Flydubai, Copilot

Flydubai-Copilot galt zuvor als Sicherheitsrisiko

Veröffentlicht am: 03.10.2026 um 03:45 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Der Copilot eines Flydubai-Flugs nach Tel Aviv soll bereits zuvor als Sicherheitsrisiko eingestuft worden sein. US-Medien berichten zudem, er habe Ermittlern angedeutet, das Flugzeug zum Absturz bringen zu wollen.

Nach dem Vorfall auf einem Flydubai-Flug nach Tel Aviv berichten US-Medien über brisante Informationen zu dem mutmaßlichen Angreifer. (Archivbild) - Bild: Jamal Awad/dpa
Nach dem Vorfall auf einem Flydubai-Flug nach Tel Aviv berichten US-Medien über brisante Informationen zu dem mutmaßlichen Angreifer. (Archivbild) - Bild: Jamal Awad/dpa

Der Copilot, der den Piloten eines Flydubai-Flugs nach Tel Aviv verletzt haben soll, ist US-Medien zufolge bei seinem früheren Arbeitgeber Oman Air wegen Sicherheitsbedenken entlassen worden.

Extremistisches Material entdeckt

Der Mann aus Oman war nach Angaben von ABC News 2024 als Copilot-Auszubildender bei Oman Air beschäftigt, als bei ihm extremistisches Material festgestellt worden sei. Er sei daraufhin suspendiert und als Sicherheitsrisiko eingestuft worden. Trotzdem habe er weiter in einer Verwaltungsfunktion für die Fluggesellschaft arbeiten dürfen.

CNN berichte über ähnliche Informationen. Das Wall Street Journal schreibe zudem, der Mann sei zu einem früheren Zeitpunkt mit einem Flugverbot belegt worden. Als Grund sei die Sorge vor radikalen ideologischen Ansichten genannt worden.

Ermittler prüfen Weg ins Cockpit

Nach Darstellung von ABC News versuchen Ermittler nun herauszufinden, wie der Mann anschließend für Flydubai habe fliegen dürfen. Der festgenommene Copilot sei inzwischen in die Vereinigten Arabischen Emirate gebracht worden und kooperiere mit den Behörden.

Er habe angedeutet, das Flydubai-Flugzeug in Israel zum Absturz bringen zu wollen. Diese Information beruhe auf Quellen, die mit den Ermittlungen vertraut seien.

Angriff während des Flugs

Der Flug war am Mittwoch von Dubai nach Tel Aviv unterwegs, als es im Cockpit zu dem mutmaßlichen Angriff kam. Der Pilot habe trotz schwerer Verletzungen die Cockpittür öffnen können; mehrere Passagiere seien daraufhin eingedrungen und hätten den Angreifer überwältigt.

Die emiratischen Behörden ermitteln zu Motiv und Absichten des Copiloten. Israels Regierung geht von einem dschihadistischen Terroranschlag aus. Auch ein hochrangiger Regierungsvertreter der Vereinigten Arabischen Emirate bezeichnete die Gewalttat jüngst als Terrorismus.

Gelöschtes LinkedIn-Profil

CNN berichtete außerdem über ein inzwischen gelöschtes LinkedIn-Profil unter dem Namen des mutmaßlichen Angreifers. Dort seien Stunden nach der Gewalttat zwei Beiträge veröffentlicht worden.

Unklar sei, wer die Beiträge eingestellt habe und ob sie vorab geplant gewesen seien. Einer habe ein Video enthalten, das unter anderem mit einem Foto des früheren Al-Kaida-Chefs Ayman al-Zawahiri ende.

Neue Sicherheitsfragen für Airlines

Der Fall lenkt den Blick auf eine besonders sensible Schnittstelle der Luftsicherheit: die Überprüfung von Beschäftigten mit Zugang zum Cockpit. Nach den vorliegenden Angaben soll der Copilot bereits während einer Ausbildung bei Oman Air wegen extremistischer Inhalte als Sicherheitsrisiko eingestuft worden sein. Zugleich habe er später eine Verwaltungsfunktion behalten dürfen und anschließend für Flydubai gearbeitet. Damit steht nicht nur das Verhalten des Mannes im Mittelpunkt, sondern auch die Frage, wie Informationen zwischen Arbeitgebern, Behörden und Zulassungsstellen weitergegeben werden.

Die Maschine verlor während des Vorfalls innerhalb kurzer Zeit mehrere tausend Meter an Höhe und musste in Saudi-Arabien notlanden. An Bord befanden sich etwa 180 Menschen. Der Angriff zeigt damit, dass selbst kurze Unterbrechungen der Cockpitbesetzung erhebliche Folgen haben können. Die Anwesenheit weiterer Piloten und das Eingreifen von Passagieren begrenzten in diesem Fall die Gefahr.

Folgen für den Flugverkehr

Für die Ermittler ist entscheidend, ob der Copilot allein handelte, wie er Zugang zu einer Waffe erhielt und weshalb frühere Sicherheitsbedenken seine spätere Tätigkeit im Cockpit nicht verhindert haben. Diese Fragen betreffen die Strafverfolgung ebenso wie die internationalen Regeln für Personalüberprüfungen. Flydubai setzte seine Flüge nach Israel vorübergehend aus; zusätzliche Kontrollen oder Änderungen bei der Bewertung von Crewmitgliedern könnten folgen.

Für Reisende bedeutet der Vorgang vor allem eine mögliche kurzfristige Ausweitung von Sicherheitsmaßnahmen und Flugplanänderungen auf der Verbindung zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und Israel. Eine abschließende Einordnung des Motivs bleibt den laufenden Ermittlungen vorbehalten.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

tagesschau: „Netanjahu schreibt dem Flydubai-Co-Piloten islamistische Gesinnung zu“ (01.10.2026)

Der Bericht gebe die Einschätzung des israelischen Ministerpräsidenten wieder, der Copilot sei islamistisch radikalisiert und suizidgefährdet gewesen. Zugleich betone er, abschließende Erkenntnisse lägen noch nicht vor, und beschreibe die Überstellung des Mannes in die Vereinigten Arabischen Emirate. Anders als die dpa-Meldung befasse sich der Beitrag stärker mit den politischen Aussagen und der Zuständigkeit der Emirate für die Ermittlungen.

n-tv: „Was wir wissen und was nicht: Angreifer, Opfer, Retter - das ist über den Flydubai-Vorfall bekannt“ (01.10.2026)

Der Artikel bestätige den Angriff im Cockpit, den starken Sinkflug, die Notlandung und das Eingreifen von Passagieren sowie weiteren Piloten. Er hebe stärker als die dpa-Meldung hervor, welche Angaben zum Motiv und zur Identität zunächst offen gewesen seien, und stelle die Rettung aus Sicht eines beteiligten Passagiers dar. Die später berichteten Sicherheitsbedenken bei Oman Air seien dort nicht Schwerpunkt.

Beide Berichte stellten den Ablauf des Vorfalls und die Notlandung übereinstimmend dar. Unterschiede gebe es vor allem bei der Gewichtung: Während der tagesschau-Bericht politische und ideologische Bewertungen hervorhebe, konzentriere sich n-tv auf gesicherte und offene Punkte des Geschehens.

Disclaimer...

de | ausland | 70219115 |