Friedensnobelpreis 2026, Navanethem Pillay

Friedensnobelpreis 2026 geht an Navanethem Pillay

Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 16:04 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die südafrikanische Juristin Navanethem „Navi“ Pillay erhält den Friedensnobelpreis 2026 für ihren jahrzehntelangen Einsatz für Völkerrecht und die strafrechtliche Verfolgung schwerster Verbrechen. Die Ehrung sorgt wegen ihrer Arbeit zu Israel und Gaza für scharfe politische Reaktionen.

  • Friedensnobelpreisträgerin «Navi» Pillay erfuhr in Nürnberg von der Auszeichnung.  - Bild: Daniel Karmann/dpa
    Friedensnobelpreisträgerin «Navi» Pillay erfuhr in Nürnberg von der Auszeichnung. - Bild: Daniel Karmann/dpa
  • Die Friedensnobelpreisträgerin war in ihrer Karriere auch Hochkommissarin der Vereinten Nationen für Menschenrechte. (Archivbild) - Bild: Martial Trezzini/dpa
    Die Friedensnobelpreisträgerin war in ihrer Karriere auch Hochkommissarin der Vereinten Nationen für Menschenrechte. (Archivbild) - Bild: Martial Trezzini/dpa
  • Pillay setzt sich mit einem «festen moralischen Kompass» für das internationale Recht sein, so die Nobelpreisjury. (Archivbild) - Bild: Valentin Flauraud/KEYSTONE/EPA/dpa
    Pillay setzt sich mit einem «festen moralischen Kompass» für das internationale Recht sein, so die Nobelpreisjury. (Archivbild) - Bild: Valentin Flauraud/KEYSTONE/EPA/dpa
  • Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier begrüßte Pillay 2008 zu einem Gespräch in Berlin. Damals war sie UN-Hochkommissarin für Menschenrechte. (Archivbild) - Bild: Tim Brakemeier/dpa
    Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier begrüßte Pillay 2008 zu einem Gespräch in Berlin. Damals war sie UN-Hochkommissarin für Menschenrechte. (Archivbild) - Bild: Tim Brakemeier/dpa
  • Der Chef der norwegischen Nobeljury, Jørgen Watne Frydnes, verkündete die Preisträgerin.  - Bild: Javad Parsa/NTB Scanpix/AP/dpa
    Der Chef der norwegischen Nobeljury, Jørgen Watne Frydnes, verkündete die Preisträgerin. - Bild: Javad Parsa/NTB Scanpix/AP/dpa
Friedensnobelpreisträgerin «Navi» Pillay erfuhr in Nürnberg von der Auszeichnung.  - Bild: Daniel Karmann/dpa Die Friedensnobelpreisträgerin war in ihrer Karriere auch Hochkommissarin der Vereinten Nationen für Menschenrechte. (Archivbild) - Bild: Martial Trezzini/dpa Pillay setzt sich mit einem «festen moralischen Kompass» für das internationale Recht sein, so die Nobelpreisjury. (Archivbild) - Bild: Valentin Flauraud/KEYSTONE/EPA/dpa Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier begrüßte Pillay 2008 zu einem Gespräch in Berlin. Damals war sie UN-Hochkommissarin für Menschenrechte. (Archivbild) - Bild: Tim Brakemeier/dpa Der Chef der norwegischen Nobeljury, Jørgen Watne Frydnes, verkündete die Preisträgerin.  - Bild: Javad Parsa/NTB Scanpix/AP/dpa

Die südafrikanische Juristin Navanethem „Navi“ Pillay ist für ihren Einsatz für Frieden und Völkerrecht mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden.

Jury würdigt Einsatz gegen Straflosigkeit

Das norwegische Nobelkomitee erklärte, Pillay habe maßgeblich dazu beigetragen, dass Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord strafrechtlich verfolgt werden. Die Jury hob ihre Unabhängigkeit, ihren außergewöhnlichen Mut, ihre Integrität und ihren festen moralischen Kompass hervor.

Die 85-Jährige habe Regierungs- und Staatschefs zur Rechenschaft gezogen und Opfern von Gewalt und Konflikten Hoffnung gegeben. Das Komitee begründete die Entscheidung auch mit dem wachsenden Druck auf das internationale Recht und seine Institutionen.

Von der Apartheid zur internationalen Justiz

Pillay kämpfte bereits als junge Anwältin gegen die Apartheid in Südafrika. Später war sie Richterin am UN-Kriegsverbrechertribunal für Ruanda und am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag sowie von 2008 bis 2014 UN-Hochkommissarin für Menschenrechte.

Zuletzt leitete sie eine UN-Untersuchungskommission, die Israel 2025 Völkermord im Gazastreifen vorwarf. Israels Regierung wies die Vorwürfe als voreingenommen und falsch zurück. Israels Außenministerium kritisierte auch die Nobelentscheidung scharf und sprach von einer Instrumentalisierung des Preises.

Überraschung in Nürnberg

Pillay erfuhr während einer Fachkonferenz zum Völkerstrafrecht in Nürnberg von der Auszeichnung. Sie nannte den Preis völlig unerwartet und widmete ihn den Überlebenden internationaler Verbrechen sowie den Verteidigern des Völkerrechts.

In ihrer Dankesrede verwies Pillay auf den politischen Angriff auf internationales Recht und Menschenrechte. Einen scherzhaften Seitenhieb auf US-Präsident Donald Trump verband sie mit der Bemerkung, sie könne den Preis vielleicht mit ihm teilen, wenn der Applaus anhalte.

Fünfte südafrikanische Preisträgerin

Pillay wurde 1941 als Tochter eines Busfahrers im südafrikanischen Durban geboren. 1967 eröffnete sie als erste Frau in der damaligen Provinz Natal eine eigene Kanzlei, weil sie als indischstämmige Frau unter der Apartheid keine Anstellung als Anwältin fand.

1995 wurde sie als erste nichtweiße Frau Richterin an einem südafrikanischen Obergericht. Am UN-Tribunal für Ruanda wirkte sie an einem wegweisenden Urteil mit, das Vergewaltigung erstmals als mögliche Form des Völkermords anerkannte.

Pillay ist nach Albert Luthuli, Desmond Tutu, Nelson Mandela und Frederik Willem de Klerk die fünfte südafrikanische Persönlichkeit mit einem Friedensnobelpreis. Die mit zwölf Millionen schwedischen Kronen dotierte Auszeichnung soll am 10. Dezember in Oslo verliehen werden.

Ein Signal für internationale Strafjustiz

Die Auszeichnung fällt in eine Phase, in der internationale Gerichte und menschenrechtliche Institutionen politisch unter Druck stehen. Der Internationale Strafgerichtshof ermittelt und entscheidet zu Konflikten, obwohl einzelne mächtige Staaten seine Zuständigkeit und Unabhängigkeit zurückweisen. Pillays beruflicher Weg steht deshalb für den Versuch, schwerste Verbrechen nicht allein politisch, sondern nach verbindlichen Rechtsnormen zu bewerten.

Ihre Arbeit verbindet mehrere Ebenen: den Kampf gegen die südafrikanische Apartheid, die Aufarbeitung des Völkermords in Ruanda und den Aufbau internationaler Strafverfolgung. Besonders prägend war die Anerkennung sexualisierter Gewalt als mögliche Form des Völkermords. Damit wurde der Schutz von Zivilpersonen im Krieg juristisch erweitert.

Politische Folgen der Ehrung

Die Nobelentscheidung lenkt den Blick zugleich auf den Konflikt zwischen menschenrechtlicher Dokumentation und staatlicher Souveränität. Pillays Arbeit in der UN-Kommission zu Israel und den Palästinensergebieten macht die Ehrung für Israel und dessen Unterstützer politisch besonders angreifbar. Für die internationale Justiz sendet sie dagegen das Signal, dass Ermittlungen und Rechenschaft auch dann als friedensfördernd gelten, wenn sie Regierungen unmittelbar belasten.

Für Leserinnen und Leser in Deutschland ist die Entscheidung auch wegen der früher abgesagten Ehrung Pillays in Berlin relevant. Sie zeigt, wie eng Debatten über Völkerrecht, den Nahostkonflikt und Antisemitismus inzwischen miteinander verbunden sind. Der Preis dürfte diese Auseinandersetzungen nicht beenden, sondern ihre internationale Sichtbarkeit erhöhen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

n-tv: „Kämpferin gegen Apartheid: Friedensnobelpreis geht an südafrikanische Juristin Navanethem "Navi" Pillay“ (09.10.2026)

Der Bericht bestätige die Auszeichnung und stelle Pillays Einsatz gegen die Apartheid sowie ihre früheren Ämter am Internationalen Strafgerichtshof und bei den Vereinten Nationen heraus. Anders als die dpa-Meldung betone er zudem, dass das Komitee Pillay zunächst nicht erreicht habe, und ordne die Zahl der Nominierten sowie die Preisverleihung im Dezember ein.

Berliner Zeitung: „Der Friedensnobelpreis 2026 geht an die Südafrikanerin Navanethem „Navi“ Pillay“ (09.10.2026)

Der Artikel bestätige die Entscheidung und rücke zusätzliche Stationen aus Pillays Biografie in den Mittelpunkt, darunter ihren Einsatz für politische Häftlinge und ihre Rolle bei der juristischen Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in Ruanda. Zudem berichte er über die positive Reaktion des UN-Menschenrechtsbüros und ordne die politische Kontroverse um die Ehrung im Zusammenhang mit der Haltung Donald Trumps ein.

Beide Berichte stellten Pillays juristische Laufbahn und die Bedeutung des Völkerrechts heraus; n-tv fokussiere stärker auf die Preisvergabe und ihre unmittelbare Erreichbarkeit, während die Berliner Zeitung den biografischen und institutionellen Kontext erweitere. Die politische Bewertung ihrer Arbeit im Nahostkonflikt bleibe der zentrale Streitpunkt.

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