Gaza, Medizinische Evakuierung

Gaza: Deutsche Ärzte behandeln 34 Kriegsverletzte in Kairo

Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 04:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Ein 21-jĂ€hriger PalĂ€stinenser wird nach einer Schussverletzung in Kairo weiterbehandelt. FĂŒr die notwendige Rehabilitation fehlt bislang eine gesicherte Finanzierung.

Ahmeds Behandlung und die nÀchsten Schritte

  • Ahmed al-Chair wurde im Juni 2025 im Gazastreifen durch eine Maschinengewehrkugel am Kopf verletzt.
  • Malteser-International-Ärzte behandelten in Kairo insgesamt 34 Patienten mit Kriegsverletzungen.
  • Die Kugel bleibt im Kopf; zunĂ€chst soll die Infektion an der Kopfwunde weiter behandelt werden.
  • Ahmed al-Chair wurde im Krieg im Gazastreifen verletzt. - Bild: Michael Brandt/dpa
  • Das Foto zeigt Ahmed auf dem GelĂ€nde des Krankenhauses des Roten Halbmondes im Gazastreifen im Februar 2026. Lange habe er sich um die Evakuierung seines Sohnes bemĂŒht. Es sei eine sehr schwierige Zeit gewesen, sagt Ahmeds Vater. - Bild: Abed Rahim Khatib/dpa
  • Manchmal ist der 21-JĂ€hrige in sich versunken. - Bild: Michael Brandt/dpa
  • Oliver Mohr (l), ehrenamtlicher Arzt bei Malteser International und Ahmeds Vater Ejad al-Chair (r), verabschieden sich. - Bild: Michael Brandt/dpa
  • Ahmed al-Chair lĂ€chelt, als er den Ton der Videos seiner Tanzauftritte hört. - Bild: Michael Brandt/dpa
  • Krankenwagen stehen auf der Ă€gyptischen Seite des GrenzĂŒbergangs Rafah zum Gazastreifen. - Bild: Mohammed Arafat/AP/dpa
Ahmed al-Chair wurde im Krieg im Gazastreifen verletzt.  - Bild: Michael Brandt/dpa Das Foto zeigt Ahmed auf dem GelĂ€nde des Krankenhauses des Roten Halbmondes im Gazastreifen im Februar 2026. Lange habe er sich um die Evakuierung seines Sohnes bemĂŒht. Es sei eine sehr schwierige Zeit gewesen, sagt Ahmeds Vater. - Bild: Abed Rahim Khatib/dpa Manchmal ist der 21-JĂ€hrige in sich versunken. - Bild: Michael Brandt/dpa Oliver Mohr (l), ehrenamtlicher Arzt bei Malteser International und Ahmeds Vater Ejad al-Chair (r), verabschieden sich.  - Bild: Michael Brandt/dpa Ahmed al-Chair lĂ€chelt, als er den Ton der Videos seiner Tanzauftritte hört. - Bild: Michael Brandt/dpa Krankenwagen stehen auf der Ă€gyptischen Seite des GrenzĂŒbergangs Rafah zum Gazastreifen. - Bild: Mohammed Arafat/AP/dpa

Malteser behandeln 34 Verletzte aus Gaza in Kairo

Der 21-jĂ€hrige Ahmed al-Chair liegt in Kairo mit einer Kugel im Kopf im Krankenbett und kann seinen rechten Arm und sein rechtes Bein nicht bewegen. Ärzte von Malteser International haben ihn operiert, doch wegen des Risikos bleibt das Projektil im Kopf und eine infizierte Wunde muss weiter behandelt werden.

Schussverletzung bei der Suche nach Lebensmitteln

Ahmed wurde nach Angaben seines Vaters im Juni 2025 auf einer Straße im Gazastreifen getroffen, als er Lebensmittel von einem US-gefĂŒhrten Verteilzentrum holen wollte. Die Kugel sei von einem Maschinengewehr auf einem israelischen Panzer abgefeuert worden.

Israel betont, seine Angriffe richteten sich gegen die Hamas und andere militante Gruppen. Die Armee erklĂ€rt, sie bemĂŒhe sich um die Vermeidung ziviler Opfer und bedauere den Tod Unbeteiligter.

Ärzte berichten von schweren Kriegsverletzungen

Die deutschen Mediziner behandelten insgesamt 34 Patienten aus dem Gazastreifen. Sie berichten von Verbrennungen, Amputationen und Verletzungen durch Granatsplitter, SchĂŒsse und Explosionen sowie von Infektionen infolge mangelnder Hygiene, verzögerter Behandlung, MangelernĂ€hrung und geschwĂ€chter Immunsysteme.

Internist Oliver Mohr aus Freiburg bezeichnete den Einsatz als begrenzte Hilfe, bei der dennoch jeder Patient zĂ€hle. FĂŒr ihn war es nach eigenen Angaben der erste Einsatz, bei dem er Patienten aus dem Gazastreifen behandelte.

Evakuierungen nach Ägypten bleiben schwierig

Peter Dischler von der Berliner Organisation Cadus leitet im Gazastreifen eine Mission, die unter anderem an Evakuierungen schwer kranker Menschen nach Ägypten beteiligt ist. Der Transport innerhalb des KĂŒstenstreifens sei enorm schwierig, die Lage verĂ€ndere sich stĂ€ndig.

Nach seinen Angaben kostet ein Liter Motorenöl etwa 1.000 US-Dollar. Ersatzteile fĂŒr Fahrzeuge und medizinische GerĂ€te fehlten. Die fĂŒr PalĂ€stinenserangelegenheiten zustĂ€ndige israelische Behörde Cogat weist VorwĂŒrfe von BeschrĂ€nkungen zurĂŒck und erklĂ€rt, seit Beginn der Waffenruhe im Oktober 2025 seien mehr als 24.000 Tonnen medizinischer AusrĂŒstung und Medikamente in den Gazastreifen gelangt.

Fortsetzung der Behandlung ist offen

Die Behandlungen in Kairo waren als zweiwöchiges Pilotprojekt angelegt. Eine FortfĂŒhrung und Rehabilitationsmaßnahmen fĂŒr Ahmed hĂ€ngen nach Angaben von Malteser International von weiteren Spenden ab; als Grund werden auch KĂŒrzungen der deutschen und US-amerikanischen Regierung bei humanitĂ€rer Hilfe genannt.

Ahmeds Vater zeigt im Patientenzimmer Videos frĂŒherer Tanzauftritte seines Sohnes. Vor dem Krieg betrieb er in Rafah ein CafĂ© und ein SĂŒĂŸwarengeschĂ€ft, die nach seinen Angaben zerstört wurden; seine Frau und fĂŒnf weitere Kinder leben im Gazastreifen in einem Zelt.

Die Behandlung Ahmed al-Chairs steht fĂŒr ein Muster, das die medizinische Versorgung im Gazastreifen seit Beginn des Krieges prĂ€gt: Schwer verletzte Menschen benötigen hĂ€ufig spezialisierte Eingriffe, die vor Ort nicht oder nur verspĂ€tet möglich sind. FĂŒr die Ausreise nach Ägypten mĂŒssen Patienten zudem innerhalb des KĂŒstenstreifens zu einem Übergang gelangen und ein Verfahren durch mehrere beteiligte Stellen durchlaufen.

Die dpa-Meldung beschreibt dabei zwei miteinander verbundene EngpĂ€sse. In Gaza fehlen nach Angaben der beteiligten Helfer Ersatzteile, Treibstoff und verlĂ€sslich zugĂ€ngliche medizinische Infrastruktur. Zugleich sind BehandlungskapazitĂ€ten außerhalb des Gebiets begrenzt und Hilfsorganisationen auf Spenden angewiesen. Dass Malteser International in einem zweiwöchigen Pilotprojekt 34 verletzte Patienten versorgte, zeigt sowohl den konkreten Nutzen solcher EinsĂ€tze als auch ihre begrenzte Reichweite angesichts des Bedarfs.

Rehabilitation bleibt offen

FĂŒr Ahmed ist die Operation deshalb nur ein Zwischenschritt. Die Kugel bleibt im Kopf, zunĂ€chst muss die infizierte Wunde weiter behandelt werden; anschließend wĂ€ren Rehabilitationsmaßnahmen nötig, damit er Beweglichkeit und möglichst viel SelbststĂ€ndigkeit zurĂŒckgewinnen kann. Ob diese Versorgung fortgesetzt werden kann, hĂ€ngt laut Meldung von zusĂ€tzlichen Spenden ab.

FĂŒr Angehörige bedeutet die medizinische Evakuierung zudem keine RĂŒckkehr zur NormalitĂ€t. Ahmeds Familie lebt weiterhin unter prekĂ€ren Bedingungen im Gazastreifen, wĂ€hrend sein Vater zwischen Behandlung, möglicher RĂŒckkehr und der Versorgung der ĂŒbrigen Familie abwĂ€gen muss. Die Debatte ĂŒber Einfuhrkontrollen und Hilfslieferungen bleibt damit unmittelbar mit individuellen Behandlungschancen verbunden.

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