Auch Deutsche unter freigelassenen Geiseln im Gazastreifen
24.11.2023 - 19:22:09Nach Beginn der Feuerpause im Gaza-Krieg ist eine erste Gruppe von 24 Geiseln freigekommen, die vor sieben Wochen in den Gazastreifen verschleppt worden waren. Unter den im Gazastreifen freigelassenen Geiseln sind auch vier Deutsche. Das bestĂ€tigte AuĂenministerin Annalena Baerbock (GrĂŒne) am Abend.
«Ich bin unendlich erleichtert, dass soeben 24 Geiseln aus Gaza freigekommen sind, darunter vier Deutsche, dass ein Vater nach 49 Tagen der Hölle, des unglaublichen Bangens, endlich seine zwei kleinen Töchter, seine Ehefrau wieder sicher in die Arme schlieĂen kann», sagte sie am Rande des GrĂŒnen-Parteitags in Karlsruhe.
Die Bundesregierung sei allen, die daran mitgewirkt hĂ€tten «enorm dankbar». Baerbock dankte persönlich ihrem katarischen Amtskollegen, dem Internationalen Komitee des Roten Kreuzes sowie Ăgypten.
Das BĂŒro des israelischen MinisterprĂ€sidenten Benjamin Netanjahu veröffentlichte am Abend eine Namensliste der 13 israelischen Freigelassenen. Auf der Liste standen auch die Namen von vier Personen, deren Familien sie nach der EntfĂŒhrung als Deutsche benannt hatten. Darunter waren eine 34-JĂ€hrige sowie ihre beiden Töchter im Alter von zwei und vier Jahren sowie eine 77-JĂ€hrige. Es handelt sich nach Angaben eines Sprechers der Familien um DoppelstaatsbĂŒrgerinnen. Sie waren aus dem Kibbuz Nir Oz entfĂŒhrt worden.
Eine genaue Zahl deutscher Geiseln war von deutscher Seite bisher nicht genannt worden. Das AuswĂ€rtige Amt hatte im vergangenen Monat von insgesamt acht VermisstenfĂ€llen deutscher StaatsbĂŒrger gesprochen, wobei ein Fall auch mehrere Familienmitglieder einschlieĂen könne. Die deutsche StaatsbĂŒrgerin Shani Louk war am 30. Oktober fĂŒr tot erklĂ€rt worden.
Entlassung palÀstinensischer HÀftlinge im Gegenzug
Im Gegenzug sollen fĂŒr jede Geisel aus Israel drei palĂ€stinensische HĂ€ftlinge aus israelischen GefĂ€ngnissen entlassen werden. Nach Angaben der palĂ€stinensischen HĂ€ftlingskommission geht es um 24 Frauen und 15 Jugendliche. Der Ălteste sei 19 Jahre alt. Vor der geplanten Freilassung wurden HĂ€ftlinge aus dem Damun-GefĂ€ngnis zu dem Ofer-GefĂ€ngnis zwischen Jerusalem und Ramallah gebracht, wie eine Sprecherin der israelischen GefĂ€ngnisbehörde bestĂ€tigte. Die HĂ€ftlinge sollen nahe ihrer Wohnorte im Westjordanland oder Ost-Jerusalem freikommen.
Experten befĂŒrchten schwere Traumatisierung der Kinder
Das MilitĂ€r rief die Ăffentlichkeit und die Medien zu Geduld und SensibilitĂ€t auf. «Wir bitten alle darum, die PrivatsphĂ€re der freigelassenen Geiseln und ihrer Familien zu respektieren.» Psychologen gehen davon aus, dass besonders die Kinder nach sieben Wochen Geiselhaft schwer traumatisiert sein könnten. Sie haben auch am 7. Oktober schlimmste Gewalt miterlebt.
GemÀà der Vereinbarung zwischen Israel und der Hamas sollen innerhalb von vier Tagen 50 Geiseln freikommen. Insgesamt sieht die zwischen beiden Konfliktparteien getroffene Vereinbarung einen Austausch von bis zu 100 Geiseln aus Israel gegen bis zu 300 palÀstinensische HÀftlinge vor.
Terroristen der Hamas und anderer Gruppierungen hatten am 7. Oktober im Grenzgebiet das schlimmste Massaker in der Geschichte Israels verĂŒbt. Auf israelischer Seite wurden mehr als 1200 Menschen getötet, darunter mindestens 850 Zivilisten. Etwa 240 Geiseln wurden nach Gaza verschleppt, darunter mehrere Deutsche. Es ist eine der gröĂten Geiselnahmen der modernen Geschichte. Vier weibliche Geiseln wurden spĂ€ter freigelassen und eine befreit. Zudem wurden in Gaza die Leichen zweier israelischer Frauen von israelischen Soldaten geborgen.
Israel reagierte auf das Massaker am 7. Oktober mit massiven Gegenangriffen im Gazastreifen, bei denen seitdem nach Angaben der Hamas-Behörde mehr als 14.800 PalÀstinenser getötet worden sind.


