Grönland-Abkommen: Trump erhÀlt mehr US-MilitÀrprÀsenz in der Arktis
Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 19:21 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie USA, DĂ€nemark und Grönland haben ein Abkommen fĂŒr eine vertiefte Sicherheitspartnerschaft unterzeichnet, das den Streit um die Arktisinsel vorlĂ€ufig beilegen soll.
Neue Verteidigungsgebiete vorgesehen
Die Vereinbarung modernisiert und ergĂ€nzt das seit 1951 bestehende Verteidigungsabkommen zwischen DĂ€nemark und den USA. Sie hat kein Ablaufdatum. Die USA dĂŒrfen die bestehende Pituffik Space Base modernisieren und ihre AktivitĂ€ten dort erweitern.
ZusÀtzlich sollen zwei Verteidigungsgebiete in Narsarsuaq und Mestersvig entstehen können. Weitere MilitÀrbasen wÀren möglich, wenn alle drei Parteien zustimmen.
Freie Bewegungen fĂŒr US-StreitkrĂ€fte
DĂ€nemark und Grönland rĂ€umen den US-StreitkrĂ€ften groĂe Bewegungsfreiheit zu Land, zu Wasser und in der Luft ein. Dabei sollen die grönlĂ€ndische Kultur und Gesellschaft sowie Jagd und Fischerei respektiert werden. DĂ€nemark verpflichtet sich auĂerdem, seine PrĂ€senz in der Arktis auszubauen.
Nicht-Nato-Staaten dĂŒrfen ohne Genehmigung der drei Parteien keine eigenen MilitĂ€ranlagen in Grönland errichten und dort keine dauerhafte TruppenprĂ€senz unterhalten. Auch Investitionen aus Staaten auĂerhalb von Nato, EU und den jeweiligen Partnern sollen stĂ€rker begrenzt beziehungsweise geprĂŒft werden.
Parlamentarische Zustimmung steht noch aus
In Kraft tritt der Deal erst, wenn die notwendigen parlamentarischen Verfahren des dÀnischen Königreichs gemeinsam mit Grönland abgeschlossen sind. Seit 1951 gibt es bereits ein Verteidigungsabkommen zwischen den USA und DÀnemark, das 2004 ergÀnzt wurde und Washington weitreichende Nutzungs-, Flug- und Seeverkehrsrechte einrÀumt.
Die USA sind seit dem Zweiten Weltkrieg militĂ€risch auf der Insel prĂ€sent. Derzeit betreiben sie dort nur die Pituffik Space Base, die auf Raketenabwehr und WeltraumĂŒberwachung ausgerichtet ist.
Trump stellt Abkommen als Erfolg dar
US-PrĂ€sident Donald Trump kann den Deal als auĂenpolitischen Erfolg prĂ€sentieren. Zugleich steht er innenpolitisch wegen des zĂ€h verlaufenden Iran-Kriegs unter Druck. Bei den wichtigen US-Parlamentswahlen in gut sechs Wochen wollen die Republikaner ihre knappen Mehrheiten im ReprĂ€sentantenhaus und im Senat verteidigen.
Trump und AuĂenminister Marco Rubio begrĂŒnden das amerikanische Interesse vor allem mit der wachsenden Bedeutung der Arktis und dem Einfluss Chinas und Russlands. Rubio sagte, die USA mĂŒssten verhindern, dass auslĂ€ndische Unternehmen eines Tages HĂ€fen oder andere wichtige Bereiche in Grönland kontrollierten.
Grönland bleibt souverÀn
FĂŒr Grönland wird die Vereinbarung als Schutz der eigenen SouverĂ€nitĂ€t beschrieben. Regierungschef Jens-Frederik Nielsen sagte, es handle sich nicht nur um eine Vereinbarung ĂŒber Grönland, sondern um eine Vereinbarung mit Grönland.
Das Vertrauen in die USA ist durch Trumps frĂŒhere Drohungen jedoch belastet. Bewohner des möglichen Standorts Narsarsuaq Ă€uĂerten sich kritisch zu einer US-MilitĂ€rprĂ€senz in ihrer Umgebung. DĂ€nemark gewinnt mit dem Abkommen Zeit und beendet vorlĂ€ufig die diplomatische Krise mit Washington.
Nato soll stÀrker eingebunden werden
Die drei Parteien unterstĂŒtzen laut Vereinbarung ein stĂ€rkeres Nato-Engagement in der Arktis. Dazu zĂ€hlen Planung, PrĂ€senz, Ăbungen und gemeinsame Nachrichtengewinnung. Nato-GeneralsekretĂ€r Mark Rutte erklĂ€rte, die Vereinbarung stĂ€rke gemeinsam mit der wachsenden Rolle des BĂŒndnisses die Sicherheit in der strategisch wichtigen Region.
Arktis wird zum strategischen Schwerpunkt
Das Abkommen fĂ€llt in eine Phase, in der die Arktis fĂŒr militĂ€rische FrĂŒhwarnung, Schifffahrtswege und den Zugang zu Rohstoffen an Bedeutung gewinnt. Die USA verfĂŒgen mit der Pituffik Space Base bereits ĂŒber einen Standort, der Raketenabwehr und WeltraumĂŒberwachung unterstĂŒtzt. Die neue Vereinbarung schafft zusĂ€tzliche rechtliche Möglichkeiten fĂŒr Infrastruktur und Truppenbewegungen, ohne Grönland formal aus dem dĂ€nischen Königreich zu lösen.
FĂŒr Washington ist der Ausschluss nicht-nordatlantischer MilitĂ€r- und InvestitionsaktivitĂ€ten besonders relevant. Damit sollen vor allem strategische AbhĂ€ngigkeiten verhindert werden, die durch Hafenprojekte, Rohstoffvorhaben oder andere kritische Infrastruktur entstehen könnten. Die Regelung verbindet klassische Verteidigungspolitik mit wirtschaftlicher Sicherheitsvorsorge.
SouverÀnitÀt bleibt, politische Spannungen bleiben möglich
Grönland erhĂ€lt durch die Beteiligung an den Verhandlungen und die Mitunterzeichnung mehr Einfluss auf Sicherheitsfragen, bleibt aber von den parlamentarischen Verfahren des dĂ€nischen Königreichs abhĂ€ngig. Die im Abkommen zugesagten RĂŒcksichten auf Jagd, Fischerei und die grönlĂ€ndische Gesellschaft sind deshalb fĂŒr die praktische Umsetzung zentral.
FĂŒr DĂ€nemark entschĂ€rft der Deal den offenen Konflikt mit Washington und stĂ€rkt zugleich die eigene Verpflichtung zu mehr PrĂ€senz in der Arktis. FĂŒr die Nato bedeutet die Vereinbarung eine engere Verzahnung von US-amerikanischen FĂ€higkeiten und europĂ€ischer Verantwortung. Politisch wird entscheidend sein, ob die militĂ€rische Ausweitung als gemeinsamer Schutz oder als EinschrĂ€nkung grönlĂ€ndischer Interessen wahrgenommen wird.
