Flug, Leyen

Flug mit von der Leyen gestört - Russland unter Verdacht

01.09.2025 - 14:49:01

Hat Russland gezielt eine Störsender-Attacke auf ein Flugzeug mit EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen ausfĂŒhren lassen? Bulgarische Behörden haben darauf offensichtlich klare Hinweise.

  • Das Flugzeug mit Ursula von der Leyen konnte am Ende sicher landen. (Archivbild) - Foto: Mindaugas Kulbis/AP/dpa

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  • Auch der deutsche Top-General Carsten Breuer (l) war schon von GPS-Jamming betroffen. - Foto: Kay Nietfeld/dpa

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Das Flugzeug mit Ursula von der Leyen konnte am Ende sicher landen. (Archivbild) - Foto: Mindaugas Kulbis/AP/dpaAuch der deutsche Top-General Carsten Breuer (l) war schon von GPS-Jamming betroffen. - Foto: Kay Nietfeld/dpa

Russland steht unter dem Verdacht eines gezielten Störangriffs auf ein Flugzeug, mit dem EU-KommissionsprÀsidentin Ursula am Sonntag nach Bulgarien geflogen ist. Nach Angaben einer Sprecherin gab es bei der Reise der deutschen Politikerin ein sogenanntes GPS-Jamming. Dabei werden Signale des satellitenbasierten Navigationssystems GPS gezielt gestört oder blockiert.

Die bulgarischen Behörden vermuten, dass Russland hinter der Attacke stecke, wie die Sprecherin weiter sagte. Sie seien dabei, den Fall zu untersuchen. 

Flugzeug kann sicher landen

FĂŒr Ursula von der Leyen (66) und die anderen Mitreisenden endete der Zwischenfall glimpflich. Ihr Charter-Flugzeug konnte demnach am Ende sicher in der Stadt Plowdiw landen.

Lebensgefahr bestand nach Angaben des Flughafendirektors fĂŒr die Insassen nicht. Demnach ist es in der Regel unproblematisch, den Airport in Plowdiw ohne GPS anzufliegen. Es sei Routine, dass, wenn es Probleme mit dem einen Landesystem gebe, ein anderes eingesetzt werde, sagte Krassimir Peschew im Staatsrundfunk. In diesem Fall sei es das Instrumentenlandesystem (ILS) gewesen. Der Flug und die Landung des Flugzeugs mit von der Leyen an Bord habe trotz des Zwischenfalls keine Sorgen bereitet. Peschew sagte weiter, er habe den Flug am Radar mitverfolgt.

Von der Leyen besuchte Munitionsfabrik

Nach der Landung fuhr die KommissionsprĂ€sidentin wie geplant zu einem Treffen mit MinisterprĂ€sident Rossen Scheljaskow und besuchte das grĂ¶ĂŸte staatliche RĂŒstungsunternehmen. Der Trip war Teil einer mehrtĂ€gigen Tour von der Leyens in LĂ€nder im Osten und Norden der EU.

Als ein möglicher Hintergrund der Attacke wurde in BrĂŒssel genannt, dass es bei den politischen GesprĂ€chen auf der Tour vor allem um Abschreckungs- und Verteidigungsinitiativen gegen Russland gehen sollte. Bulgarien spielt zudem auch als Waffenlieferant fĂŒr die ukrainischen StreitkrĂ€fte eine Rolle. Nach Angaben von der Leyens kamen zu Beginn des russischen Angriffskrieges ein Drittel der Lieferungen aus dem Land am Schwarzen Meer.

Im damaligen kommunistischen Ostblock galt Bulgarien als Moskaus treuster VerbĂŒndeter und noch heute gibt es UnterstĂŒtzer. Vor der Ankunft von EU-KommissionsprĂ€sidentin von der Leyen protestierten AnhĂ€nger prorussischer Parteien gegen ihren Besuch.

VorfÀlle auch in anderen LÀndern

Die Sprecherin der EU-Kommission sagte zu dem GPS-Jamming, VorfĂ€lle wie dieser stĂ€rkten nur die Entschlossenheit, die VerteidigungsfĂ€higkeiten auszubauen und die UnterstĂŒtzung fĂŒr die Ukraine zu verstĂ€rken. Man sei sich bewusst, dass Drohungen und EinschĂŒchterungen ein regelmĂ€ĂŸiger Bestandteil von Russlands feindlichem Vorgehen seien. 

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur aus der EU-Kommission blieb das Flugzeug rund zehn Minuten lĂ€nger als ursprĂŒnglich geplant in der Luft. Ein mitreisender Reporter der Zeitung «Financial Times» hatte zuvor berichtet, der Flieger sei vor der Landung rund eine Stunde ĂŒber dem Flughafen gekreist. Kremlsprecher Dmitri Peskow wies Anschuldigungen gegen Russland zurĂŒck und sprach gegenĂŒber der «Financial Times» von Falschinformationen.

Die Störung der GPS-Satellitennavigation im östlichen Teil Europas ist grundsĂ€tzlich nicht neu. So bestellte Estland bereits im vergangenen Jahr deswegen den GeschĂ€ftstrĂ€ger der russischen Botschaft in Tallinn ein. Damals hatten GPS-Störungen sogar dazu gefĂŒhrt, dass zeitweise der Flugverkehr zwischen Finnlands Hauptstadt Helsinki und Estlands zweitgrĂ¶ĂŸter Stadt Tartu eingestellt werden musste.

Auch deutscher Top-General war bereits betroffen

Auch Deutschlands ranghöchster Soldat hat nach eigenen Angaben auf Flugreisen schon Erfahrungen mit Störangriffen gemacht. Der Generalinspekteur der Bundeswehr, Carsten Breuer, schilderte in Berlin auf Nachfrage vor Journalisten, einmal sei dies bei einem Flug ĂŒber der Ostsee Richtung Norden passiert und einmal beim Besuch einer Übung in Litauen. Die Piloten hĂ€tten in der Regel die Möglichkeit, das dann zu umgehen und seien sehr sicher in ihren Verfahren, sagte er. Unklar blieb, ob die Störaktionen gezielt ihm galten oder großflĂ€chiger angelegt waren.

Breuer sagte, losgelöst von diesem Fall mĂŒsse klar sein: «Wir stehen zurzeit immer wieder unter Sabotage, unter Spionage und wir unterliegen auch hybrider Einflussnahme, hybriden Aktionen, die können wir ganz hĂ€ufig auf staatliche Akteure und dabei dann sehr hĂ€ufig auch auf Russland zurĂŒckfĂŒhren.» GPS-Störungen seien an der Tagesordnung sowohl gegen militĂ€rische als auch zivile Ziele, ergĂ€nzte Marine-Inspekteur Jan Christian Kaack.

@ dpa.de