GCAP-Kampfjet: Burnham bietet Merz deutsche Beteiligung an
Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 16:47 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDer britische Premierminister Andy Burnham hat Bundeskanzler Friedrich Merz bei seinem Antrittsbesuch in Deutschland eine Beteiligung an der gemeinsamen Entwicklung eines neuen Kampfjets angeboten.
Deutschland prüft Einstieg in GCAP
Es geht um das sogenannte Global Combat Air Programme (GCAP), an dem bereits Großbritannien, Italien und Japan beteiligt sind. Burnham sagte, er habe seine Offenheit signalisiert, dass sich Deutschland an dem Kampfflugzeug der nächsten Generation beteiligen könne. Das Vorhaben solle in der kommenden Zeit vorangetrieben werden.
Aus deutschen Regierungskreisen hieß es, die Verteidigungsminister seien mit der Prüfung einer Kooperation beauftragt worden. Eine Entscheidung oder Vorentscheidung sei damit nicht verbunden. Deutschland befinde sich bei der Neuevaluierung der Optionen in einem sehr frühen Stadium.
FCAS-Aus eröffnet mehrere Optionen
Das deutsch-französische Kampfjetprojekt FCAS war im Sommer nach jahrelangen Vorbereitungen gescheitert. Beide Seiten hatten sich nicht auf die Konditionen einigen können. Seitdem sucht Deutschland nach einer Alternative; als wahrscheinlichste Variante galt bisher eine Kooperation des Airbus-Konzerns mit dem schwedischen Rüstungsunternehmen Saab.
Kensington-Vertrag tritt in Kraft
Die Verteidigungskooperation ist Teil des deutsch-britischen Freundschaftsvertrags, den Merz und Burnham mit dem Austausch der Ratifizierungsurkunden in Kraft setzten. Der im Juli 2025 in London unterzeichnete Vertrag wird nach dem Unterzeichnungsort Kensington-Vertrag genannt und von einem Aktionsplan mit 17 Punkten flankiert.
Die Vereinbarung sieht eine engere Zusammenarbeit in der Wirtschaftspolitik, bei der Eindämmung irregulärer Migration und bei der Bekämpfung grenzüberschreitender Kriminalität vor. Geplant sind außerdem Reiseerleichterungen für Klassenfahrten von Schülergruppen sowie eine direkte Bahnverbindung zwischen Deutschland und Großbritannien.
Gemeinsamer Kampf gegen hybride Bedrohungen
Beide Länder wollen auch bei der Abwehr hybrider Bedrohungen enger zusammenarbeiten. Dazu zählen Cyberangriffe, Sabotage an Infrastruktur, Desinformation und Drohnenattacken. Die britische Regierungszentrale verwies insbesondere auf Bedrohungen durch Russland.
Signal für enge Beziehungen
Merz bezeichnete den Tag als historisch und betonte die Bedeutung besserer Reisemöglichkeiten für Schülerinnen und Schüler sowie Studierende. Burnham erklärte, Deutschland sei einer der engsten Partner Großbritanniens; der Vertrag werde die Sicherheit in Europa verbessern und die Wirtschaften beider Länder stärken.
Eine gemeinsame Pressekonferenz gab es nach dem Treffen nicht; die Regierungschefs gaben lediglich kurze Statements ab. Burnham reiste zuvor in die Ukraine und in die USA. Deutschland war damit sein erstes Ziel in der Europäischen Union.
Burnham spricht über EU-Rückkehr
Der frühere Bürgermeister der Metropolregion Manchester tritt nach seinem Amtsantritt mit einem volksnäheren Stil auf. Seine Labour-Partei profitiert derzeit von einem Aufschwung. In der vergangenen Woche sprach Burnham als erster britischer Premierminister seit dem Brexit konkret über die Möglichkeit einer Rückkehr in die Europäische Union.
Neue Suche nach einem europäischen Kampfjet
Das britische Angebot kommt in eine Phase, in der Deutschland nach dem Ende des FCAS-Projekts seine Optionen neu ordnen muss. Mit GCAP stünde ein bereits laufendes Programm zur Debatte, das Großbritannien, Italien und Japan gemeinsam vorantreiben und ab 2035 einen Kampfjet der sechsten Generation entwickeln wollen.
Ein Einstieg könnte Zeit sparen, wäre aber mit politischen und industriellen Abwägungen verbunden. Bei einem späteren Beitritt müsste Berlin klären, welchen Einfluss Deutschland auf technische Anforderungen, Arbeitsteilung und Fertigung erhielte. Zugleich müsste das Programm zu den Einsatzvorstellungen der Bundeswehr passen.
Industrie und Sicherheitspolitik
Der deutsche Kurs hat Bedeutung über die Beschaffung eines einzelnen Flugzeugs hinaus. Ein neues Kampfflugzeug bildet den Kern eines vernetzten Luftkampfsystems; Entscheidungen über Partner und Technologie prägen deshalb Europas Rüstungsfähigkeit über Jahrzehnte. Das GCAP-Programm soll bereits 2035 einen Jet bereitstellen, während ein Neustart mit weiteren Partnern zusätzliche Vorbereitungszeit benötigen würde.
Breitere Zusammenarbeit mit London
Der Kensington-Vertrag erweitert den sicherheitspolitischen Rahmen des Angebots. Vereinbarte Kooperationen gegen Cyberangriffe, Sabotage, Desinformation und Drohnenattacken sollen die bilaterale Zusammenarbeit angesichts hybrider Bedrohungen vertiefen. Für Reisende, Unternehmen und junge Menschen enthält der Vertrag zudem praktische Vorhaben wie Erleichterungen bei Klassenfahrten und eine geplante direkte Bahnverbindung.
