PalÀstinensische Gebiete, Israel

Israel zunehmend isoliert: Paris will PalÀstina anerkennen

22.09.2025 - 03:02:45

Gestern Großbritannien, heute Frankreich: Immer mehr westliche LĂ€nder erkennen einen Staat PalĂ€stina an. Dieser Schritt hat zunĂ€chst einmal in erster Linie symbolische Bedeutung.

  • Hunderttausende Menschen sind bereits aus der Stadt Gaza geflohen.  - Foto: Abdel Kareem Hana/AP/dpa

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  • Erneut greift Israel Ziele im Libanon an. (Archivbild) - Foto: STR/dpa

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  • Israel setzt den Krieg gegen die Hamas im Gazastreifen fort.  - Foto: Ohad Zwigenberg/AP/dpa

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  • Angesichts des bald zwei Jahre dauernden Gaza-Kriegs will unter anderem Frankreich einen Staat PalĂ€stina anerkennen. (Archivbild) - Foto: Jehad Alshrafi/AP/dpa

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  • Netanjahu ist ĂŒber die Anerkennung erbost. (Archivbild) - Foto: Debbie Hill/Pool UPI/dpa

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  • Vor dem Start der UN-Generalversammlung gibt es eine Konferenz zur Zweistaatenlösung. (Archivbild) - Foto: Loey Felipe/UN Photo/Handout via Xinhua/dpa

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  • Israel treibt den Siedlungsausbau im Westjordanland voran. (Archivbild) - Foto: Ohad Zwigenberg/AP/dpa

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Hunderttausende Menschen sind bereits aus der Stadt Gaza geflohen.  - Foto: Abdel Kareem Hana/AP/dpaErneut greift Israel Ziele im Libanon an. (Archivbild) - Foto: STR/dpaIsrael setzt den Krieg gegen die Hamas im Gazastreifen fort.  - Foto: Ohad Zwigenberg/AP/dpaAngesichts des bald zwei Jahre dauernden Gaza-Kriegs will unter anderem Frankreich einen Staat PalĂ€stina anerkennen. (Archivbild) - Foto: Jehad Alshrafi/AP/dpaNetanjahu ist ĂŒber die Anerkennung erbost. (Archivbild) - Foto: Debbie Hill/Pool UPI/dpaVor dem Start der UN-Generalversammlung gibt es eine Konferenz zur Zweistaatenlösung. (Archivbild) - Foto: Loey Felipe/UN Photo/Handout via Xinhua/dpaIsrael treibt den Siedlungsausbau im Westjordanland voran. (Archivbild) - Foto: Ohad Zwigenberg/AP/dpa

Knapp zwei Jahre nach Beginn des Gaza-Kriegs zwischen Israel und der Terrororganisation Hamas wollen heute kurz vor dem Start der UN-Generaldebatte weitere westliche Staaten einen palĂ€stinensischen Staat anerkennen. Unter anderem Frankreich hat angedeutet, den - zunĂ€chst vor allem symbolischen - Schritt gegen den Willen Israels gehen zu wollen. Dann hĂ€tten einschließlich Russland, Großbritannien und China vier der fĂŒnf UN-VetomĂ€chte einen Staat PalĂ€stina anerkannt - einzig die USA nicht. Auch Deutschland lehnt eine Anerkennung zu diesem Zeitpunkt ab. 

Heute, am Vorabend der UN-Generaldebatte in New York, beginnt eine von Frankreichs PrÀsidenten Emmanuel Macron mitveranstaltete Konferenz zur Zweistaatenlösung (ab 21.00 Uhr MESZ). Macron bestÀtigte in einem am Sonntag veröffentlichten Interview des US-Senders CBS News die Absicht seines Landes, heute einen palÀstinensischen Staat anzuerkennen. Zugleich erklÀrte er, dass die Freilassung der Geiseln in Gaza eine Voraussetzung sei, «bevor beispielsweise eine Botschaft in PalÀstina eröffnet wird». 

Rund 75 Prozent der UN-Mitgliedssaaten erkennen Staat PalÀstina an

Am Sonntag hatten als erste der wirtschaftsstarken westlichen G7-Staaten Großbritannien und Kanada einen palĂ€stinensischen Staat anerkannt, darĂŒber hinaus auch Australien und Portugal. Nun wollen neben Frankreich unter anderem auch Belgien, Neuseeland, Luxemburg und San Marino diesen Schritt gehen - was die Isolation Israels weiter vorantreibt. Weltweit haben bereits knapp 150 der 193 UN-Mitgliedstaaten einen palĂ€stinensischen Staat anerkannt. Mithilfe der Anerkennung soll neuer Schwung fĂŒr eine Zweistaatenlösung und ein Ende des Kriegs geschaffen werden. 

Eine Waffenruhe ist allerdings derzeit nicht in Sicht: Nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums in Gaza wurden bei israelischen Angriffen allein am Sonntag mehr als 70 Menschen getötet und mehr als 300 verletzt. Die jĂŒngste Bodenoffensive Israels in der Stadt Gaza hat Hunderttausende Menschen zur Flucht gezwungen.

Mit der Zweistaatenlösung ist die Errichtung eines unabhĂ€ngigen palĂ€stinensischen Staates gemeint, der friedlich Seite an Seite mit Israel existieren soll. Dieses Modell gilt als das international anerkannte Ziel fĂŒr eine Lösung des Nahost-Konflikts. Deutschland setzt daher weiterhin auf eine Verhandlungslösung - auch wenn alle Versuche einer friedlichen Einigung bisher gescheitert sind. Die USA als Israels engster VerbĂŒndeter lehnen eine Anerkennung zu diesem Zeitpunkt ebenfalls ab.

Netanjahu: Es wird keinen palÀstinensischen Staat geben

Der israelische MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu bezeichnete die Anerkennung eines palĂ€stinensischen Staates als «enorme Belohnung» fĂŒr Terror nach dem Massaker in Israel am 7. Oktober 2023. Er sagte nach Angaben seines BĂŒros: «Es wird keinen palĂ€stinensischen Staat westlich des Jordan-Flusses geben.» Westlich des Jordan-Flusses liegen Israel, das Westjordanland und der Gazastreifen. 

Ähnlich reagierte PrĂ€sident Izchak Herzog. Geholfen werde durch die Anerkennung keinem einzigen PalĂ€stinenser, sie werde nicht zur Befreiung einer einzigen Geisel beitragen und nicht dabei helfen, eine Einigung zwischen Israelis und PalĂ€stinensern zu erzielen. «Dies ist ein trauriger Tag fĂŒr alle, die nach echtem Frieden streben», schrieb er auf X.

Ultrarechte israelische Politiker wie Finanzminister Bezalel Smotrich und Polizeiminister Itamar Ben-Gvir verurteilten die Anerkennung ebenfalls scharf. Als Gegenmaßnahme forderten sie eine Annexion des besetzten Westjordanlands. Netanjahus rechtskonservative Regierung lehnt eine Zweistaatenlösung als eine Gefahr fĂŒr die Existenz Israels strikt ab.

Der palĂ€stinensische PrĂ€sident Mahmud Abbas bedankte sich dagegen und sprach von einem «wichtigen und notwendigen Schritt in Richtung eines gerechten und dauerhaften Friedens». Aus palĂ€stinensischer Sicht ist gerade die Entscheidung mehrerer fĂŒhrender westlicher Staaten von besonderer Bedeutung. 

Anerkennung de facto eher symbolisch

Netanjahus Regierung treibt den Siedlungsausbau im Westjordanland und in Ost-Jerusalem stetig voran. In den Gebieten leben mehr als 700.000 Siedler neben rund drei Millionen PalĂ€stinensern. Die PalĂ€stinenser beanspruchen sie ebenso wie den Gazastreifen fĂŒr ihren eigenen Staat. Durch Israels fortschreitende Besiedlung bliebe davon jedoch schon heute nur ein «Flickenteppich» ĂŒbrig. Insofern kommt der Vorstoß der westlichen LĂ€nder de facto einer eher symbolischen Anerkennung eines Staates ohne Land gleich. 

Auch die Hamas, die 2007 gewaltsam die alleinige Kontrolle im Gazastreifen an sich gerissen hatte, lehnt eine Zweistaatenlösung ab. Sie will Israel zerstören und stattdessen einen islamischen Staat auf dem gesamten Gebiet des historischen PalÀstina errichten.

Dramatische humanitÀre Krise im Gazastreifen

Der Krieg im Gazastreifen hatte mit dem beispiellosen Überfall der Hamas und weiterer islamistischer Terroristen auf Israel am 7. Oktober 2023 begonnen. Dabei wurden rund 1.200 Menschen getötet und mehr als 250 in den Gazastreifen verschleppt. Nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums in Gaza wurden im Kriegsverlauf bereits mehr als 65.000 PalĂ€stinenser getötet, darunter zahlreiche Frauen und Kinder.

Im Gazastreifen, in dem rund zwei Millionen PalĂ€stinenser leben, herrscht Hilfsorganisationen zufolge inzwischen eine dramatische humanitĂ€re Krise. JĂŒngst startete Israel auch eine höchst umstrittene Bodenoffensive in der Stadt Gaza, in der Hunderttausende PalĂ€stinenser leben. Ziel ist es laut Regierungsangaben, dort eine der letzten Hamas-Hochburgen zu zerschlagen und die Freilassung der Geiseln zu erzielen. Im Gazastreifen befinden sich noch 48 Geiseln. Nach israelischen Informationen dĂŒrften 20 von ihnen noch leben.

FĂŒnf Tote bei israelischem Angriff im Libanon

Bei einem israelischen Angriff im SĂŒden des Libanons wurden am Sonntagabend nach libanesischen Angaben fĂŒnf Menschen getötet, darunter drei Kinder. Zwei weitere Personen seien bei dem Vorfall in Bint Dschubail verletzt worden, teilte das libanesische Gesundheitsministerium mit. Ein Sprecher der israelischen Armee teilte mit, man habe ein Mitglied der libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah «ausgeschaltet». 

Seit Ende November gilt zwischen Israel und der Hisbollah eine Waffenruhe. Beide Seiten werfen sich regelmĂ€ĂŸig VerstĂ¶ĂŸe vor. Israel greift nahezu tĂ€glich weiter im Nachbarland an. Die Vereinbarung sieht auch vor, dass sich die Hisbollah hinter den Litani-Fluss etwa 30 Kilometer nördlich der israelisch-libanesischen Grenze zurĂŒckzieht. Bint Dschubail liegt in der NĂ€he der Grenze und weit sĂŒdlich des Flusses.

@ dpa.de