Flydubai-Copilot wollte Ben-Gurion-Flughafen offenbar stürzen lassen
Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 22:03 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Der Copilot eines Flydubai-Flugs von Dubai nach Tel Aviv wollte die Maschine laut US-Medien offenbar auf den israelischen Großflughafen Ben Gurion stürzen lassen.
Ermittlungen laufen weiter
ABC News berief sich dabei auf zwei hochrangige US-Beamte und eine mit den Ermittlungen vertraute israelische Quelle. Auch dem Radiosender NPR liegen ähnliche Informationen aus einer noch laufenden Untersuchung vor. Demnach habe der Copilot wahrscheinlich allein gehandelt.
CNN berichtete ebenfalls, der mutmaßliche Angreifer habe es wahrscheinlich auf den Flughafen Ben Gurion abgesehen. Die Vereinigten Arabischen Emirate, die die Ermittlungen eingeleitet haben, hielten Israel über den Stand informiert. Die Untersuchung befinde sich noch in einem frühen Stadium; zu den Absichten des Mannes gebe es offene Fragen.
Angriff im Cockpit
Der Flug war am vergangenen Mittwoch von Dubai nach Tel Aviv unterwegs, als der Copilot den Piloten mit einer Rettungsaxt angegriffen haben soll. Trotz schwerer Verletzungen konnte der Pilot die Cockpittür öffnen. Passagiere drangen ein und überwältigten den Angreifer.
Eine zweite Besatzung landete die während der Attacke stark abgesackte Maschine im saudi-arabischen Tabuk. Der Copilot wurde in die Emirate gebracht und stammt israelischen Angaben zufolge aus dem Oman.
Behörden sprechen von Terroranschlag
Israel und die Behörden der Vereinigten Arabischen Emirate gehen von einem versuchten Terroranschlag aus. Der Copilot habe versucht, die Kontrolle über das Flugzeug zu übernehmen, berichtete die emiratische Nachrichtenagentur Wam unter Berufung auf die Generalstaatsanwaltschaft.
US-Medien hatten zuvor berichtet, der Copilot sei wegen Sicherheitsbedenken aus seinem früheren Job bei einer Fluggesellschaft im Oman entlassen worden. Das „Wall Street Journal“ schrieb unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen, der Mann sei im Oman zeitweise mit einem Flugverbot belegt worden. Grund sei die Befürchtung radikaler ideologischer Ansichten gewesen.
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte, der Mann sei islamistisch indoktriniert worden.
Unterschiedliche Einschätzungen zur Iran-Rolle
US-Vizepräsident JD Vance sagte auf die Frage nach einer möglichen Beteiligung des Iran, dies werde untersucht. Eindeutige Hinweise habe er bislang nicht gesehen.
US-Präsident Donald Trump bejahte am Montag dagegen die Frage, ob er den Iran für verantwortlich halte. Er persönlich glaube das. Bereits zuvor hatte Trump eine iranische Beteiligung bejaht, zugleich aber erklärt, der Vorgang werde noch untersucht.
Sicherheitslücke mit internationaler Tragweite
Der Vorfall verbindet mehrere sicherheitsrelevante Ebenen: einen Angriff im Cockpit, den möglichen Versuch, die Kontrolle über ein Passagierflugzeug zu übernehmen, und ein mutmaßliches Ziel mit hoher politischer Symbolkraft. Ben Gurion ist der wichtigste internationale Flughafen Israels. Ein Angriff auf eine Maschine im Anflug hätte deshalb neben den unmittelbaren Gefahren für die Insassen auch erhebliche Auswirkungen auf den zivilen Luftverkehr und die Sicherheitslage in der Region.
Besonders schwer wiegt die Frage, wie der Copilot trotz früherer Sicherheitsbedenken Zugang zu einem Cockpit erhalten konnte. Die Ermittlungen der Vereinigten Arabischen Emirate müssen daher nicht nur das Tatmotiv und mögliche Unterstützer klären, sondern auch die Abläufe bei Ausbildung, Einstellung und Sicherheitsüberprüfung nachvollziehen. Für Fluggesellschaften steht damit erneut die Zuverlässigkeit von Prüfungen bei sicherheitskritischem Personal im Mittelpunkt.
Folgen für Route und Ermittlungen
Der Fall dürfte zudem die Zusammenarbeit zwischen den Emiraten, Israel, Oman und weiteren Staaten berühren. Die Route Dubai–Tel Aviv verbindet zwei Länder mit engen wirtschaftlichen Beziehungen, führt aber durch ein politisch hoch sensibles Umfeld. Änderungen bei Sicherheitskontrollen oder Flugplänen könnten deshalb über den Einzelfall hinausgehen.
Für Reisende bedeutet der Vorfall vor allem, dass Sicherheitsmaßnahmen im Luftverkehr auf mehrere Ebenen verteilt sind: auf die Auswahl des Personals, die Zugangskontrolle zum Cockpit, Notfallverfahren und die Reaktion der Besatzung sowie der Passagiere. Welche Schlussfolgerungen daraus gezogen werden, hängt vom Abschluss der laufenden Untersuchungen ab.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Tagesspiegel: „Anschlag lange geplant?: Co-Pilot bewarb sich offenbar wegen der Tel-Aviv-Route bei Flydubai“ (05.10.2026)
Der Bericht schreibe, der Copilot habe sich nach Angaben israelischer Regierungsvertreter möglicherweise gezielt wegen der Tel-Aviv-Route bei Flydubai beworben. Anders als die vorliegende Meldung richte der Artikel den Schwerpunkt auf eine mögliche längerfristige Planung und schildere zusätzlich Aussagen von Passagieren zum Geschehen nach der Überwältigung des Angreifers.
DER SPIEGEL: „Flydubai-Flug FZ1073: »Im Cockpit war niemand«, berichtet Augenzeuge von Flugdrama“ (05.10.2026)
Der Artikel bestätige das mutmaßliche Ziel am Flughafen Tel Aviv und hebe die Schilderung eines Augenzeugen hervor, wonach das Cockpit zeitweise unbesetzt gewesen sei. Zugleich bleibe nach Darstellung des Berichts offen, wie belastbar einzelne Augenzeugendetails seien; der Schwerpunkt liege damit stärker auf dem Ablauf an Bord als auf der politischen Einordnung.
Beide Berichte stellten den mutmaßlichen Angriff und die nur knapp verhinderte Katastrophe in den Mittelpunkt. Unterschiede ergäben sich vor allem bei der Gewichtung: Der Tagesspiegel betone mögliche Vorbereitung und Reaktionen der Passagiere, während der SPIEGEL den zeitweisen Kontrollverlust im Cockpit hervorhebe.
