Grönland, USA

«Dann ist alles vorbei»: Angst vor US-Invasion in Grönland

15.01.2026 - 14:07:58

FĂŒr viele GrönlĂ€nder ist die Angst zum Alltag geworden. Mit Trotz und Wut bereiten sich die Menschen in Nuuk auf das Undenkbare vor. Manche haben sogar FluchtplĂ€ne.

  • Die Menschen in Grönland wollen einfach nur ihre Ruhe haben.  - Foto: Steffen Trumpf/dpa

    Steffen Trumpf/dpa

  • Der GrönlĂ€nder Thoe Noahsen (l) steht jeden Tag an seinem Verkaufsstand in der Innenstadt. Mit Hansine Broberg Geisler (r) tauscht er sich auch ĂŒber Trumps Drohungen aus. «Der Idiot», nennt Geisler ihn nur.  - Foto: Julia WĂ€schenbach/dpa

    Julia WĂ€schenbach/dpa

Die Menschen in Grönland wollen einfach nur ihre Ruhe haben.  - Foto: Steffen Trumpf/dpaDer GrönlĂ€nder Thoe Noahsen (l) steht jeden Tag an seinem Verkaufsstand in der Innenstadt. Mit Hansine Broberg Geisler (r) tauscht er sich auch ĂŒber Trumps Drohungen aus. «Der Idiot», nennt Geisler ihn nur.  - Foto: Julia WĂ€schenbach/dpa

Wenn es zum Schlimmsten kommt, dann weiß die GrönlĂ€nderin Tillie Martinussen schon, was sie macht. «Mein Freund und ich haben ĂŒberlegt, Flugtickets nach DĂ€nemark zu kaufen - nur zur Sicherheit», sagt sie. «Und ansonsten können wir immer noch raus in den Fjord und die KĂŒste rauf oder runter segeln. Dort können wir auch ĂŒberleben.»

Als offene Kritikerin des US-PrĂ€sidenten Donald Trump fĂŒrchtet die 45-JĂ€hrige eine mögliche US-Invasion mehr als andere. Gerade deshalb hofft sie, dass sie ihren Fluchtplan nie in die Tat umsetzen muss. Dass sie ihn ĂŒberhaupt geschmiedet hat, zeigt, wie real sich die Gefahr fĂŒr GrönlĂ€nderinnen und GrönlĂ€nder anfĂŒhlt.

Es ist kurz vor 11.00 Uhr, die Sonne geht gerade auf und taucht den Himmel in ein goldenes Licht. Martinussen geht mit ihrer MischlingshĂŒndin Gaia in der Nachbarschaft Gassi. Die SpaziergĂ€nge geben ihr Struktur in einer unsicheren Zeit.

Auf den Schock folgten Angst und Wut

«Erst standen wir unter Schock, dann haben wir Angst bekommen, und jetzt bin ich einfach nur noch wĂŒtend», sagt Martinussen ĂŒber die stĂ€ndigen Trump-Drohungen, ihr Land zu annektieren. Als dessen Sohn vor rund einem Jahr in Nuuk aufschlug und Maga-Kappen («Make America Great Again») an GrönlĂ€nder verteilte, glaubten hier viele noch an einen schlechten Witz. «Dann haben wir gemerkt, dass sie das wirklich so meinen», erzĂ€hlt Martinussen.

Von ihrer Wohnung im achten Stock eines Hochhauses in Nuuk kann man ĂŒber die ganze Stadt gucken. Die ist in den letzten Jahren auf 20.000 Einwohner angewachsen, mehr als ein Drittel der Bevölkerung Grönlands wohnt hier.

Die Stadt strahlt eine große Ruhe aus. In den Straßen mischt sich in diesen Tagen auch ein GefĂŒhl der Machtlosigkeit mit trotzigem Widerstand. «Er soll uns auf jeden Fall nicht Grönland wegnehmen, der Idiot», sagt die 78-jĂ€hrige Hansine Broberg Geisler ĂŒber Trump. «Er soll bleiben, wo er hingehört. Ich will ihn hier nicht haben.» 

«Was ist mit der Zukunft unserer Kinder?»

In der kurzen Einkaufsstraße im Zentrum von Nuuk preist ein Laden Shirts mit der Aufschrift «Grönland steht nicht zum Verkauf» an. Die junge Mutter Cecilie Groth ist mit ihrem Kinderwagen unterwegs. «Mein Verstand sagt: NatĂŒrlich marschiert er hier nicht einfach ein», erzĂ€hlt sie. «Aber manchmal gehen die GefĂŒhle mit einem durch und man denkt: Wachen wir morgens auf und sie sind einfach da? Was ist dann mit der Zukunft unserer Kinder? Das macht mir Angst.»

Ansonsten sieht man in der grönlĂ€ndischen Hauptstadt gerade zeitweise mehr internationale Journalisten als GrönlĂ€nder. Die Hotels der Stadt sind mit Kamerateams gefĂŒllt, mitunter sollen keine Mietautos mehr verfĂŒgbar gewesen sein. Weiter als Nuuk kommt man damit ohnehin nicht. Auf der Arktisinsel sind keine zwei Orte mit einer Straße verbunden. Manche FlĂŒge gehen nur einmal die Woche, sie sind teuer und stark von Wind und Wetter abhĂ€ngig. Deshalb knubbelt sich alles in der Hauptstadt. 

Die Aufmerksamkeit ist vielen Inselbewohnern zu viel. Sie sind es nicht gewohnt, dass die Scheinwerfer der Weltöffentlichkeit auf sie gerichtet sind. Andererseits möchten sie möglichst viele Menschen fĂŒr ihre Sache gewinnen. Tillie Martinussen gibt deshalb gerade jeden Tag Interviews. «Ich finde, es ist meine Pflicht als GrönlĂ€nderin, jedem zu sagen: Wir wollen das nicht.»

Wir wollen nicht Teil der USA werden - darin sind sich inzwischen die meisten GrönlĂ€nderinnen und GrönlĂ€nder einig. FĂŒr Streit sorgt unter den Einwohnern der Arktisinsel aber immer wieder, wie eng das VerhĂ€ltnis zu DĂ€nemark sein soll. «Ich will weder DĂ€ne noch Amerikaner sein - ich will, dass wir selbststĂ€ndige GrönlĂ€nder sind», sagt Kim Nielsen MĂžrck. «Und das können wir auch.»

Viele grönlÀndische Trump-Fans sind verstummt

Anfangs kam das US-Interesse vielen GrönlĂ€ndern nicht ungelegen - auch, um DĂ€nemark dazu zu bringen, sich mehr zu engagieren. Heute sind viele Trump-Fans verstummt. Durch den Druck aus den USA, ist die AbhĂ€ngigkeit von DĂ€nemark nur grĂ¶ĂŸer geworden, nicht kleiner, so empfinden es viele.

Grönland ist zwar seit 1953 keine Kolonie mehr und inzwischen weitgehend autonom, gehört aber immer noch zum dĂ€nischen Königreich. Manche haben ohnehin enge Bande zu dem Land, fĂŒr andere sind die DĂ€nen einfach nur das kleinere Übel im Vergleich zu Trump. «Ich mag es nicht, dass jetzt mehr dĂ€nische Soldaten auf unseren Straßen zu sehen sind», sagt Thoe Noahsen, der einen kleinen Verkaufsstand mit Second-Hand-Ware in der Innenstadt aufgebaut hat. 

Dass sich jetzt so viele LĂ€nder mit Grönland solidarisieren und Nato-Partner wie Deutschland VerstĂ€rkung schicken, macht Tillie Martinussen dagegen stolz. «Diese UnterstĂŒtzung zu bekommen, das bedeutet uns wahnsinnig viel», sagt sie. Auch wenn sie sich keine Illusionen macht, dass das Trump stoppen könnte: «Wenn er in Grönland einmarschiert, dann ist alles vorbei.»

@ dpa.de