06.2023 - 01:04:51 | dts-nachrichtenagentur.deDie Nicht-Regierungsorganisation ISD hat einen Kurzfilm-Kanal, dem auf Tiktok insgesamt 18.000 Menschen folgen und dessen Video-Clips mehrere Millionen Aufrufe erhalten, ĂŒber mehrere Monate ausgewertet und ordnet die Videos russischen Staatsmedien zu. "Die Kampagne zeigt, wie einfach und ungehindert russische Staatsmedien weiterhin auf populĂ€ren Social-Media-Plattformen wie YouTube und Tiktok agieren können. Mit kurzen und vermeintlich unterhaltsamen Clips haben sie insbesondere junge Menschen im Visier", sagte Julia Smirnova, Senior Analyst bei Institute for Strategic Dialogue (ISD) und Russland-Expertin, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Freitagausgaben).
Das untersuchte Video-Format ist den Recherchen zufolge nicht nur auf Tiktok verfĂŒgbar, sondern kann etwa auch bei Youtube, Telegram oder Apple abgerufen werden. Das Format richtet sich nach EinschĂ€tzung von ISD meist gegen die deutsche Regierung, zentrales Thema ist "ökonomische Angst" etwa durch die Energiekrise. In der ISD-Analyse heiĂt es: "Das Ziel scheint darin zu bestehen, bei den Deutschen ein GefĂŒhl des Grolls gegenĂŒber der eigenen Regierung zu schĂŒren." Im Visier der Macher sind neben Bundeskanzler Olaf Scholz vor allem Politiker der GrĂŒnen wie etwa Annalena Baerbock, Robert Habeck und Ricarda Lang. ISD-Analystin Smirnova sagte: "Ihre Angriffe auf Politikerinnen der GrĂŒnen bedienen sexistische Stereotypen, werten sie als inkompetent ab oder fokussieren auf ihr Aussehen - eine besonders perfide Taktik, die wir von rechten frauenfeindlichen Netzwerken kennen." Das ISD ist ein unabhĂ€ngiger Non-Profit-Think-Tank, der sich seit Jahren mit den Themen Extremismus und Desinformation in Analysen und Berichten befasst. Die Bundesregierung warnte auf Nachfrage der Funke-Zeitungen ebenfalls: "Mittels Desinformation versucht zum Beispiel die russische Regierung, die öffentliche Meinung in Deutschland zu beeinflussen, etwaige Spaltungslinien in der Gesellschaft zu verschĂ€rfen und politische Entscheidungsprozesse zu stören", teilte eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums mit. FĂŒr die Verbreitung seiner Narrative in Deutschland greife Russland "auf ein komplexes Netzwerk von staatlichen oder staatlich gesteuerten Akteuren zurĂŒck, welches unter anderem aus deutschsprachigen russischen Staatsmedien, politischen Organisationen, Kulturvereinen, Oligarchen, Stiftungen und Denkfabriken" bestehe.
dts Deutsche Textservice Nachrichtenagentur GmbH
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