Papst, GĂ€nswein

Papst hÀlt GÀnswein «Mangel an Menschlichkeit» vor

02.04.2024 - 13:50:57

Georg GĂ€nswein war stets an der Seite des ehemaligen Papstes. Am Tag der Beerdigung von Benedikt XVI. veröffentlichte der Erzbischof ein Buch. Das sorgt fĂŒr Kritik.

Papst Franziskus hat dem langjÀhrigen Vertrauten seines verstorbenen VorgÀngers Benedikt XVI., dem deutschen Erzbischof Georg GÀnswein, einen «Mangel an Menschlichkeit» vorgeworfen. In einem neuen Buch mit Interviews, das am Mittwoch auf Spanisch erscheint, hielt der 87-JÀhrige Benedikts ehemaligem PrivatsekretÀr vor, den deutschen Papst «benutzt» zu haben.

Damit bezog er sich darauf, dass GĂ€nswein unmittelbar nach Benedikts Tod an Silvester 2022 ein Buch veröffentlicht hatte. Im vergangenen Jahr hatte Franziskus den Erzbischof nach vielen Jahren in Rom zurĂŒck nach Deutschland versetzt, ohne ihm eine neue Aufgabe zu geben.

In dem Interviewbuch «El Sucesor» («Der Nachfolger») des spanischen Vatikan-Korrespondenten Javier Martínez-Brocal warf der Papst GÀnswein auch vor, Unwahrheiten verbreitet zu haben. «Das ist sehr traurig», sagte das Oberhaupt von weltweit 1,4 Milliarden Katholiken. «Aber es hat mich verletzt, dass Benedikt benutzt wurde. Das Buch wurde am Tag der Beerdigung veröffentlicht, was ich als einen Mangel an Noblesse und Menschlichkeit empfand.» Das VerhÀltnis zwischen dem argentinischen Papst und GÀnswein (67) gilt bereits seit vielen Jahren als belastet.

«Es wÀre besser gewesen zu schweigen»

GĂ€nswein hatte sich nach Benedikts RĂŒcktritt 2013 fast zehn Jahre lang als engster Vertrauter um den emeritierten Pontifex gekĂŒmmert. Gleich nach dessen Tod veröffentlichte er ein Buch unter dem Titel «Nichts als die Wahrheit», das es in Deutschland kurzzeitig auf Platz eins der Sachbuch-Bestsellerliste schaffte.

Auch von anderer Seite gab es jedoch bereits viel Kritik. So meinte beispielsweise der deutsche Kurienkardinal Walter Kasper: «Es wĂ€re besser gewesen zu schweigen.» Nach dem Abschied aus Rom lebt der gebĂŒrtige SchwarzwĂ€lder GĂ€nswein nun wieder in seinem Heimatbistum Freiburg.

In dem Interviewbuch berichtet Franziskus - mit bĂŒrgerlichem Namen Jorge Mario Bergoglio - auch ĂŒber das Konklave 2005, bei dem der damalige Kurienkardinal Joseph Ratzinger als erster Deutscher seit vielen Jahrhunderten zum Papst gewĂ€hlt wurde. Demnach hatten einige andere KardinĂ€le damals den Plan, Ratzingers Wahl zu blockieren, indem sie Bergoglio gegen ihn in Stellung bringen und dann aber einen anderen Kandidaten durchsetzen wollten. Der damalige Erzbischof von Buenos Aires erhielt seinerzeit im Konklave auch 40 von 115 Stimmen. Dann erklĂ€rte er jedoch seinen Verzicht, sodass der Weg fĂŒr Ratzinger frei war. Nach Benedikts RĂŒcktritt 2013 wurde Bergoglio dann zum Nachfolger gewĂ€hlt.

@ dpa.de