G7: Tajani setzt Hackerangriffe auf die Agenda in Paris
Veröffentlicht am: 08.11.2026 um 15:36 Uhr | dpa, AD HOC NEWSItalienische Sicherheitsbehörden planen nächste Schritte
- Außenminister Antonio Tajani will die mutmaßlich prorussischen Hackerangriffe ab Montag in Paris auf die G7-Agenda setzen.
- Die Gruppe soll seit dem 26. Oktober für Daten von 18 als russlandfeindlich bezeichneten Personen Geld angeboten haben.
- Innenminister Matteo Piantedosi berief für Dienstag den Nationalen Sicherheitsrat in Rom ein.
Tajani bringt Hackerangriffe auf G7-Agenda
Italiens Außenminister Antonio Tajani will die jüngsten Hackerangriffe einer mutmaßlich prorussischen Gruppe beim Treffen der G7-Außenminister ab Montag in Paris zum Thema machen. Zuvor waren sensible persönliche Daten Tajanis und seiner Familie im Darknet veröffentlicht worden.
Außenminister spricht von hybridem Krieg
„Wir befinden uns in einem hybriden Krieg“, zitierte die italienische Nachrichtenagentur Ansa Tajani. Er habe die G7-Staaten gebeten, das Thema in den Mittelpunkt ihrer Debatte zu stellen.
Zur G7 gehören Deutschland, Frankreich, Italien, Japan, Kanada, Großbritannien und die USA. Die Europäische Union nimmt an allen Treffen als ständiger Teilnehmer teil.
Daten von Tajani und Familie im Darknet
„Dadurch setze ich mich neuen Bedrohungen und Einschüchterungsversuchen aus“, schrieb Tajani auf der Plattform X. Die Angebote bezögen auch seine Familie ein; für weitere Details über ihn und seine Angehörigen werde Geld gezahlt.
„Meine Reaktion ist sehr einfach: Ich lasse mich in keiner Weise einschüchtern“, betonte der Minister. Als Grund für die Angriffe vermutet er Italiens Unterstützung für die von Russland angegriffene Ukraine.
Meloni macht prorussische Hacker verantwortlich
Regierungschefin Giorgia Meloni machte prorussische Hacker für die Angriffe verantwortlich und bekundete Tajani ihre volle Solidarität. Derartige Machenschaften seien äußerst besorgniserregend und müssten mit aller Entschlossenheit bekämpft werden.
Innenminister Matteo Piantedosi berief für Dienstag eine Sitzung des Nationalen Sicherheitsrates in Rom ein.
Gruppe soll Daten von 18 Personen angeboten haben
Die italienische Tageszeitung „Il Fatto Quotidiano“ berichtete, die Hackergruppe NoName057(16) biete seit dem 26. Oktober Geld für Passwörter, Wohnadressen, Lebensläufe, private Telefonnummern und andere persönliche Daten von insgesamt 18 Personen an.
Zu den Betroffenen sollen neben Tajani der italienische Staatsanwalt Francesco Lo Voi, der Leiter der Postpolizei, Ivano Gabrielli, und der Bürgermeister von Aviano, Paolo Tassan-Zanin, gehören.
Gruppe blieb nach Polizeieinsatz aktiv
Das Bundeskriminalamt bezeichnete NoName057(16) 2025 als prorussische Hackergruppe. Sie wurde seit Beginn der russischen Vollinvasion in der Ukraine im Februar 2022 öffentlich bekannt und warb Unterstützer für DDoS-Angriffe an.
Im Juli 2025 zerschlug eine international koordinierte Polizei- und Justizoperation unter Führung des BKA und der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt die IT-Infrastruktur und das weltweite Botnetz der Gruppe. NoName057(16) blieb danach jedoch aktiv.
Auch deutsche Amtsträger genannt
Der Nachrichtenagentur Ansa zufolge gerieten auch Deutsche und ein Österreicher ins Visier der Hackergruppe. Genannt wurden ein Frankfurter Staatsanwalt, BKA-Präsident Holger Münch, ein deutscher Journalist und der österreichische Präsident der EU-Justizbehörde Eurojust, Michael Schmid.
Italien will den Vorgang damit sowohl national als auch innerhalb der G7 beraten. Im Mittelpunkt stehen der Schutz staatlicher Vertreter, die Abwehr weiterer Cyberangriffe und der Umgang mit der Veröffentlichung persönlicher Daten.
Der Fall verbindet den Schutz persönlicher Daten mit der Sicherheitslage europäischer Regierungen. Tajani ordnet die Veröffentlichung der Informationen in den politischen Konflikt um Russlands Angriff auf die Ukraine ein und will das Thema deshalb auf die G7-Ebene heben.
Die mutmaßliche Gruppe NoName057(16) ist seit dem Beginn der russischen Vollinvasion im Februar 2022 öffentlich bekannt. Ihr werden vor allem DDoS-Angriffe zugeschrieben, bei denen Webseiten durch künstlich erzeugte Anfragen zeitweise überlastet werden. Eine international koordinierte Operation unter Führung des BKA und der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt hatte im Juli 2025 Infrastruktur und Botnetz der Gruppe zerschlagen; danach blieb sie jedoch aktiv.
Politische und praktische Folgen
Die Veröffentlichung von Angaben zu Tajani und seiner Familie erweitert die Bedrohung über die Funktionsfähigkeit staatlicher Webseiten hinaus. Sie zielt zugleich auf Einschüchterung, den Schutz von Angehörigen und die öffentliche Kommunikation politischer Entscheidungsträger.
Für die G7 steht damit neben der technischen Abwehr auch die Frage im Raum, wie Staaten gegen digitale Einflussnahme, die Verbreitung persönlicher Daten und mögliche grenzüberschreitende Geldangebote vorgehen. Die für Dienstag angesetzte Sitzung des italienischen Nationalen Sicherheitsrates kann zudem klären, welche nationalen Schutzmaßnahmen folgen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Euronews: „Tajani meldet Datenleck im Darknet nach Angriff russischer Hacker, Meloni reagiert“ (07.11.2026)
Euronews berichtet über die Veröffentlichung persönlicher Daten Tajanis und die Solidarität Giorgia Melonis. Der Beitrag hebt zusätzlich politische Auseinandersetzungen in Italien über ein manipuliertes beziehungsweise ironisches Bild hervor, während die konkrete Zuordnung der Hackergruppe im Zentrum der dpa-Meldung steht.
Der Deutschlandfunk stellt Tajanis Darstellung des Angriffs, den Zusammenhang mit Italiens Ukraine-Politik und Melonis Verantwortungszuweisung heraus. Anders als die dpa-Meldung nennt der Beitrag vor allem die politische Reaktion und die fortgesetzte Unterstützung Kiews; die G7-Beratung und die weiteren betroffenen Personen stehen dort nicht im Mittelpunkt.
Beide Beiträge bestätigen die Veröffentlichung persönlicher Daten und Melonis Solidarität. Unterschiede liegen vor allem in der Gewichtung zwischen innenpolitischer Debatte und der geplanten internationalen Befassung; offen bleiben die genaue Verantwortungszuordnung und die weiteren Schutzmaßnahmen.
