GCAP-Kampfjet, Kensington-Vertrag

GCAP-Kampfjet: Burnham bietet Merz deutsche Beteiligung an

Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 15:38 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Beim Antrittsbesuch des britischen Premierministers Andy Burnham in Berlin bietet Großbritannien Deutschland die Beteiligung am Kampfjetprogramm GCAP an. Zugleich setzen Burnham und Bundeskanzler Friedrich Merz den Kensington-Vertrag in Kraft und vertiefen die Zusammenarbeit beider Länder.

  • Beim Treffen mit seinem britischen Amtskollegen Andy Burnham sprach Kanzler Merz von einem historischen Tag.  - Bild: Michael Kappeler/dpa
    Beim Treffen mit seinem britischen Amtskollegen Andy Burnham sprach Kanzler Merz von einem historischen Tag. - Bild: Michael Kappeler/dpa
  • Der deutsch-britische Freundschaftsvertrag ist nun in Kraft. - Bild: Michael Kappeler/dpa
    Der deutsch-britische Freundschaftsvertrag ist nun in Kraft. - Bild: Michael Kappeler/dpa
  • Merz empfing Burnham im Kanzleramt.  - Bild: Michael Kappeler/dpa
    Merz empfing Burnham im Kanzleramt. - Bild: Michael Kappeler/dpa
Beim Treffen mit seinem britischen Amtskollegen Andy Burnham sprach Kanzler Merz von einem historischen Tag.  - Bild: Michael Kappeler/dpa Der deutsch-britische Freundschaftsvertrag ist nun in Kraft. - Bild: Michael Kappeler/dpa Merz empfing Burnham im Kanzleramt.  - Bild: Michael Kappeler/dpa

Der britische Premierminister Andy Burnham hat Bundeskanzler Friedrich Merz bei seinem Antrittsbesuch in Deutschland die gemeinsame Entwicklung eines neuen Kampfjets angeboten.

Deutschland soll GCAP beitreten

Burnham signalisierte Deutschlands Beteiligung am Global Combat Air Programme (GCAP), an dem bereits Großbritannien, Italien und Japan beteiligt sind. Das Programm soll ein Kampfflugzeug der nächsten Generation hervorbringen.

Der britische Premier sagte, er habe seine Offenheit für eine deutsche Beteiligung signalisiert. Dies solle in der kommenden Zeit vorangetrieben werden.

Alternative nach dem FCAS-Aus

Das deutsch-französische Kampfjet-Projekt FCAS war im Sommer gescheitert, weil sich beide Seiten nach jahrelangen Vorbereitungen nicht auf die Bedingungen einigen konnten. Seitdem sucht Deutschland nach einer Alternative.

Als wahrscheinlichste Variante galt bislang eine Kooperation des Airbus-Konzerns mit Schweden und dem Rüstungsunternehmen Saab.

Kensington-Vertrag tritt in Kraft

Die Verteidigungskooperation ist Teil des neuen deutsch-britischen Freundschaftsvertrags. Merz und Burnham setzten ihn mit dem Austausch der Ratifizierungsurkunden im Kanzleramt in Kraft.

Der Vertrag war im Juli 2025 beim Antrittsbesuch des Kanzlers in London unterzeichnet worden. Der 27 Seiten starke Vertrag wird nach dem Londoner Stadtteil Kensington auch Kensington-Vertrag genannt und durch einen Aktionsplan mit 17 Punkten ergänzt.

Mehr Zusammenarbeit und Reiseerleichterungen

Die Vereinbarung soll die Zusammenarbeit in der Wirtschaftspolitik, bei der Eindämmung irregulärer Migration und bei der Bekämpfung grenzüberschreitender Kriminalität vertiefen. Geplant sind zudem Reiseerleichterungen, darunter Visafreiheit für Klassenfahrten von Schülergruppen, sowie eine direkte Bahnverbindung zwischen Deutschland und Großbritannien.

Gemeinsamer Schutz vor hybriden Bedrohungen

Merz bezeichnete den Tag als historisch. Der Vertrag eröffne neue Möglichkeiten für die Zusammenarbeit beider Länder und verbessere insbesondere den Zugang von Schülerinnen, Schülern und Studierenden zu den jeweils anderen Ländern.

Burnham sagte, Deutschland sei einer der engsten Partner Großbritanniens. Der Vertrag werde nach seiner Darstellung die Sicherheit in Europa verbessern, das Wirtschaftswachstum fördern und den Lebensstandard erhöhen.

Beide Länder vereinbarten eine engere Zusammenarbeit bei der Abwehr hybrider Bedrohungen. Dazu zählen Angriffe über das Internet, Sabotage an Infrastruktur, Desinformation und Drohnenattacken. Die britische Regierungszentrale verwies insbesondere auf Bedrohungen durch Russland.

Deutschland ist erstes EU-Ziel Burnhams

Eine gemeinsame Pressekonferenz gab es nach dem Treffen nicht. Die beiden Regierungschefs gaben lediglich kurze Statements ab.

Burnham war nach seinem Amtsantritt zunächst in die Ukraine und anschließend in die USA gereist. Deutschland ist sein erstes Ziel in der Europäischen Union. Damit setzt er ein Signal für eine enge Beziehung zu Berlin.

Als früherer Bürgermeister der Metropolregion Manchester tritt Burnham anders auf als sein Vorgänger Keir Starmer und auch anders als Merz. Seine Labour-Partei profitiert derzeit von einem Aufschwung nach dem Regierungswechsel.

In den vergangenen Wochen hatte Burnham als erster britischer Premier seit dem Brexit zudem von der Möglichkeit einer Rückkehr in die Europäische Union gesprochen. Ein solcher Schritt wäre politisch weitreichend; die deutsche Haltung dazu in Brüssel wäre von Bedeutung.

GCAP als mögliche Lücke nach dem FCAS-Aus

Das britisch-italienisch-japanische Global Combat Air Programme ist bereits weiter entwickelt als ein reines Konzept. Die drei Partner haben im Juli einen Entwicklungsvertrag über 4,6 Milliarden Pfund geschlossen und wollen den neuen Kampfjet bis 2035 in die Luft bringen. Für Deutschland wäre ein Beitritt daher ein Einstieg in ein laufendes Vorhaben, nicht der Beginn eines vollständig offenen Projekts.

Der Zeitpunkt ist politisch und industriepolitisch bedeutsam. Nach dem Scheitern des deutsch-französisch-spanischen FCAS-Projekts muss Berlin Fähigkeiten für die nächste Kampfflugzeuggeneration sichern und zugleich entscheiden, wie viel Einfluss deutsche Unternehmen auf Entwicklung und Produktion erhalten. Ein später Beitritt könnte den Zugang zu einem festen Zeitplan erleichtern, aber die Mitgestaltung bei Anforderungen, Arbeitsteilung und Technologie begrenzen.

Entscheidung zwischen Tempo und Einfluss

Im Mittelpunkt stehen deshalb militärische Passgenauigkeit und industrielle Beteiligung. Das GCAP ist stark auf maritime Einsatzszenarien ausgerichtet, während Deutschland vor allem Anforderungen für Operationen über dem europäischen Festland berücksichtigen muss. Als Alternative wird ein neues Vorhaben mit Spanien und Schweden betrachtet, das mehr Einfluss ermöglichen könnte, aber zusätzliche Zeit für Partnerwahl, Finanzierung und Entwicklung benötigen würde.

Der Kensington-Vertrag erweitert den möglichen Beitritt um eine politische Ebene. Die vereinbarte Zusammenarbeit bei Verteidigung, hybriden Bedrohungen, Migration, Kriminalitätsbekämpfung und Wirtschaft schafft einen breiteren Rahmen für die deutsch-britischen Beziehungen. Für Bürgerinnen und Bürger könnten Reiseerleichterungen und eine direkte Bahnverbindung unmittelbar spürbarer sein als die langfristige Entscheidung über ein Kampfflugzeug.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Deutschlandfunk: „Britischer Premier Burnham kommt in Berlin mit Kanzler Merz zusammen“ (08.10.2026)

Der Bericht hebe den Antrittsbesuch und das Inkrafttreten des Kensington-Vertrags hervor. Er stelle die geplante Vertiefung der Zusammenarbeit in Verteidigung, Wirtschaft, Migration und bei grenzüberschreitender Kriminalität in den Mittelpunkt, während das konkrete GCAP-Angebot noch nicht Bestandteil des Beitrags sei.

FOCUS online: „Deutschland denkt darüber nach – alle wollen ins GCAP-Programm, doch den neuen Kampfjet kann am Ende nicht jeder haben“ (06.10.2026)

Der Artikel habe die deutsche Prüfung eines GCAP-Einstiegs vor dem aktuellen Angebot eingeordnet. Er betone, das Programm sei bereits weit fortgeschritten, und hebe offene Fragen zu militärischen Anforderungen, industrieller Beteiligung und dem deutschen Einfluss hervor; zugleich beschreibe er ein mögliches Vorhaben mit Spanien und Schweden als Alternative.

Beide Beiträge bestätigten den politischen und sicherheitspolitischen Ausbau der deutsch-britischen Beziehungen beziehungsweise die deutsche Suche nach einer Lösung nach dem FCAS-Aus. Während der Deutschlandfunk den Vertrag und seine praktischen Folgen hervorhebe, konzentriere sich FOCUS online auf die industriepolitischen Bedingungen eines GCAP-Beitritts.

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