Georgiens, PrÀsidentin

Georgiens PrÀsidentin fordert Neuwahl des Parlaments

01.12.2024 - 21:36:29

Die Proteste gegen die Regierung von Georgien wegen ihrer umstrittenen Abwendung vom EU-Kurs und angeblicher WahlfÀlschung gehen weiter. PrÀsidentin Surabischwili fordert Neuwahlen.

Georgiens proeuropĂ€isch gesinnte PrĂ€sidentin Salome Surabischwili hat angesichts der Massenproteste im Land eine Neuwahl des Parlaments gefordert. Nach den VorwĂŒrfen der WahlfĂ€lschung und der Abwendung der Regierung vom Kurs in Richtung EU mĂŒsse der Weg zu einer neuen Abstimmung gefunden werden. «Wir haben nur eine Forderung, die auf der Verfassung beruht, nachdem die Wahlen gefĂ€lscht wurden», sagte sie bei einem Treffen mit Vertretern der Opposition. «Der einzige Weg zu StabilitĂ€t fĂŒhrt ĂŒber Neuwahlen, einen anderen Weg gibt es nicht.»

Sie warf zugleich dem Verfassungsgericht der Kaukasusrepublik vor, noch nicht einmal ein Datum zur PrĂŒfung des von ihr eingereichten Vorwurfs der WahlfĂ€lschung festgelegt zu haben.

Erneut Tausende zu Protesten im Zentrum Tiflis 

In der Hauptstadt Tiflis (Tbilissi) und in einer Reihe von anderen StĂ€dten Georgiens kamen am Abend erneut Tausende Menschen zusammen, um ihre Proteste gegen die Regierung fortzusetzen. In Tiflis zog die Polizei erneut starke KrĂ€fte fĂŒr einen möglichen Einsatz gegen die Demonstranten zusammen. Nach einem Bericht der Agentur Interpressnews setzte die Polizei bereits sporadisch Wasserwerfer ein, um die Demonstranten vom ParlamentsgebĂ€ude zurĂŒckzudrĂ€ngen.

In Tiflis war es zuvor in der dritten Nacht in Folge zu gewaltsamen ZusammenstĂ¶ĂŸen zwischen Polizei und regierungskritischen Demonstranten gekommen. Nach Berichten georgischer Medien setzten die Beamten Wasserwerfer und TrĂ€nengas ein, die Demonstranten beschossen die Polizei mit Feuerwerkskörpern.

Hintergrund der Proteste ist die von FĂ€lschungsvorwĂŒrfen ĂŒberschattete Parlamentswahl Ende Oktober. Die Wahlkommission hatte die Regierungspartei Georgischer Traum mit rund 54 Prozent der Stimmen zur Siegerin erklĂ€rt. Die Opposition erkennt die Ergebnisse nicht an und weigert sich, ihre Mandate anzunehmen. 

Surabischwili hatte am Samstagabend erklÀrt, sie werde vorerst im Amt bleiben, da ein illegitimes Parlament keinen legitimen PrÀsidenten wÀhlen könne. Ihre Amtszeit endet eigentlich Mitte Dezember. Ihr Nachfolger soll erstmals nicht direkt vom Volk gewÀhlt, sondern von Abgeordneten des Parlaments und regionalen Vertretern ernannt werden.

Befeuert wurden die Proteste von Regierungschef Irakli Kobachidse, der am Donnerstag erklÀrt hatte, die Beitrittsverhandlungen mit der EU, der er Einmischung und Erpressung vorwarf, bis 2028 auf Eis zu legen. Die Mehrheit der Bevölkerung will Umfragen zufolge in die EU. Der Beitritt ist auch in der Verfassung als Ziel festgeschrieben.

Von der Leyen: TĂŒr zur EU bleibt offen

EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen hĂ€lt Georgien trotz der Abkehr der dortigen Regierung vom Kurs in Richtung Europa die TĂŒr zur EuropĂ€ischen Union offen. In einer Mitteilung auf der Plattform X bedauerte sie am Sonntag die Entscheidung der Regierung gegen die EU und ihre Werte. Doch die EU stehe an der Seite der Georgier und deren Entscheidung fĂŒr eine europĂ€ische Zukunft, schrieb sie mit Blick auf die tagelangen Massenproteste.

«Die TĂŒr zur EU bleibt offen», betonte von der Leyen. «Die RĂŒckkehr Georgiens auf den Weg zur EU liegt in den HĂ€nden der georgischen FĂŒhrung.»

@ dpa.de