Frontex soll 10.000 Einsatzkräfte und mehr Abschiebe-Hilfe erhalten
Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 04:30 Uhr | dpa, AD HOC NEWSFrontex erhält neue Einsatzperspektiven
- Die Europäische Kommission legt am Dienstag Vorschläge zur künftigen Ausstattung und Aufgabenverteilung von Frontex vor.
- Die Agentur soll nach bisheriger Zielsetzung im kommenden Jahr über 10.000 Einsatzkräfte verfügen.
- In sieben von 42 abgeschlossenen Prüfungen stellte Frontex mindestens einen Grundrechtsverstoß fest.
EU-Kommission plant mehr Aufgaben für Frontex
Die EU-Grenzschutzagentur Frontex soll Deutschland und anderen Mitgliedsländern künftig stärker bei Abschiebungen helfen können. Die Europäische Kommission legt dazu am Dienstag Vorschläge vor, die der Agentur mehr Möglichkeiten und Ressourcen geben sollen.
Unterstützung an den Außengrenzen
Frontex hat ihren Sitz in Warschau und unterstützt die Mitgliedstaaten beim Grenzschutz, etwa bei Passkontrollen, Streifen und der Überwachung der EU-Außengrenzen. Auch bei Abschiebungen arbeitet die Agentur bereits mit, in Deutschland stellt sie unter anderem speziell geschultes Personal für Abschiebeflüge.
Eigenmächtig handelt Frontex nicht. Verantwortung und Kontrolle über die Außengrenzen liegen bei den Mitgliedstaaten; Einsätze erfolgen in der Regel auf Anfrage oder nach Genehmigung des betroffenen Landes und gemeinsam mit dessen Polizei oder Küstenwache.
10.000 Einsatzkräfte als Ziel
Nach der bisherigen Zielsetzung soll Frontex im kommenden Jahr über 10.000 Einsatzkräfte verfügen. Dazu gehören etwa 3.000 fest bei der Agentur beschäftigte Offiziere und rund 7.000 Kräfte, die Mitgliedstaaten langfristig oder befristet bereitstellen.
Zusätzlich gibt es eine Reserve für unerwartete Einsätze. Für diese Gruppe war zuletzt kein Personal mehr vorgesehen. In Brüssel wird erwartet, dass Frontex in den kommenden Jahren insgesamt deutlich mehr Personal erhält.
Zentrum für Rückführungen geplant
EU-Migrationskommissar Magnus Brunner hatte angekündigt, Frontex zu einer zentralen EU-Abschiebeagentur auszubauen. Dafür soll ein neues Abschiebe-Koordinationszentrum entstehen.
Die Kommission will außerdem Lehren aus der Migrationskrise in der spanischen Exklave Ceuta berücksichtigen. Ende Juli gelangten innerhalb kürzester Zeit schätzungsweise 80.000 Migranten aus Marokko nach Ceuta; mindestens 140 Menschen starben. Die Ereignisse lösten auch eine diplomatische Krise zwischen Mitgliedstaaten aus.
Grundrechte bleiben Streitpunkt
Frontex steht seit Jahren in der Kritik, die Rechte von Flüchtlingen und Migranten nicht ausreichend zu schützen. Im Mittelpunkt stehen Vorwürfe gegen sogenannte Pushbacks durch nationale Behörden, bei denen Menschen teils gewaltsam zurückgedrängt worden sein sollen, unter anderem in Griechenland.
Die Agentur verfügt über eigene Kontrollmechanismen und setzt Beobachter bei Einsätzen ein. Nach einem Bericht aus dem vergangenen Jahr schloss Frontex die Prüfung von 42 Vorfällen ab. In sieben Fällen stellte die Agentur mindestens einen Grundrechtsverstoß fest, in 21 weiteren Fällen hielt sie einen Verstoß für wahrscheinlich.
Die geplante Aufwertung von Frontex steht für eine Verlagerung europäischer Migrationspolitik: Die Agentur soll nicht nur Mitgliedstaaten an den Außengrenzen unterstützen, sondern Rückführungen stärker koordinieren und in Krisen schneller reagieren. Dadurch könnte die EU ihre operative Handlungsfähigkeit bei Grenzübertritten und Abschiebungen erhöhen.
Der Ausbau knüpft an eine Entwicklung an, die seit Jahren läuft. Frontex unterstützt bereits gemeinsame Rückführungen und stellt Personal für Grenzüberwachung, Passkontrollen und Abschiebeflüge bereit. Eine zentrale Koordination würde Zuständigkeiten bündeln, die Entscheidung über Einreise, Asyl und Rückführung bliebe jedoch bei den Mitgliedstaaten.
Mehr Befugnisse, mehr Kontrolle
Mit zusätzlichen Einsatzkräften und einem Koordinationszentrum wüchse zugleich die politische Verantwortung der Agentur. Besonders bei Einsätzen außerhalb der EU wäre entscheidend, auf welcher rechtlichen Grundlage Frontex tätig wird und wie Betroffene Zugang zu Beschwerde- und Rechtsschutz erhalten.
Die Vorgänge in Ceuta zeigen die Größenordnung möglicher Krisen: Innerhalb kurzer Zeit kamen zehntausende Menschen an. Für die Mitgliedstaaten bedeutet ein stärkeres Frontex vor allem schnellere Unterstützung; für die Betroffenen und Kontrollinstanzen stellt sich die Frage, ob der Ausbau mit wirksamer Grundrechtsaufsicht Schritt hält.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Euronews: „Euronews Exklusiv: EU gibt Frontex neue Abschieberechte“ (26.10.2026)
Euronews berichtet, Frontex solle künftig auch Rückführungen zwischen Drittstaaten unterstützen und außerhalb der EU mehr operative Aufgaben übernehmen können. Der Beitrag hebt zudem eine geplante Schnellreaktionseinheit, eine mögliche Überwachungseinheit und ein deutlich größeres Budget hervor.
taz: „Frontex und Abschiebungen: Der Rechtsruck kommt wie gerufen“ (25.10.2026)
Der taz-Kommentar ordnet die Pläne als weiteren Schritt zum Ausbau von Frontex zu einer europäischen Grenzpolizei ein. Anders als Euronews legt er den Schwerpunkt auf politische Mehrheiten, nationale Vorbehalte und die Risiken für Grundrechtskontrollen.
Beide Beiträge verbinden die Reform mit einer größeren Rolle bei Abschiebungen. Unterschiede bestehen vor allem beim Blickwinkel: Euronews beschreibt mögliche neue Befugnisse und Ressourcen, die taz bewertet den politischen Kurs und die Kontrollfragen.
