Schöne, Bilder

Schöne Bilder fĂŒr Putin mit Trump - aber keine Waffenruhe

16.08.2025 - 04:54:53

Große Bilder statt Durchbruch: Trump bietet Putin beim Treffen in Alaska eine symboltrĂ€chtige BĂŒhne - und macht den vom Westen isolierten Kremlchef zum Staatsmann auf Augenhöhe.

  • FĂŒr Putin war das Treffen mit Trump ein Triumph in Bildern. - Foto: Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa

    Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa

  • Die beiden PrĂ€sidenten sprachen in Alaska rund drei Stunden miteinander. - Foto: Jae C. Hong/AP/dpa

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FĂŒr Putin war das Treffen mit Trump ein Triumph in Bildern. - Foto: Julia Demaree Nikhinson/AP/dpaDie beiden PrĂ€sidenten sprachen in Alaska rund drei Stunden miteinander. - Foto: Jae C. Hong/AP/dpa

Die Erwartungen an das Gipfeltreffen von Kremlchef Wladimir Putin und US-PrĂ€sident Donald Trump waren riesig. Doch nach dem fast dreistĂŒndigen GesprĂ€ch in Alaska blieb bei der Frage nach Ergebnissen zunĂ€chst vor allem eins ĂŒbrig: das Fragezeichen - und außerdem Bilder, die fĂŒr Putin womöglich wertvoller sind als jedes schriftliche Abkommen. Der US-PrĂ€sident bot dem Kremlchef, der seit Februar 2022 einen Angriffskrieg gegen die Ukraine fĂŒhrt, auf amerikanischem Boden die große BĂŒhne. 

Inhaltlich blieb kurz nach dem Treffen der beiden auf einem MilitĂ€rstĂŒtzpunkt in der Stadt Anchorage vieles im UngefĂ€hren. «Es gibt keinen Deal, bis es einen Deal gibt», sagte Trump - der selbsterklĂ€rte Deal-Macher und Friedensstifter - lediglich beim anschließenden Pressestatement. Man habe ein «Àußerst produktives Treffen» gehabt, «viele Punkte» seien vereinbart worden, nur wenige seien noch offen - davon einer besonders bedeutend. ZunĂ€chst wolle er jedoch mit den Nato-VerbĂŒndeten und dem ukrainischen PrĂ€sidenten Wolodymyr Selenskyj telefonieren. 

Vieles blieb ungesagt

Über neue Zölle gegen Russland oder deren Handelspartner sprach Trump nicht. Zum Austausch von Gefangenen sagte er genauso wenig wie zu möglichen Gebietsabtretungen. Nicht einmal das Wort «Waffenruhe» nahm der US-PrĂ€sident in den Mund. Dabei war genau das der Kernpunkt, auf den Kiew und die europĂ€ischen VerbĂŒndeten gepocht hatten: Eine bedingungslose und Feuerpause gilt fĂŒr sie als Voraussetzung, um ĂŒberhaupt in weitere Verhandlungen mit dem Kreml einzutreten. Putin hingegen hat immer wieder klargemacht, eine solche kategorisch abzulehnen. Er verlangt fĂŒr eine Waffenruhe etwa ein Ende der westlichen Waffenlieferungen an die Ukraine und einen Stopp der Mobilmachung in dem Land.

Auch in Alaska blieb Putin hart bei seinem Kurs, zunĂ€chst die «Ursachen» des Konflikts beseitigen wollen. Der Kremlchef gab sich beim Pressestatement dankbar, dass Trump versuche, zu diesen Wurzeln vorzudringen. Wie sein Gastgeber ging auch Putin mit keinem Wort auf die von Selenskyj, den EuropĂ€ern - und vor dem Treffen auch von Trump - geforderte umfassende Waffenruhe ein. Er beteuerte zugleich, den Krieg beenden zu wollen. Immerhin rĂ€umte er dabei ein, dass auch die Sicherheit der Ukraine berĂŒcksichtigt werden mĂŒsse. 

Trump erlaubt Putin eine freundliche Inszenierung

An die Stelle handfester Ergebnisse traten Bilder von hoher Symbolkraft. Trump - ganz der Entertainer - inszenierte die erste Begegnung eines amtierenden US-PrĂ€sidenten mit dem Kremlchef seit gut vier Jahren als freundliches Treffen auf Augenhöhe. Die Air Force One war lĂ€ngst gelandet, doch der Republikaner ließ sich Zeit mit dem Aussteigen - so lange, bis auch die russische Maschine mit Putin eingetroffen war.

Der russische PrĂ€sident bekam einen roten Teppich, einen ausgiebigen Handschlag und anschließend eine - im diplomatischen Protokoll eher ungewöhnliche - gemeinsame Fahrt in der gepanzerten PrĂ€sidentenlimousine. Das gemeinsame Statement fand vor dem in großen Buchstaben gedruckten Slogan «Pursuing Peace» statt - «Frieden anstreben» in dem Krieg, den Trumps Gast selbst angezettelt hat. AuffĂ€llig auch: Der Republikaner rĂ€umte dem Kremlchef beim Reden vor der Presse den Vortritt ein. Putin nutzte die Gelegenheit und sprach doppelt so lang wie sein Gastgeber. Fragen waren nicht zugelassen.

Trump rehabilitiert einen im Westen GeÀchteten

Der US-PrĂ€sident verschaffte Putin damit jene staatsmĂ€nnische LegitimitĂ€t, die ihm Europa seit Jahren verweigert. Dass er einem vom Westen der Kriegstreiberei beschuldigten Staatschef auf diese Weise öffentlich die BĂŒhne bereitete, ist bemerkenswert. Gegen Putin liegt seit MĂ€rz 2023 ein Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag vor - vor allem wegen des Vorwurfs, fĂŒr die Verschleppung Tausender Kinder aus besetzten ukrainischen Gebieten verantwortlich zu sein. Anders als etwa die EuropĂ€ische Union oder Kanada, das direkt an Alaska grenzt, erkennen aber weder die USA noch Russland den Gerichtshof an. Washington ist daher auch nicht verpflichtet, den Haftbefehl umzusetzen.

Trump-Lager wartet weiter auf Fortschritte

Der Republikaner brÀuchte eigentlich einen konkreten Fortschritt, auch vor seinen eigenen AnhÀngern. Im Wahlkampf hatte er immer wieder getönt, den Krieg binnen 24 Stunden beenden zu können. Sein «Make America Great Again»-Lager steht zwar weiter mehrheitlich hinter ihm, erwartet am Ende aber wohl auch irgendwelche Ergebnisse. 

Dass es in dieser Hinsicht in Alaska eine Schieflage gab, hörte man sogar bei Trumps rechtem Haus- und Hofsender Fox News. Es schien, als sei Putin in den Pressesaal gekommen und habe «alles ĂŒberrollt». Er habe alles gesagt, was er sagen wollte, kommentierte eine Reporterin. «Und dann hat er sich neben dem PrĂ€sidenten fotografieren lassen und ist gegangen.»

Vorerst keine Urteile zu einem neuen persönlichen VerhÀltnis

In den Monaten vor dem Gipfel hatte der Republikaner immer wieder widersprĂŒchliche Signale ausgesendet. Mal lobte er den Kremlchef offen und zeigte Bewunderung fĂŒr dessen Auftreten und FĂŒhrungsstil. Dann wiederum erklĂ€rte er laut dem Sender NBC News, er sei regelrecht «angepisst» von Putin - und warf ihm vor, in GesprĂ€chen mit den USA zu Friedensverhandlungen im Ukraine-Krieg ein freundliches Gesicht zu zeigen, nur um anschließend wieder Bomben auf die Ukraine werfen zu lassen. Zuletzt hatte der US-PrĂ€sident mit der Androhung von Zöllen auf wichtige Handelspartner Russlands Druck ausgeĂŒbt.

Zumindest auf der BĂŒhne war von dieser Demonstration der StĂ€rke keine Spur. Trump wirkte ungewöhnlich zurĂŒckhaltend, eher blass. Putin hingegen hatte schon das nĂ€chste Treffen im Sinn. Seinen vertrauensvollen Austausch mit dem US-PrĂ€sidenten wolle er fortsetzen - vielleicht nĂ€chstes Mal in Moskau, frotzelte Putin auf Englisch. Trump lehnte nicht ab und begann umgehend damit, an seinem Narrativ zu arbeiten: In einem TV-Interview gab er dem Gipfel die Note 10 von 10.

@ dpa.de