Französischer Senat: Le Pens RN erreicht erstmals FraktionsstÀrke
Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 22:26 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDas rechtsnationale Rassemblement National (RN) von Marine Le Pen hat bei der Teilwahl zum französischen Senat erstmals FraktionsstÀrke erreicht.
Mehr Rechte im Oberhaus
Die HÀlfte der 348 Sitze umfassenden Parlamentskammer wurde am Sonntag neu gewÀhlt. Zur Abstimmung waren rund 93.500 Kommunal- und Regionalpolitiker aufgerufen; die Senatorinnen und Senatoren werden nicht direkt von der Bevölkerung gewÀhlt.
FĂŒr die Bildung einer Fraktion sind mindestens zehn Sitze erforderlich. Das RN verfĂŒgte bislang ĂŒber drei Mandate und gewann weitere Sitze auch mit UnterstĂŒtzung der neuen rechten Splitterpartei des frĂŒheren RĂ©publicains-Vorsitzenden Ăric Ciotti.
Konservative bleiben stÀrkste Kraft
Die konservativen RĂ©publicains waren bislang mit 131 Mitgliedern die mit Abstand gröĂte Gruppe im Senat. Das Lager von PrĂ€sident Emmanuel Macron kam zuletzt auf 19 Sitze. Grundlegende Verschiebungen zugunsten des RN waren bei der Teilwahl nicht erwartet worden.
Als Fraktion erhÀlt das RN mehr Redezeit, kann hÀufiger Fragen an die Regierung stellen und bei der Tagesordnung mitbestimmen. Die offiziellen Endergebnisse sollen am Montag veröffentlicht werden.
Signalwirkung vor der PrÀsidentschaftswahl
Le Pen sprach von einem «historischen Sieg» und einem wichtigen Meilenstein. Der Durchbruch bestÀtige die zunehmende Verbreitung des RN im gesamten Staatsgebiet, sagte sie nach den weitgehend definitiven Ergebnissen.
Der Erfolg stĂ€rkt die Partei sieben Monate vor der PrĂ€sidentschaftswahl. Das RN stellt seit der Parlamentswahl 2024 die gröĂte Fraktion in der Nationalversammlung. Le Pen liegt in Umfragen seit Monaten mit mehr als 30 Prozent vorn; welche anderen Kandidaten antreten, ist in den politischen Lagern jedoch noch nicht abschlieĂend geklĂ€rt.
Rechtsverfahren bleibt Risiko
Le Pen könnte ihre Verurteilung wegen der Veruntreuung von EU-Geldern noch vom Kassationsgericht ĂŒberprĂŒfen lassen. Ein zeitlicher Verlauf des Verfahrens könnte entscheidend dafĂŒr sein, ob sie im Wahlkampf mit Auflagen wie dem Tragen einer FuĂfessel rechnen muss.
Der Senat wird fĂŒr sechs Jahre gewĂ€hlt; alle drei Jahre wird etwa die HĂ€lfte der Sitze neu besetzt. Bei Konflikten mit der Nationalversammlung muss sich das Oberhaus dem Votum der direkt gewĂ€hlten Parlamentskammer beugen.
Signal ĂŒber die PrĂ€sidentschaftswahl hinaus
Der Einzug des Rassemblement National in den Kreis der Fraktionen verÀndert die KrÀfteverhÀltnisse im Senat vor allem politisch. Zwar wird das Oberhaus weiterhin von den konservativen Républicains geprÀgt, doch erhÀlt die Partei von Marine Le Pen nun zusÀtzliche parlamentarische Sichtbarkeit und organisatorische Rechte.
Die Wahl ist zudem ein Gradmesser fĂŒr die Verankerung des RN auf lokaler Ebene. Weil die Senatoren von Kommunal- und Regionalpolitikern gewĂ€hlt werden, hĂ€ngt ein Zugewinn im Senat nicht allein von landesweiten Umfragewerten ab, sondern auch vom Aufbau kommunaler Netzwerke. Die UnterstĂŒtzung aus dem Umfeld Ăric Ciottis zeigt, dass parteipolitische Kooperationen rechts der Konservativen fĂŒr den Machtzuwachs mitentscheidend sind.
Bedeutung fĂŒr den Wahlkampf
FĂŒr Le Pen kommt der Erfolg zu einem strategisch wichtigen Zeitpunkt. Das RN kann den Senat kĂŒnftig stĂ€rker fĂŒr Regierungskontrolle und eigene Themen nutzen; zugleich liefert das Ergebnis der Partei ein Argument fĂŒr ihre Darstellung, in immer mehr Teilen des Landes politisch anschlussfĂ€hig zu sein. Die tatsĂ€chliche Wirkung auf die PrĂ€sidentschaftswahl bleibt jedoch vom Kandidatenfeld und vom Ausgang des Rechtsverfahrens gegen Le Pen abhĂ€ngig.
