Plan, Wiederaufbau

Ägypten legt Plan fĂŒr Wiederaufbau des Gazastreifens vor

04.03.2025 - 18:00:35

HĂ€user fĂŒr drei Millionen Menschen sollen entstehen, bis 2030 auch ein Flughafen und Hotels. Der Ă€gyptische Plan fĂŒr den Gazastreifen ist eine direkte Antwort auf VorschlĂ€ge von US-PrĂ€sident Trump.

Wo heute TrĂŒmmerberge liegen, soll in nur wenigen Jahren eine schicke Gegend am Mittelmeer entstehen: Nach den umstrittenen VorschlĂ€gen von US-PrĂ€sident Donald Trump zur Zukunft des Gazastreifens hat Ägypten einen eigenen Plan fĂŒr den Wiederaufbau des in weiten Teilen zerstörten Gebiets ausgearbeitet. Der etwa 90 Seiten lange Plan, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, beschreibt einen Wiederaufbau ĂŒber fĂŒnf Jahre mit geschĂ€tzten Kosten von umgerechnet rund 50 Milliarden Euro.

Staats- und Regierungschefs aus mehr als 20 LĂ€ndern versammelten sich in Kairo, um den Plan zu diskutieren. Bis zum Jahr 2030 sollen demnach in Gaza Hunderttausende neue Wohnungen fĂŒr drei Millionen Bewohner entstehen sowie ein Flug- und ein Seehafen. Zudem soll es Industriegebiete geben, aber auch Hotelanlagen, Parks und StrĂ€nde, um Tourismus zu fördern. 

Wegen vieler offener Fragen ist aber völlig unklar, ob und wann diese PlĂ€ne Wirklichkeit werden könnten. In einer ersten Phase sehen sie die Beseitigung von TrĂŒmmern vor, die Unterbringung von PalĂ€stinensern in Wohncontainern und dann einen schrittweisen Ausbau auch von Straßen und anderer Infrastruktur.

Technokraten-Gremium zur vorlÀufigen Kontrolle Gazas

Das Papier erwĂ€hnt ein palĂ€stinensisches Gremium aus Technokraten, das wĂ€hrend einer sechsmonatigen Übergangsphase die Kontrolle Gazas ĂŒbernehmen soll. Dies solle unter der «Schirmherrschaft» der palĂ€stinensischen Regierung geschehen, bevor die gemĂ€ĂŸigtere PalĂ€stinensische Autonomiebehörde (PA) von PrĂ€sident Mahmud Abbas die Kontrolle vollstĂ€ndig ĂŒbernimmt.

Die Fatah von Abbas lehnt eine Herrschaft mit der rivalisierenden Hamas in Gaza ab. Abbas strebt stattdessen eine direkte Übernahme der Kontrolle durch die PA an. Die Hamas will die Macht aber offenbar nicht abgeben und auch nicht die Waffen niederlegen. Israel lehnt eine Regierungsbeteiligung der Hamas nach Kriegsende strikt ab, aber auch die Übernahme der Kontrolle durch die PA.

Die Aussöhnung der rivalisierenden palĂ€stinensischen Fraktionen bleibe eine der HĂŒrden, sagte der palĂ€stinensische MinisterprĂ€sident Mohammed Mustafa. 

Ein Plan wie auf Trump zugeschrieben

Trump, der mit seinen Äußerungen zur Zukunft des Gazastreifens als eine «Riviera des Nahen Ostens» fĂŒr Empörung gesorgt hatte, könne Frieden in der Region stiften, sagte Ägyptens PrĂ€sident Abdel Fatah al-Sisi zum Auftakt des Gipfeltreffens. 

Der Plan, der zunÀchst nicht veröffentlicht wurde, empfiehlt auch direkte GesprÀche zwischen Israelis und PalÀstinensern und die erneute Forderung nach einer Zweistaatenlösung. Angesichts des Kriegs zwischen Israel und der islamistischen Hamas im Gazastreifen scheinen solche GesprÀche derzeit aber faktisch ausgeschlossen.

Das Papier scheint wie auf den GeschĂ€ftsmann und Immobilienunternehmer Trump zugeschrieben: Es enthĂ€lt einen Bebauungsplan mit Karten, AnsĂ€tze zur wirtschaftlichen Entwicklung des Gebiets und mit KĂŒnstlicher Intelligenz (KI) erzeugte Bilder, in denen etwa eine edle Flaniermeile zu sehen ist, vor der Sportwagen fahren. Die Optik Ă€hnelt teilweise einem KI-Video zur Zukunft Gazas, das Trump selbst verbreitet hatte. An mehreren Stellen ist von «grĂŒnem» Bauen und erneuerbaren Energien die Rede.

Erfolgschancen des Àgyptischen Plans völlig offen

Zum Gipfel in Kairo reisten unter anderem Bahrains König Hamad bin Issa al-Chalifa, Katars Emir Tamim bin Hamad Al Thani wie auch UN-GeneralsekretÀr Anónio Guterres und EU-RatsprÀsident António Costa an. Guterres sagte, die PalÀstinenser hÀtten «mehr als die Hölle durchgestanden». Al-Sisi sagte zum Ende der öffentlichen Sitzung, die Teilnehmer hÀtten den Plan angenommen.

Der Ă€gyptische Plan fordert in einem politischen Teil den Beginn direkter Verhandlungen zwischen Israelis und PalĂ€stinensern mit «Garantiegebern» ihrer Wahl. In den vergangenen Jahrzehnten blieben allerdings alle BemĂŒhungen, den Konflikt zwischen Israelis und PalĂ€stinensern mit diplomatischen Mitteln beizulegen, erfolglos. 

Ob und wann der Plan umgesetzt werden könnte, ist völlig offen - auch weil die Waffenruhe in Gaza auf der Kippe steht und der Krieg neu entflammen könnte.

In der AbschlusserklĂ€rung riefen die Gipfelteilnehmer den UN-Sicherheitsrat dazu auf, Friedenstruppen nach Gaza und ins Westjordanland zu entsenden. Damit wĂŒrde die Sicherheit fĂŒr PalĂ€stinenser wie auch fĂŒr Israelis verstĂ€rkt und der Weg zu einem PalĂ€stinenserstaat geebnet. 

Antwort auf Trumps «Riviera»-PlÀne

Das Papier scheint vor allem der Versuch Ägyptens zu sein, den umstrittenen VorschlĂ€gen Trumps rasch etwas entgegenzusetzen. Der hatte vorgeschlagen, die rund zwei Millionen PalĂ€stinenser nach Ägypten und Jordanien dauerhaft «umzusiedeln». Beide LĂ€nder sind große EmpfĂ€nger von US-Auslandshilfe. Die UN warnten nach Trumps Äußerungen, die in der arabischen Welt und darĂŒber hinaus fĂŒr große Empörung sorgten, vor einer «ethnischen SĂ€uberung».

«Der Plan ist eine Alternative zum amerikanischen Vorschlag der gezwungenen Vertreibung», sagte Mohammed Higasi, frĂŒherer Vize-Außenminister Ägyptens, der dpa. «Wir sind auf dem richtigen Weg.» Bei den Wiederaufbau-PlĂ€nen gebe es eine «arabische Einheit».

@ dpa.de