FachkrÀfte, Deutschland

Baerbock und Heil in Brasilien auf Werbetour um PflegekrÀfte

05.06.2023 - 05:15:26

Gemeinsam besuchen die Außenministerin und der Arbeitsminister das einwohnerstĂ€rkste Land Lateinamerikas. Doch am ersten Tag steht nicht die klassische Außenpolitik im Mittelpunkt.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil und Außenministerin Annalena Baerbock sehen gute Chancen, die Anwerbung qualifizierter PflegekrĂ€fte aus Brasilien weiter anzukurbeln. «Brasilianische PflegekrĂ€fte und kolumbianische Elektriker finden in Deutschland bereits offene Arme. Diese Partnerschaft wollen wir ausbauen», sagte Baerbock ĂŒber den heute beginnenden gemeinsamen Besuch in der brasilianischen Hauptstadt Brasilia.

Heil erklĂ€rte, man wolle «in Brasilien fĂŒr Deutschland als attraktiven Standort mit guten Arbeits- und Lebensbedingungen werben».

Baerbock (GrĂŒne) und Heil (SPD) waren gestern am spĂ€ten Abend (Ortszeit) nach einem mehr als elfstĂŒndigen und knapp 10.000 Kilometer langen Flug in dem mit etwa 215 Millionen Menschen einwohnerstĂ€rksten Land Lateinamerikas eingetroffen. Brasilien ist das einzige Land in der Region, mit dem Deutschland seit 2008 durch eine strategische Partnerschaft verbunden ist. Es ist zudem wichtigster Handelspartner Deutschlands in SĂŒdamerika.

Heil: Können Win-win-win-Situation schaffen

Besonders in qualifizierten Pflegeberufen sei der Bedarf an FachkrĂ€ften in Deutschland groß, wĂ€hrend es in Brasilien einen Überhang an gut ausgebildeten PflegekrĂ€ften gebe, sagte Heil vor der Abreise. «Daraus können wir eine klassische Win-win-win-Situation schaffen, bei der alle profitieren.» Deutschland bekomme qualifizierte FachkrĂ€fte. Brasilien profitiere, «etwa indem wir uns in der Ausbildung vor Ort engagieren». Die Arbeitslosenquote bei Pflegerinnen und Pflegern liege in Basilien bei zehn Prozent.

Der Arbeitsminister wollte heute bei einem Termin in einer AusbildungsstĂ€tte fĂŒr Pflegeberufe der Katholischen UniversitĂ€t Brasilia (UCB), einem Treffen mit seinem brasilianischen Kollegen Luis Marinho und einem Besuch bei der brasilianischen Pflegekammer Cofen ĂŒber den Ausbau der Anwerbung von PflegekrĂ€ften sprechen. Nach Angaben Heils arbeiten derzeit bereits bis zu 200 brasilianische PflegekrĂ€fte in Deutschland.

Die UCB ist die zweitgrĂ¶ĂŸte Hochschule in der Hauptstadt. In einem vierjĂ€hrigen Studiengang werden PflegekrĂ€fte mit Bachelor-Abschluss ausgebildet. Mit Marinho war die Unterzeichnung einer gemeinsamen ErklĂ€rung zu Arbeitnehmerrechten, zur sozialen Verantwortung von Unternehmen und zu Lieferketten geplant.

Bundesagentur betreut mehr als 370 brasilianische Pflege-Bewerber

Die Bundesagentur fĂŒr Arbeit (BA) hat mit der Pflegekammer Cofen im Juni 2022 eine Absprache zur Vermittlung von PflegefachkrĂ€ften unterzeichnet. Die Kammer hat rund 2,5 Millionen Mitglieder. In dem Abkommen stehen Regeln zur Bewerberauswahl, zum Vermittlungsprozess, zum Spracherwerb und zur Anerkennung beruflicher Qualifikationen.

FĂŒr Gesundheitsberufe bestehen bei der Anerkennung in Deutschland nach Angaben der Bundesregierung gute Aussichten. In der Regel seien aber Anpassungsqualifizierungen nötig. FĂŒr eine vollstĂ€ndige Anerkennung dauerten derartige Maßnahmen oft drei bis acht Monate.

Die BA rekrutiert seit 2018 brasilianische FachkrĂ€fte fĂŒr den deutschen Arbeitsmarkt. Derzeit betreut sie nach eigenen Angaben 374 Bewerber aus Pflegeberufen, 43 aus technischen und Handwerksberufen sowie 42 aus Ingenieur- und IT-Berufen. Laut Heil hĂ€lt die BA die Anwerbung von bis zu 700 PflegekrĂ€ften pro Jahr fĂŒr möglich.

Wie steht Baerbock zu Lulas «Friedensclub»-PlÀnen?

FĂŒr Baerbock dĂŒrften bei ihren GesprĂ€chen das VerhĂ€ltnis der Gastgeber zum russischen PrĂ€sidenten Wladimir Putin im Angriffskrieg auf die Ukraine sowie die Themen Klima und Umwelt im Mittelpunkt stehen. Neben einem Treffen mit dem außenpolitischen Berater von PrĂ€sident Luiz InĂĄcio Lula da Silva, dem frĂŒheren Verteidigungs- und Außenminister Celso Amorim, stehen fĂŒr sie Termine mit VizeprĂ€sident und Industrieminister Geraldo Alckmin, der Vize-Außenministerin Maria Laura da Roche sowie Umweltministerin Marina Silva auf dem Programm. Außenminister Mauro Vieira ist aktuell nicht im Land.

Baerbock setzt trotz unterschiedlicher Akzente gegenĂŒber Moskau auf brasilianische UnterstĂŒtzung bei den BemĂŒhungen um ein Ende des russischen Angriffs auf die Ukraine. Die Regierung unter Lula wolle «Brasiliens starke Stimme bei der Lösung der drĂ€ngendsten globalen Herausforderungen einbringen», sagte sie. «Dabei verbindet uns der feste Glaube, dass es Wohlstand nur geben kann, wenn Freiheit und Frieden herrschen - auch wenn wir, wie zuletzt beim russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, unterschiedliche Blickwinkel haben.»

Lula hat sich angesichts der russischen Aggression bisher nicht klar an die Seite der Ukraine gestellt. Er macht sich fĂŒr eine internationale Vermittlung durch einen «Friedensclub» stark, zu dem neben Brasilien auch Indien, Indonesien und China gehören sollen. Bei einem China-Besuch im April hatte Lula mit Kritik an der MilitĂ€rhilfe der Nato und anderer LĂ€nder fĂŒr die Ukraine fĂŒr erhebliche Irritationen in den USA und Europa gesorgt.

@ dpa.de