Europa, Deutschland

EU-Kommissar: «Migrationsdiplomatie» und Visa-Hebel nutzen

31.01.2026 - 04:30:05 | dpa.de

Gegen den ArbeitskrÀftemangel und die irregulÀre Migration: EU-Migrationskommissar Brunner verspricht sich viel von seinem Ansatz - langfristig auch eine Abkehr Deutschlands von den Grenzkontrollen.

  • EU-Migrationskommissar Magnus Brunner setzt sich fĂŒr die Abschiebung von StraftĂ€tern nach Syrien ein. (Archivbild)  - Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa
    EU-Migrationskommissar Magnus Brunner setzt sich fĂŒr die Abschiebung von StraftĂ€tern nach Syrien ein. (Archivbild) - Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa
  • Laut SchĂ€tzungen der Vereinten Nationen gab es allein im ersten Halbjahr 2025 hunderte TodesfĂ€lle im Mittelmeer. (Archivbild) - Foto: Joan Mateu Parra/AP/dpa
    Laut SchÀtzungen der Vereinten Nationen gab es allein im ersten Halbjahr 2025 hunderte TodesfÀlle im Mittelmeer. (Archivbild) - Foto: Joan Mateu Parra/AP/dpa
  • Seit September 2024 kontrolliert die Bundespolizei auch an den Grenzen zu DĂ€nemark, Frankreich, Belgien, Luxemburg und den Niederlanden. (Archivbild) - Foto: Marijan Murat/dpa
    Seit September 2024 kontrolliert die Bundespolizei auch an den Grenzen zu DĂ€nemark, Frankreich, Belgien, Luxemburg und den Niederlanden. (Archivbild) - Foto: Marijan Murat/dpa
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EU-Kommissar Magnus Brunner will bei der Zusammenarbeit mit Drittstatten in Migrationsfragen verstĂ€rkt auf das Prinzip Zuckerbrot und Peitsche setzen. «Die EU hat Hebel wie Visumpolitik, Handel und Entwicklungszusammenarbeit, die wir als strategische Instrumente im Interesse Europas nutzen mĂŒssen», sagte Brunner im Interview der Deutschen Presse-Agentur. 

Er verwies auf Konflikte mit Staaten, die in der Vergangenheit nicht genug gegen irregulĂ€re Migration unternommen hĂ€tten. «Wir haben daraufhin Visasanktionen gegen einen Staat ausgesprochen und plötzlich hat es geklappt.» Der österreichische Kommissar spricht von «Migrationsdiplomatie». Viele LĂ€nder wollen Visa?Erleichterungen mit der EU, weil sie sich davon etwa konkrete Vorteile fĂŒr ihre Wirtschaft erhoffen. 

EU-Kommissar: MĂŒssen entscheiden, wer nach Europa kommt

Die Visumpolitik soll nicht nur die irregulĂ€re Migration reduzieren, sie soll auch Möglichkeiten fĂŒr zupackende HĂ€nde und kluge Köpfe bieten. «Da mĂŒssen wir flexibler, schneller und digitaler werden, etwa fĂŒr FachkrĂ€fte und Wissenschaftler», sagte Brunner. In der diese Woche vorgestellten Migrationsstrategie der BrĂŒsseler Behörde heißt es, in den nĂ€chsten fĂŒnf Jahren werde sich der ArbeitskrĂ€ftemangel in vielen SchlĂŒsselbranchen verschĂ€rfen. 

FĂŒr Brunner ist die Reihenfolge der PrioritĂ€ten jedoch klar: «Wenn wir unseren BĂŒrgern wieder das GefĂŒhl geben, dass wir die illegale Migration unter Kontrolle haben, dann können wir auch besser ĂŒber legale Migration sprechen» Die letzten zehn Jahre habe die EuropĂ€ische Union keine Kontrolle gehabt, Regeln seien veraltet gewesen. «Wir mĂŒssen selbst entscheiden können, wer nach Europa kommt, und nicht die MenschenhĂ€ndler», betonte er. 

FlĂŒchtlinge auf ihrer Route in speziellen Lagern abfangen?

Um die Migrationslage in der EU weiter zu entspannen, will Brunner Asylsuchende etwa von den oft tödlichen Fluchtrouten ĂŒber das Mittelmeer abhalten und dafĂŒr die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ausbauen. So sind etwa spezielle Zentren entlang der FlĂŒchtlingsrouten angedacht - in einem diese Woche vorgestellten Strategiepapier «Mehrzweckzentren» genannt. 

Solche Zentren könnten nach Angaben der Kommission, Evakuierungen erleichtern, sich um die Unterbringung von Menschen in Not kĂŒmmern oder auch Migranten bei einer freiwilligen RĂŒckkehr in ihre Heimat unterstĂŒtzen.«Da geht es darum, in Drittstaaten auf der gesamten Route Möglichkeiten zu schaffen, damit Menschen sich nicht auf den gefĂ€hrlichen Weg machen», sagte Brunner. «Mehrzweck heißt, illegale Migration zu verhindern und legale zu unterstĂŒtzen.» 

FĂŒr ihre finanzielle UnterstĂŒtzung zur EindĂ€mmung unerwĂŒnschter Migration von nordafrikanischen Staaten wie etwa Ägypten steht die EU immer wieder in der Kritik. Das Land beherbergt nach Angaben der Vereinten Nationen derzeit etwa eine Million FlĂŒchtlinge aus KrisenlĂ€ndern, die teilweise versuchen, ĂŒber das Mittelmeer in die EU zu gelangen. Auch die libysche KĂŒstenwache erhĂ€lt EU-Gelder und wird gleichzeitig von Seenotrettern beschuldigt, Gewalt gegen Schutzsuchende anzuwenden. 

Syrien-Abschiebungen bisher nur eingeschrÀnkt möglich

In der Debatte um die RĂŒckkehr von Syrerinnen und Syrern sagte der EU-Migrationskommissar Brunner im dpa-Interview, dass Abschiebungen nach Syrien bis auf weiteres eingeschrĂ€nkt möglich seien. «Wir sind jetzt noch nicht so weit, was die StabilitĂ€t von Syrien anbelangt, dass wir im großen Stil Abschiebungen machen», sagte er. «Syrien ist noch kein sicheres Herkunftsland nach EU-Regeln. Wir unterstĂŒtzen, damit sich die Lage bessert und sich das Ă€ndert», fĂŒgte er hinzu.

Es gehe - außer bei StraftĂ€tern - daher zunĂ€chst um die freiwillige RĂŒckkehr in das vom BĂŒrgerkrieg gezeichnete Land. «Unsere Asylagentur hat uns gesagt, dass sich die Situation in Syrien verbessert.» Die EU-Grenzschutzbehörde Frontex habe daher bereits bei der freiwilligen RĂŒckkehr von tausenden Syrerinnen und Syrern unterstĂŒtzt.

Außenminister Johann Wadephul (CDU) hatte im Oktober unionsintern heftige Kritik auf sich gezogen, nachdem er bei einem Besuch in Syrien eine freiwillige RĂŒckkehr in großer Zahl angezweifelt hatte. Die CSU im Bundestag erklĂ€rte Anfang des Jahres hingegen in einem Beschlusspapier, fĂŒr die meisten Syrer mit vorĂŒbergehendem Bleiberecht entfalle nach dem Ende des BĂŒrgerkriegs in dem Land der Schutzgrund. 2026 mĂŒsse es eine Abschiebeoffensive geben - auch nach Syrien. Laut der deutschen Bundesregierung hielten sich Ende November ĂŒber 940.000 Syrerinnen und Syrer in Deutschland auf.

Brunner will möglichst schnell weg von deutschen Grenzkontrollen 

Bei einem weiteren umstrittenen Thema in der deutschen Innenpolitik Ă€ußerte sich Brunner zurĂŒckhaltend. Die Grenzkontrollen Deutschlands seien eine temporĂ€re Möglichkeit, die das Mitgliedsland hĂ€tte. «Unser Anliegen ist es natĂŒrlich, dass wir so schnell wie möglich von diesen Binnengrenzkontrollen wegkommen», sagte der EU-Kommissar. BrĂŒssel sei sowohl mit Bundeskanzler Friedich Merz (CDU) als auch mit Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) dazu im Kontakt. Die anstehenden Reformen in der EU-Migrationspolitik sollten nach Ansicht Brunners dafĂŒr sorgen, dass Deutschlands Situation eine andere sei. «Das sollte schrittweise natĂŒrlich zu einem Aufheben der Grenzkontrollen fĂŒhren», sagte Brunner.

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