BĂ€tzing, Weltsynode

BÀtzing zu Weltsynode: In drÀngenden Fragen fehlt noch Mut

29.10.2023 - 09:09:27

Fast vier Wochen hat die katholische Weltsynode beraten. Erstmals saßen bei den Bischöfen auch Frauen am Tisch. Zum Schluss gibt es eine gemeinsame ErklĂ€rung - allerdings mit mageren Ergebnissen.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg BĂ€tzing, hat eine gemischte Bilanz der Weltsynode in Rom gezogen.

Einerseits sei die Synode ehrlich gewesen und habe alle drÀngenden Fragen angesprochen. «Sie hat die Fragen des Volkes Gottes auf den Tisch gelegt», sagte BÀtzing in Rom. Dazu gehörten die Frage von Frauen und ihrer echten Beteiligung in der Kirche, die Frage von geschlechtlicher IdentitÀt und Orientierung und die strukturellen Ursachen des sexuellen Missbrauchs in der Kirche. «Ehrlich war die Synode auch, weil nicht Einigkeit in all diesen Fragen besteht.»

Allerdings fehle es der Synode noch an Mut, sagte BĂ€tzing. Es sei immer wieder Angst vor VerĂ€nderungen in der Kirche zu spĂŒren gewesen. Er wĂŒnsche sich deshalb fĂŒr die nĂ€chste Synode in einem Jahr auch den «Mut, klare Fragen zu identifizieren und sie einer KlĂ€rung zuzufĂŒhren, die die Kirche verĂ€ndert um der Menschen willen».

In strittigen Punkten vage

Die Beratungen der Synode waren am Samstag zu Ende gegangen. Nach fast vier Wochen verabschiedeten die etwa 360 Bischöfe und katholischen Laien - darunter erstmals auch Frauen - am Samstagabend mit Zwei-Drittel-Mehrheit eine gemeinsame ErklÀrung, die in strittigen Punkten allerdings eher vage blieb.

Der Koordinator des Treffens, Erzbischof Jean-Claude Hollerich aus Luxemburg, zeigte sich trotzdem zufrieden: «Es lag auf der Hand, dass einige Thesen auf Widerstand stoßen. Der Widerstand ist nicht so groß, wie wir erwartet haben.» Die Weltsynode - eines der großen Reformprojekte von Papst Franziskus - soll im Oktober 2024 zum Abschluss gebracht werden - dann wieder in Rom.

Rolle der Frau in der katholischen Kirche

Eine Frage, die besonders viele GlĂ€ubige umtreibt, ist die Rolle der Frau in der katholischen Kirche. Frauen dĂŒrfen dort nicht Priester werden. Seit lĂ€ngerem wird diskutiert, ob sie zu einer Vorstufe - dem Diakonat - zugelassen werden. In der ErklĂ€rung ist davon die Rede, dass es in dieser Frage «unterschiedliche Positionen» gebe. Die Synode regte an, die theologische Forschung fortzusetzen und «wenn möglich» in einem Jahr Ergebnisse vorzulegen.

Auch die Formulierungen zum Thema HomosexualitĂ€t blieben unkonkret. Einige Fragen «wie diejenigen im Zusammenhang mit GeschlechtsidentitĂ€t und sexueller Orientierung» seien umstritten. Man mĂŒsse sich bei der BeschĂ€ftigung damit Zeit nehmen, «ohne einfachen Urteilen nachzugeben».

Was die vielen Missbrauchsskandale in der Kirche betrifft, betonte die Synode die Bedeutung von Transparenz und Maßnahmen zum Schutz MinderjĂ€hriger und anderer besonders schutzbedĂŒrftiger Menschen. Auch eine stĂ€rkere Kontrolle der Bischöfe von außen wird in ErwĂ€gung gezogen.

Erstmals waren bei einer solchen Synode die Bischöfe nicht mehr unter sich. Weiterhin stellten sie die große Mehrheit, doch durften auch etwa 70 Nichtkleriker dabei sein, unter ihnen 54 Frauen. Dass sie gleichberechtigt mit den Bischöfen an runden Tischen zusammensaßen und genau so viel Redezeit bekamen wie die mĂ€nnlichen Oberhirten, wurde von Beobachtern als eigentliche Fortschritt des Treffens gewertet.

Konservativer Kardinal ĂŒbt Kritik

Der konservative deutsche Kardinal Gerhard Ludwig MĂŒller, ehemals PrĂ€fekt der obersten Glaubensbehörde, kritisierte: «Im Plenum kamen die Bischöfe viel zu wenig zu Wort. Praktisch war es nur einmal fĂŒr drei Minuten möglich.» Die Kirche brauche keine Anpassung an den Zeitgeist, sagte MĂŒller der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Umfragen zufolge wĂŒnscht sich der Großteil der GlĂ€ubigen in Deutschland eine in Fragen der Sexualmoral liberalere Kirche und den Zugang von Frauen zu WeiheĂ€mtern. Franziskus hatte jedoch zu Beginn der Beratungen vor ĂŒberzogenen Erwartungen gewarnt. Auch Hollerich hatte deutlich gemacht, dass derzeit noch keine konkreten Reformen angestrebt wĂŒrden. Vielmehr sollten die Katholiken zunĂ€chst einmal neue Formen der Kommunikation und des Miteinanders erproben.

Eine Synode hat in der katholischen Kirche prinzipiell nur die Funktion eines Beratungsgremiums fĂŒr den Papst. Das Oberhaupt der katholischen Kirche hat dann wie ein absoluter Monarch die alleinigen Entscheidungsbefugnis. Das einzige Gremium, das die Kirche in grundlegenden Fragen verĂ€ndern könnte, wĂ€re ein Konzil, wie es zum letzten Mal in den 60er Jahren einberufen wurde. Einige Teilnehmer bewerteten es als enttĂ€uschend, dass die Synode wĂ€hrend der ganzen Zeit keine ErklĂ€rung zum Gaza-Krieg veröffentlichte.

@ dpa.de