Frankreich, Proteste

Frankreich: 400 Festnahmen und 60 verletzte Polizisten

Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 22:49 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Bei landesweiten Demonstrationen gegen hohe Lebenshaltungskosten wurden RathĂ€user, Polizeistationen und GeschĂ€fte angegriffen. Die Regierung beriet ĂŒber die angespannte Lage und warnt vor einer neuen breiten Protestbewegung.

Frankreichs Proteste erreichen mehrere StÀdte

  • In Limoges wurde das historische Rathaus durch einen Brand weitgehend zerstört.
  • Innenminister Laurent Nuñez nannte 550.000 Teilnehmer landesweit, die CGT sprach von 800.000.
  • Premierminister SĂ©bastien Lecornu und PrĂ€sident Emmanuel Macron kĂŒndigten ein konsequentes Vorgehen gegen GewalttĂ€ter an.
  • Das historische Rathaus von Limoges wurde durch einen von Randalierern gelegten Brand weitgehend zerstört. - Bild: Pascal Lachenaud/AFP/dpa
  • 60 Polizisten wurden bei den Demonstrationen verletzt. - Bild: Emma Da Silva/AP/dpa
  • Das TourismusbĂŒro in Lyon wurde durch ein von Randalierern gelegtes Feuer vollstĂ€ndig zerstört. - Bild: Laurent Cipriani/AP/dpa
Das historische Rathaus von Limoges wurde durch einen von Randalierern gelegten Brand weitgehend zerstört. - Bild: Pascal Lachenaud/AFP/dpa 60 Polizisten wurden bei den Demonstrationen verletzt. - Bild: Emma Da Silva/AP/dpa Das TourismusbĂŒro in Lyon wurde durch ein von Randalierern gelegtes Feuer vollstĂ€ndig zerstört. - Bild: Laurent Cipriani/AP/dpa

Frankreich erlebt landesweiten Protesttag

Bei landesweiten Protesten gegen hohe Lebenshaltungskosten kam es in Frankreich zu schweren Ausschreitungen, PlĂŒnderungen und BrĂ€nden. 400 Menschen wurden festgenommen, 60 Polizisten verletzt.

Rathaus in Limoges weitgehend zerstört

In Limoges kĂ€mpften Feuerwehrleute gegen einen von Randalierern gelegten Brand, der das große historische Rathaus weitgehend zerstörte. Auch in Paris, Marseille, Lyon, Avignon, Grenoble und weiteren StĂ€dten wurden staatliche GebĂ€ude, GeschĂ€fte und Einrichtungen angegriffen.

In Marseille drangen Demonstranten in eine Polizeiwache und das Rathaus ein. In Lyon wurde die Touristeninformation in Brand gesetzt; in Avignon gelangten Randalierer in den Innenhof der PrÀfektur.

Polizei setzt TrÀnengas und Wasserwerfer ein

Die OrdnungskrĂ€fte gingen unter anderem in Paris, Lyon und Straßburg mit TrĂ€nengas und Schlagstöcken gegen Protestierende vor. Auch Wasserwerfer kamen zum Einsatz.

Nach Medienberichten wurden auch Demonstranten verletzt. In Saint-Étienne soll einem 17-JĂ€hrigen durch eine Polizeigranate eine Hand abgerissen worden sein; in Nancy seien drei Menschen durch eine Blendgranate verletzt worden.

Macron kĂŒndigt Strafverfolgung an

Premierminister SĂ©bastien Lecornu verurteilte die Ausschreitungen und kĂŒndigte an, TĂ€ter festnehmen und der Justiz ĂŒberstellen zu lassen. PrĂ€sident Emmanuel Macron sagte, in der Republik sei kein Platz fĂŒr Gewalt, und drohte den Verantwortlichen mit strafrechtlichen Konsequenzen.

Macron erklĂ€rte außerdem, der Staat werde gemeinsam gegen Unruhestifter vorgehen, die Institutionen untergraben und friedliche Forderungen behindern wollten. Die Regierung kam am Abend zu einer Krisensitzung zusammen.

550.000 Menschen laut Innenminister

Nach Angaben von Innenminister Laurent Nuñez beteiligten sich landesweit 550.000 Menschen an den Protesten, darunter 110.000 in Paris. Die Gewerkschaft CGT sprach von 800.000 Teilnehmern.

Die Demonstrationen richteten sich auch gegen niedrige Löhne, hohe Spritpreise, BeschĂ€ftigung zu Niedriglöhnen sowie Probleme in Landwirtschaft und Feuerwehr. SchĂŒler und Studenten fordern seit Wochen bessere Lernbedingungen.

Regierung fĂŒrchtet neue Gelbwestenbewegung

Ein ĂŒber soziale Medien verbreiteter Protestaufruf war keiner Organisation eindeutig zuzuordnen. ZusĂ€tzlich kursierte im Internet ein Aufruf zu einer Neuauflage der Gelbwestenbewegung, die Frankreich 2019 lĂ€ngere Zeit in Atem gehalten hatte.

Der Pariser BĂŒrgermeister Emmanuel GrĂ©goire berichtete von verwĂŒsteten StraßenzĂŒgen und PlĂŒnderern, die weiterhin unterwegs gewesen seien. Die Regierung befĂŒrchtet, dass der Protest zu einer breiteren Bewegung anwachsen könnte.

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Der Protesttag verbindet mehrere Konfliktlinien: steigende Lebenshaltungskosten, niedrige Löhne, Probleme in Landwirtschaft und Feuerwehr sowie Forderungen von SchĂŒlerinnen und SchĂŒlern nach besseren Lernbedingungen. Dass sich unterschiedliche Gruppen einem ĂŒber soziale Medien verbreiteten Aufruf anschlossen, erhöhte die Reichweite der Mobilisierung und erschwerte eine eindeutige politische Zuordnung.

Die GrĂ¶ĂŸenordnung der Beteiligung ist politisch bedeutsam. Nach Angaben des Innenministers gingen 550.000 Menschen landesweit auf die Straße, die Gewerkschaft CGT sprach von 800.000 Teilnehmern. Damit erreichte der Protest eine Dimension, die ĂŒber einzelne SchĂŒler- oder Berufsgruppen hinausweist. Zugleich trennten die massiven Ausschreitungen die friedliche Teilnahme vieler Demonstranten von den Angriffen auf staatliche GebĂ€ude, GeschĂ€fte und Medien.

Erinnerung an die Gelbwesten

Die Regierung fĂŒrchtet deshalb, dass aus den Protesten eine breitere Bewegung nach dem Muster der Gelbwesten entstehen könnte. Diese hatte Frankreich 2019 ĂŒber lĂ€ngere Zeit geprĂ€gt und war ebenfalls stark ĂŒber soziale Netzwerke mobilisiert worden. Der Bezug auf die bevorstehenden PrĂ€sidentschaftswahlen verschĂ€rft die politische Aufmerksamkeit zusĂ€tzlich.

FĂŒr die kommenden Tage wird entscheidend sein, ob weitere Proteste friedlich bleiben oder erneut staatliche Einrichtungen und GeschĂ€fte zum Ziel werden. Die angekĂŒndigte Strafverfolgung der TĂ€ter und der Schutz des Demonstrationsrechts stehen dabei in einem SpannungsverhĂ€ltnis: Der Staat muss Gewalt eindĂ€mmen, ohne die sozialen Forderungen aller Teilnehmer pauschal gleichzusetzen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Deutschlandfunk: „Hunderte Festnahmen - Schwere Krawalle bei landesweiten Protesten in Frankreich“ (17.10.2026)

Der Beitrag habe von Ausschreitungen in Paris, Marseille, Lyon und Avignon sowie zunĂ€chst 272 Festnahmen berichtet. Anders als die dpa-Meldung habe er den Schwerpunkt auf die frĂŒhen Angaben des Innenministeriums und die Bildungsforderungen gelegt.

Gemeinsam sei beiden Darstellungen die Verbindung von Massenprotesten, hohen Lebenshaltungskosten und Gewalt in mehreren StĂ€dten. Offen geblieben sei im frĂŒheren Bericht, wie sich die Zahl der Festnahmen und die SchĂ€den bis zum Abend entwickelten.

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