Ursula von der Leyen, Stephan Weil

EU und BundeslÀnder: Sorge um Europas WettbewerbsfÀhigkeit

06.09.2023 - 19:43:34

Gelingt es Europa angesichts wachsender Konkurrenz aus aller Welt, Klimaschutz und wirtschaftliche StÀrke zu vereinen? Die MinisterprÀsidenten der BundeslÀnder sehen Handlungsbedarf.

Die Regierungschefs und -chefinnen der BundeslÀnder wollen gemeinsam mit der EU nach Wegen suchen, die globale WettbewerbsfÀhigkeit der europÀischen Wirtschaft zu stÀrken.

Auf dem Weg zur KlimaneutralitĂ€t gehe es auch darum, deutsche und europĂ€ische StĂ€rken zu bewahren, «insbesondere im wirtschaftlichen Sektor», sagte Niedersachsens MinisterprĂ€sident Stephan Weil (SPD) bei einem Treffen der LĂ€nderchefs mit EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen am Abend in BrĂŒssel.

«Das wird die Aufgabe der nĂ€chsten Jahre sein: WettbewerbsfĂ€higkeit hinzukriegen», betonte auch Nordrhein-Westfalens MinisterprĂ€sident Hendrik WĂŒst (CDU). Niedersachsen hat den Vorsitz der MinisterprĂ€sidentenkonferenz (MPK) inne, Nordrhein-Westfalen hat den Co-Vorsitz.

Europa im wirtschaftspolitischen Umbruch

KommissionsprĂ€sidentin von der Leyen erklĂ€rte, Europa sei in einem wirtschaftspolitischen Umbruch. «Die Herausforderung ist groß. Aber wir wollen zeigen, dass Naturschutz, Klimaschutz und Wachstum Hand in Hand gehen», sagte die CDU-Politikerin. Auch andere Regionen der Welt seien jedoch dabei, saubere und erneuerbare Technologien nach vorne zu bringen. «Wer zuerst diese Technologien hat, der wird die Nase vorne haben», sagte von der Leyen. «Vor allen Dingen mĂŒssen wir schneller werden», forderte sie mit Blick auf langwierige Genehmigungsverfahren.

«Tempo statt Stillstand» hatte wenige Stunden zuvor auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) gefordert, als er LĂ€ndern, Kommunen sowie der Opposition im Bundestag - mit Ausnahme der AfD - einen «Deutschland-Pakt» vorschlug. FDP-Fraktionschef Christian DĂŒrr rief die LĂ€nderchefs daraufhin auf, sich bereits bei ihrem Treffen in BrĂŒssel zu diesem Vorhaben zu bekennen. «Ich wĂŒrde mir wĂŒnschen, dass von der MinisterprĂ€sidentenkonferenz in BrĂŒssel ein Signal fĂŒr eine gemeinsame Modernisierung unseres Landes ausgeht», sagte DĂŒrr den Zeitungen der Mediengruppe Bayern.

Niedersachsens Regierungschef Weil erklĂ€rte, die LĂ€nder stĂŒnden schon lange fĂŒr einen Beschleunigungspakt bereit. «Ich verstehe die heutige ErklĂ€rung des Bundeskanzlers als das dafĂŒr notwendige Startsignal», sagte der SPD-Politiker. Dabei gehe es nicht nur um die Infrastruktur. «Genau genommen ist Deutschland in fast allen gesellschaftlichen Bereichen ĂŒberreguliert, zum Ärger von BĂŒrgerinnen und BĂŒrgern, Unternehmerinnen und Unternehmern», sagte Weil.

Weitere Beratungen am Donnerstag

Der niedersĂ€chsische Regierungschef warb vor seiner Abfahrt nach BrĂŒssel zudem erneut fĂŒr einen vergĂŒnstigten Industriestrompreis, von dem besonders energieintensive Unternehmen profitieren sollen. «Unter den gegebenen UmstĂ€nden werden viele Branchen – Chemie, Stahl, Glas, Papier, Keramik und manche anderen mehr – wirklich große Probleme haben. Da droht ein echter Schaden fĂŒr unser Land», warnte Weil.

Neben der Wirtschaftspolitik soll es bei dem Treffen der LĂ€nderchefs unter anderem auch um die Aufnahme und Verteilung von FlĂŒchtlingen und den Umgang mit dem Wolf gehen. Der Deutsche Bauernverband forderte die MinisterprĂ€sidenten auf, sich bei von der Leyen dafĂŒr einzusetzen, den Schutzstatus des Wolfes im EU-Recht herabzustufen.

Am Donnerstag werden die Beratungen in BrĂŒssel fortgesetzt. Unter anderem treffen die Regierungschefs dann die EU-Kommissionsmitglieder Maros Sefcovic (Klima), Margaritis Schinas (Migration), Kadri Simson (Energie) und Virginijus Sinkevicius (Umwelt).

@ dpa.de