Gaza-GesprÀche, Hoffnungen

Gaza-GesprÀche: Wenig Hoffnungen auf Durchbruch

15.08.2024 - 16:18:07

Gegenseitige Schuldzuweisungen und kaum Fortschritte: Das ist seit Monaten die Bilanz der GesprÀche um eine Waffenruhe in Gaza. In Doha beginnt - mit geringen Erwartungen - jetzt ein neuer Anlauf.

  • Doha: Schauplatz fĂŒr entscheidende GesprĂ€che im Gaza-Krieg. (Archivbild) - Foto: Federico Gambarini/dpa

    Federico Gambarini/dpa

  • Im Gaza-Krieg gibt es nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde mittlerweile mehr als 40.000 Tote. (Archivbild) - Foto: Abed Rahim Khatib/dpa

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  • Wirft Israel Blockade vor: Hamas-Sprecher Hamdan. (Archivbild) - Foto: Malak Harb/AP/dpa

    Malak Harb/AP/dpa

Doha: Schauplatz fĂŒr entscheidende GesprĂ€che im Gaza-Krieg. (Archivbild) - Foto: Federico Gambarini/dpaIm Gaza-Krieg gibt es nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde mittlerweile mehr als 40.000 Tote. (Archivbild) - Foto: Abed Rahim Khatib/dpaWirft Israel Blockade vor: Hamas-Sprecher Hamdan. (Archivbild) - Foto: Malak Harb/AP/dpa

Es ist erneut ein kritischer Moment im Nahen Osten: Spitzenvertreter der USA, Katars, Ägyptens sowie Israels verhandeln im Gaza-Krieg ĂŒber Schritte zu einer Waffenruhe und damit einer EntschĂ€rfung der Lage in der Region insgesamt. Die islamistische Hamas Ă€ußerte sich zum Auftakt der GesprĂ€che in Doha stark zurĂŒckhaltend. Sie nimmt nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur wie zuvor nicht direkt an den Verhandlungen teil, soll aber laufend ĂŒber deren Inhalt informiert werden. 

Bei den GesprÀchen geht es neben einer erneuten Waffenruhe um den Austausch von Geiseln gegen palÀstinensische HÀftlinge. Die Positionen von Hamas und Israel scheinen aber so weit auseinander, dass wenig Hoffnung auf einen Durchbruch besteht. 

Hamas will keine neuen Bedingungen aushandeln

Die Hamas werde keine neuen Bedingungen verhandeln, sagte Hamas-Sprecher Osama Hamdan der dpa. Bei den GesprĂ€chen in Doha dĂŒrfe es nur um die Umsetzung des von US-PrĂ€sident Joe Biden bereits im Mai vorgestellten Friedensplans gehen, nicht aber um dessen Details. Am Abend mehrten sich die Zeichen, dass die GesprĂ€che am Freitag fortgesetzt werden. Die Verhandlungen kommen seit Monaten nicht voran.

Der Druck ist noch gestiegen, weil nach der Tötung zweier wichtiger Gegner Israels ein möglicherweise schwerer Vergeltungsangriff des Iran sowie der Hisbollah im Libanon gegen Israel erwartet wird. Biden hatte schon im Mai von einem «entscheidenden Moment» gesprochen. Die Chancen, seinen in drei Phasen unterteilten Plan umzusetzen, gelten als gering. Die Vermittler USA, Katar und Ägypten bemĂŒhen sich seit Monaten, Israel und Hamas zu einer Waffenruhe wie zuletzt im vergangenen November zu bewegen.

Medien: Israel fordert Freilassung von 33 lebenden Geiseln

Aktuell soll Israel laut Berichten bei einer Waffenruhe die Freilassung von 33 lebenden Geiseln aus Gewalt der Hamas fordern. Darunter sollen Frauen und Kinder sein sowie Ältere und Kranke, berichtete die Zeitung «Jediot Achronot» unter Berufung auf israelische Beamte, die an den Verhandlungen beteiligt sind. Der von US-PrĂ€sident Biden vorgestellte Plan sieht solche Freilassungen in einer ersten Phase wĂ€hrend einer sechswöchigen Waffenruhe vor. Im Gegenzug wĂŒrden demnach in Israel inhaftierte PalĂ€stinenser freikommen - wie bei einem Ă€hnlichen Austausch wĂ€hrend der Waffenruhe im November.

Die Hamas hat nach israelischer ZĂ€hlung noch 115 Geiseln in ihrer Gewalt, von denen Israel 41 fĂŒr tot erklĂ€rt hat. Überdies dĂŒrften weitere Geiseln, deren Schicksal unbekannt ist, nicht mehr leben. Die «New York Times» hatte vor etwa drei Monaten berichtet, die Hamas habe UnterhĂ€ndler informiert, dass unter 33 Geiseln fĂŒr eine Freilassung in einem ersten Schritt auch Tote seien. Terroristen der Hamas und anderer Gruppen hatten am 7. Oktober 2023 im SĂŒden Israels rund 1.200 Menschen getötet und weitere 250 entfĂŒhrt.

Kontrolle des Philadelphi-Korridors bleibt ein Streitpunkt

Strittig ist weiterhin die Frage, wer Gaza etwa nach einem Abzug von Israels MilitĂ€r kontrollieren wird, darunter auch die wichtige Grenze zum Nachbarland Ägypten. Israels Generalstabschef Herzi Halevi erklĂ€rte beim Besuch des sogenannten Philadelphi-Korridors, die israelische Armee könne hier die Kontrolle behalten auch ohne stĂ€ndige PrĂ€senz und mit nur punktuellen VorstĂ¶ĂŸen. Die Hamas schmuggelte in diesem Gebiet nach israelischer Darstellung zuvor Waffen aus Ägypten nach Gaza, was Ägypten bestreitet. Die Hamas fordert fĂŒr eine Einigung einen kompletten Abzug Israels aus dem KĂŒstengebiet.

MilitĂ€risch habe Israel dort inzwischen alles erreicht, was möglich ist - so die EinschĂ€tzung hochrangiger US-Regierungsvertreter laut einem Bericht der «New York Times». Israels MilitĂ€r habe der Hamas schwer zugesetzt und habe wichtige Nachschubwege von Ägypten nach Gaza zerstört. Die Hamas sei stark geschwĂ€cht, Israel werde sie aber nie vollstĂ€ndig ausschalten können, so die EinschĂ€tzung. «Beide Seiten mĂŒssen Kompromisse eingehen», sagte John Kirby vom Nationalen Sicherheitsrat der USA dem Fernsehsender CNN.

Hamas-Behörde: Totenzahl im Gazastreifen ĂŒbersteigt 40.000

Der ranghohe Hamas-FunktionĂ€r Hamdan warf Israel vor, die Verhandlungen durch immer neue Bedingungen zu blockieren - etwa bei der Weigerung, sich vom Philadelphi-Korridor zurĂŒckzuziehen oder vom GrenzĂŒbergang Rafah. Israel «will keine Waffenruhe», sagte Hamdan. Trotz der BemĂŒhungen Katars, Ägyptens und der USA sei es den Vermittlern nicht gelungen, Druck auf Israel auszuĂŒben, sich an vorgelegte PlĂ€ne fĂŒr eine Waffenruhe zu halten.

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu wies zuletzt den Vorwurf zurĂŒck, neue Bedingungen gestellt und einen Deal so blockiert zu haben. Umgekehrt beschuldigte er die Hamas, neue Forderungen erhoben zu haben. Netanjahu will die Hamas im Gazastreifen militĂ€risch zerschlagen und sicherstellen, dass sie nicht mehr in der Lage ist, das seit vielen Jahren von Israel abgeriegelte KĂŒstengebiet zu regieren.

Israel hatte nach dem beispiellosen Terrorangriff der Hamas vom 7. Oktober mit verheerenden Angriffen im gesamten Gazastreifen begonnen. Die Zahl der Opfer stieg hier nach palĂ€stinensischen Angaben ĂŒber 40.000 Tote und 92.400 Verletzte. Die von der Hamas kontrollierte Gesundheitsbehörde unterscheidet bei den Zahlen nicht zwischen KĂ€mpfern und Zivilisten.

@ dpa.de