Selenskyj redet vor UN, Baerbock fordert Zeichen gegen Putin
19.09.2023 - 04:09:14Erstmals seit dem russischen Angriff auf die Ukraine wird heute der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj persönlich vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen auftreten. Zum Auftakt der Generaldebatte reden zudem US-PrĂ€sident Joe Biden, der tĂŒrkische PrĂ€sident Recep Tayyip Erdogan, der brasilianische PrĂ€sident Luiz InĂĄcio Lula da Silva und auch Bundeskanzler Olaf Scholz.
Deutschland feiert 50 Jahre in den UN
Der SPD-Politiker feierte gestern Abend bei einem Empfang im UN-GebĂ€ude am New Yorker East River 50 Jahre Deutschland in den Vereinten Nationen. Dabei warb er trotz aller Konflikte weltweit fĂŒr mehr internationale Zusammenarbeit: «Auch tiefe GrĂ€ben können ĂŒberwunden werden, wenn wir mit Mut, mit KreativitĂ€t und mit einem unerschĂŒtterlichen Bekenntnis zu den Prinzipien dieser unserer Vereinten Nationen zusammenarbeiten.»
Die Bundesrepublik Deutschland und die DDR waren im September 1973 mitten im Kalten Krieg gleichzeitig in die Vereinten Nationen aufgenommen worden. Zu dem JubilĂ€umsempfang kamen zahlreiche internationale GĂ€ste, unter anderen der serbische PrĂ€sident Aleksandar Vucic, der polnische PrĂ€sident Andrzej Duda, EU-RatsprĂ€sident Charles PrĂ€sident Charles Michel und mehrere AuĂenminister.
Selenskyj mit Ehefrau Olena in New York
Biden und Selenskyj waren bei dem Festakt allerdings nicht dabei. Der ukrainische PrÀsident landete zusammen mit seiner Ehefrau Olena Selenska gestern in New York. Er hat in den vergangenen Monaten bereits an mehreren Gipfeln teilgenommen - G7, Nato, EU. In der UN-Vollversammlung war er im vergangenen Jahr aber nur per Video zugeschaltet.
Von seiner 15-minĂŒtigen Ansprache (ab etwa 18Â Uhr MESZ) wird erwartet, dass er fĂŒr UnterstĂŒtzung im Krieg gegen Russland, seine Bedingungen fĂŒr Frieden und die Vorstellungen Kiews fĂŒr ein Kriegsverbrechertribunal wirbt.
Selenskyj und Lawrow im Sicherheitsrat erwartet
Am Mittwoch wird Selenskyj im Mittelpunkt einer Sitzung des 15-köpfigen UN-Sicherheitsrats stehen. Dort könnte er erstmals seit dem Einmarsch Russlands in sein Land auf den russischen AuĂenminister Sergej Lawrow treffen. Am selben Tag ist ein GesprĂ€ch mit Scholz geplant. Dabei könnte es um die ukrainische Forderung nach Marschflugkörpern vom Typ Taurus gehen. Scholz hat sich dazu bisher zurĂŒckhaltend geĂ€uĂert
Selenskyjs erste Reise zum UN-Hauptquartier in New York seit Kriegsausbruch wird als Versuch gesehen, skeptische LĂ€nder von seinem Kurs zu ĂŒberzeugen. Allerdings wĂŒnschen sich viele Staaten vor allem in Lateinamerika, Afrika und Asien gröĂeres Augenmerk auf ihre Probleme und auf das eigentlich von den UN angepeilte Hauptthema beim gröĂten diplomatischen Treffen der Welt: Eine neue Zusammenarbeit auf Augenhöhe zwischen Industrie- und EntwicklungslĂ€ndern.
Viele der Staats und Regierungschefs des sogenannten globalen SĂŒdens wĂŒnschen sich Frieden in der Ukraine - dies spiegelt sich prominent in den Mediationsversuchen des brasilianischen PrĂ€sident Luiz InĂĄcio Lula da Silva, der kĂŒrzlich davon sprach, der Krieg «ermĂŒde die Menschheit». Von New York aus will Selenskyj nach Washington weiterreisen. Dort sind am Donnerstag Treffen mit Biden und Kongressmitgliedern geplant.
Baerbock: Kein «business as usual» in Kriegszeiten
AuĂenministerin Annalena Baerbock (GrĂŒne) forderte vor Beginn der Generaldebatte ein starkes Zeichen der Weltgemeinschaft gegen Russlands PrĂ€sidenten Wladimir Putin.
«Gerade in diesen Zeiten, wo der russische PrĂ€sident nicht nur die europĂ€ische Friedensordnung attackiert, sondern die Charta der Vereinten Nationen, kann es auch in den Vereinten Nationen kein business as usual geben», sagte die GrĂŒnen-Politikerin gestern. «Wir mĂŒssen trotz aller Krisen auf dieser Welt gerade in diesen Tagen fĂŒr die Charta der Vereinten Nationen nicht nur werben, sondern gemeinsam eintreten.»







