Gaza: Drei weitere Israelis sollen aus Geiselhaft freikommen
30.01.2025 - 04:44:52Nach fast 16 Monaten in der Gewalt islamistischer Terroristen im Gazastreifen sollen heute drei weitere Israelis freikommen. Darunter sind laut dem Forum der Geiselfamilien auch zwei Deutsch-Israelis. Im Gegenzug sollen 110 palĂ€stinensische HĂ€ftlinge aus israelischen GefĂ€ngnissen entlassen werden. DarĂŒber hinaus sollen die Islamisten fĂŒnf aus Israel entfĂŒhrte ThailĂ€nder ĂŒbergeben.
Das am 19. Januar in Kraft getretene Abkommen ĂŒber eine Waffenruhe im Gazastreifen sieht vor, dass in einer ersten Phase innerhalb von sechs Wochen 33 Geiseln im Austausch fĂŒr 1.904 palĂ€stinensische HĂ€ftlinge freigelassen werden. Drei Zivilistinnen und vier Soldatinnen kamen im Rahmen der Vereinbarung bereits frei. Weitere Geiseln sollen am Samstag freigelassen werden. Laut der Hamas sind acht der 33 Geiseln tot.
Noch 90 Geiseln im Gazastreifen
Die islamistische Terrororganisation Hamas hatte am Mittwoch wie vereinbart eine Liste mit den Namen der drei Geiseln ĂŒbermittelt, die heute freikommen sollen. Dort stand neben den Namen der beiden Deutsch-Israelis Arbel Yehud (29) und Gadi Moses (80) auch der Name der 20-jĂ€hrigen Soldatin Agam Berger auf der Liste. Insgesamt befinden sich noch 90 Geiseln im Gazastreifen, darunter zehn AuslĂ€nder: acht ThailĂ€nder sowie ein Nepalese und ein Tansanier.Â
Gadi Moses ist der erste Mann, der im Zuge der aktuellen Waffenruhe freikommen soll. Yehud und Moses waren beide wĂ€hrend des verheerenden Massakers der Hamas und anderer Extremisten aus dem Gazastreifen am 7. Oktober 2023 aus ihren HĂ€usern im Kibbuz Nir Oz entfĂŒhrt worden. Die Zivilistin Yehud wurde zusammen mit ihrem Freund verschleppt. Der Bruder der Frau, der ebenfalls in dem Ort in der NĂ€he des Gazastreifens wohnte, wurde wĂ€hrend des Terrorangriffs getötet.
Laut «Times of Israel» wird davon ausgegangen, dass die Geiseln heute nicht alle zur gleichen Zeit und am selben Ort freigelassen werden, da Yehud und Moses von der Hamas festgehalten wurden, wĂ€hrend Berger sich in der Gewalt der Terrororganisation PalĂ€stinensischer Islamischer Dschihad befand.Â
110 palĂ€stinensische HĂ€ftlinge sollen entlassen werdenÂ
Unter den 110 palÀstinensischen HÀftlingen, die freikommen sollen, sollen mehr als 30 zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt gewesen sein. Israelischen Medienberichten zufolge ist darunter auch Sakaria Subeidi, der wÀhrend des zweiten PalÀstinenseraufstands Intifada ab 2000 Befehlshaber des militÀrischen Arms der Fatah-Bewegung in Dschenin im nördlichen Westjordanland war. Unter den HÀftlingen sind auch einige MinderjÀhrige.
FĂŒr die fĂŒnf thailĂ€ndischen Geiseln werden keine palĂ€stinensischen HĂ€ftlinge entlassen. Israelische Medien meldeten, sie kĂ€men im Rahmen einer Vereinbarung zwischen der Hamas und Thailand frei. Derweil meldete das MedienbĂŒro der Hamas die Heimkehr von 500.000 PalĂ€stinensern, die im Zuge des Kriegs vertrieben wurden, in den Norden des Gazastreifens.Â
Terroristen der Hamas und anderer extremistischer Gruppen hatten bei ihrem Ăberfall auf Israel, bei dem rund 1.200 Menschen getötet wurden, mehr als 250 Israelis als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Der Ăberfall war der Auslöser des Kriegs in dem abgeriegelten KĂŒstengebiet, wo seither laut der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde mehr als 47.100 Menschen getötet wurden. Die Zahl unterscheidet nicht zwischen Zivilisten und KĂ€mpfern.
Arbeitsverbot fĂŒr UNRWA soll beginnen
In Israel treten heute voraussichtlich zwei Gesetze in Kraft, die die Arbeit des palĂ€stinensischen UN-Hilfswerks UNRWA verbieten. Untersagt wird der Organisation demnach, eine Vertretung auf israelischem Territorium zu betreiben und Dienstleistungen anzubieten. Israelische Behörden dĂŒrfen zudem keinen Kontakt mit der UNRWA oder dessen ReprĂ€sentanten mehr haben. Mitarbeiter des Hilfswerks sollen darĂŒber hinaus Privilegien wie ImmunitĂ€t und Steuerbefreiungen verlieren.Â
Israel wirft der Organisation vor, von der Hamas unterwandert zu sein. Mehrere Mitarbeiter der Terrororganisation waren israelischen Angaben zufolge in das Massaker vom 7. Oktober 2023 verwickelt. Geiseln seien in UNRWA-Einrichtungen versteckt worden, sagte ein Sprecher im BĂŒro des MinisterprĂ€sidenten Benjamin Netanjahu. Demnach sollen 1.500 Angestellte der Organisation auch Hamas-Mitglieder sein.
UN-GeneralsekretĂ€r AntĂłnio Guterres sieht hingegen keine Alternative fĂŒr die Arbeit des Hilfswerks. Die Vereinten Nationen (UN) fĂŒrchten verheerende Folgen fĂŒr Millionen palĂ€stinensischer FlĂŒchtlinge im Gazastreifen und im Westjordanland. «UNRWA wird sein Mandat weiter erfĂŒllen, bis es physisch dazu nicht mehr in der Lage ist», sagte Guterres' Sprecher, StĂ©phane Dujarric.Â
Tote nach Angriff im WestjordanlandÂ
Bei einem israelischen Luftangriff im Norden des Westjordanlands kamen am Abend laut dem palÀstinensischen Gesundheitsministerium in Ramallah mindestens zehn Menschen ums Leben. Israels Armee teilte mit, mit einem FluggerÀt eine Gruppe Bewaffneter in der Gegend der Stadt Tamun angegriffen zu haben. Einzelheiten dazu nannte das MilitÀr zunÀchst nicht. PalÀstinensischen Berichten zufolge feuerte eine israelische Drohne drei Raketen auf ein Haus.
Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz kĂŒndigte an, Israels Armee werde auch nach Ende ihres MilitĂ€reinsatzes in der palĂ€stinensischen Stadt Dschenin im Norden des Westjordanlands bleiben. Das MilitĂ€r solle sicherstellen, «dass der Terror nicht zurĂŒckkommt», sagte er. Die israelische Armee hatte vor mehr als einer Woche einen neuen gröĂeren MilitĂ€reinsatz in dem Ort gestartet. Dabei wurden nach Angaben des palĂ€stinensischen Gesundheitsministeriums im GroĂraum Dschenin 16 Menschen getötet.Â
Trump drÀngt Unis zu hÀrterem Vorgehen gegen Antisemitismus
In den USA drĂ€ngt PrĂ€sident Donald Trump Hochschulen zu einem entschiedeneren Vorgehen gegen Antisemitismus. Ein von ihm unterzeichneter Erlass fordert sie auf, enger mit Bundesbehörden zu kooperieren und mögliche VerstöĂe zu melden. In bestimmten FĂ€llen könnten Ermittlungen eingeleitet werden, die im Extremfall zur Ausweisung auslĂ€ndischer Studierender oder FakultĂ€tsmitglieder fĂŒhren. Das Dekret verweist explizit auf die Angriffe der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 sowie auf die danach gestiegene Zahl antisemitischer VorfĂ€lle in den USA, insbesondere an Hochschulen.









