Rechte Randale in britischen StÀdten nach Bluttat
04.08.2024 - 11:57:41Mit antimuslimischen Krawallen haben Ultranationalisten in mehreren britischen StĂ€dten schwere SchĂ€den angerichtet und Polizisten verletzt. Der neue Premierminister Keir Starmer kĂŒndigte ein hartes Durchgreifen an. An die Randalierer gewandt, sagte er: «Ihr werdet es bereuen.» Es handele sich nicht um Proteste, sondern um rechtsextremes Banditentum ohne jede Rechtfertigung.
Landesweit wurden Dutzende Menschen festgenommen. Die Behörden rĂŒsten sich fĂŒr weitere Ausschreitungen, die als Reaktion auf eine Bluttat mit drei erstochenen MĂ€dchen vor einer Woche gelten.
Erste PrĂŒfung fĂŒr neuen Premier
Starmers Sprecher teilte mit, die EinsatzkrĂ€fte hĂ€tten volle UnterstĂŒtzung, um gegen Extremisten vorzugehen, die Polizisten attackierten und versuchten, Hass zu schĂŒren. Die Ausschreitungen gelten als erste PrĂŒfung fĂŒr den sozialdemokratischen Regierungschef, der seit einem Monat im Amt ist.
Nahe der nordenglischen Stadt Rotherham griffen Vermummte ein Hotel an, in dem Asylbewerber untergebracht werden. Mehrere Fenster wurden eingeworfen und Polizisten mit StĂŒhlen und Zaunlatten sowie Schaum aus einem Feuerlöscher attackiert. Mindestens ein Beamter wurde verletzt. Dem Sender Sky News zufolge drangen einige Angreifer in das GebĂ€ude ein.
Innenministerin Yvette Cooper verurteilte auf der Plattform X den «kriminellen, gewalttĂ€tigen Angriff»: «VorsĂ€tzliches AnzĂŒnden eines GebĂ€udes, in dem sich bekanntermaĂen Menschen aufhielten.»
In der nordostenglischen Stadt Middlesbrough marschierte ein Mob durch Wohnviertel und warf Fenster von Autos und HĂ€usern ein, ein Auto wurde angezĂŒndet. Mehrere Menschen wurden festgenommen.
Die antimuslimischen Krawalle dauern bereits seit Tagen an. Ursache sind vor allem Falschmeldungen in sozialen Medien ĂŒber die IdentitĂ€t eines Messerangreifers, der am Montag in der nordwestenglischen Stadt Southport drei MĂ€dchen im Alter von sechs, sieben und neun Jahren erstochen und mehrere Kinder sowie zwei Erwachsene teilweise lebensgefĂ€hrlich verletzt hatte. Das Motiv ist unklar.
Die Polizei betont, der 17 Jahre alte TatverdĂ€chtige sei in GroĂbritannien geboren worden. Seine Eltern stammen aus Ruanda. Auch der rechtspopulistische Abgeordnete Nigel Farage, der einst den Brexit maĂgeblich vorangetrieben hatte, spekulierte, ob die Behörden die Wahrheit verschwiegen. Kritiker werfen ihm vor, die Randale damit anzuheizen.
Gezielte Angriffe auf GeschÀfte von Muslimen
Polizei-StaatssekretĂ€rin Diana Johnson sagte dem Sender BBC Radio 4, einige Menschen hĂ€tten Angst, wegen ihrer Hautfarbe auf die StraĂe zu gehen. In der nordirischen Hauptstadt Belfast brannten etwa ein CafĂ© und ein Supermarkt aus, die von Muslimen betrieben werden. Mehrere Autos wurden angezĂŒndet.
In Liverpool gab es nach Angaben der Polizei BrandschĂ€den an einer Gemeindebibliothek, die als Hilfsstelle fĂŒr Ă€rmere Menschen dient. Randalierer versuchten, die Löscharbeiten zu verhindern, wie die Merseyside Police mitteilte. In mehreren StĂ€dten wurden GeschĂ€fte geplĂŒndert.Â
Der Lord Mayor von Liverpool, Richard Kemp, machte im Sender Sky News drei Motive aus: «Manche Leute sind verĂ€rgert â nicht aus den richtigen GrĂŒnden, aber sie sind es â, manche wollen sich einfach nur prĂŒgeln und einige wollen lediglich Zigaretten und Geld aus der Kasse klauen.»
Die Polizeivereinigung warnte vor PersonalengpĂ€ssen bei AlltagskriminalitĂ€t. Beamte mĂŒssten abgezogen werden, um die Randalierer im Griff zu haben, sagte die Chefin der Police Federation of England and Wales, Tiffany Lynch, der BBC. StaatssekretĂ€rin Johnson betonte hingegen, die Polizei verfĂŒge ĂŒber ausreichend Ressourcen.
Zu den Protesten - oft nahe einer Moschee oder einem muslimischen Gemeindezentrum - aufgerufen hatte unter anderem der bekannte Rechtsradikale und GrĂŒnder der English Defence League, Stephen Yaxley-Lennon, der unter dem Namen Tommy Robinson bekannt ist. Er floh vor einer Woche aus dem Land, nachdem er in einem Fall wegen Verleumdung nicht zu einem Gerichtstermin erschienen war. Aus dem Ausland verbreitet Robinson nun Verschwörungstheorien.
Polizei weist Falschnachrichten zurĂŒck
Die Polizei warnte vor Falschnachrichten, mit denen in Chatgruppen fĂŒr die Teilnahme an den Protesten geworben werde. Die Behörde wies Berichte in sozialen Medien zurĂŒck, dass zwei Teilnehmer eines antimuslimischen Marsches im mittelenglischen Stoke-on-Trent niedergestochen worden seien. Zwei MĂ€nner seien leicht verletzt worden, als sie von stumpfen GegenstĂ€nden getroffen worden seien.
Innenministerin Cooper sagte, Gesetzesbrecher wĂŒrden einen hohen Preis zahlen. «GewalttĂ€tigkeit hat keinen Platz auf unseren StraĂen», betonte Cooper. Ihr VorgĂ€nger James Cleverly, der Nachfolger von Rishi Sunak als Chef der Konservativen Partei werden will, rief die neue Regierung zu hĂ€rterem Durchgreifen auf.

















