Huthi greifen Flughafen in Riad erneut mit Rakete an
Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 15:45 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die Huthi-Miliz hat nach eigenen Angaben erneut eine ballistische Rakete auf den Flughafen King Chalid in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad abgefeuert.
Mehrere Geschosse abgefangen
Nach Angaben Saudi-Arabiens wurden zwei auf Riad gerichtete Raketen sowie ein weiteres Geschoss auf Chamis Muschait im Südwesten des Landes abgefangen. Zu Schäden oder Opfern gab es zunächst keine Angaben.
Augenzeugen berichteten von vier aufeinanderfolgenden Explosionen in Riad. Aus saudischen Flughafenkreisen hieß es, Trümmer abgefangener Raketen seien auf ein Terminalgebäude gefallen.
Warnungen an Airlines und Ölindustrie
Der Huthi-Militärsprecher Jahja Sari warnte, alle Ölanlagen Saudi-Arabiens könnten zu Angriffszielen werden. Die vom Iran unterstützte Miliz hatte in der Vergangenheit bereits Attacken auf Anlagen des staatlichen Ölkonzerns Aramco für sich beansprucht.
Zudem riefen die Huthi Fluggesellschaften erneut dazu auf, Flüge nach Saudi-Arabien einzustellen. Ausgenommen seien lediglich die Gebiete über den heiligen Städten Mekka und Medina.
Tote bei früheren Angriffen
Nach Angaben der saudischen Luftfahrtbehörden waren bereits am Dienstag und Mittwoch die Flughäfen von Riad und Abha angegriffen worden. Dabei seien insgesamt drei Menschen getötet worden. Die Huthi reklamierten beide Angriffe für sich.
Berichte über Luftangriffe in Hudaida
Unterdessen berichtete der Huthi-nahe Fernsehsender Al-Masirah von saudischen Luftangriffen auf den Flughafen der westjemenitischen Hafenstadt Hudaida sowie auf weitere Gebiete. Bewohner berichteten von heftigen Explosionen und Rauchwolken in Hafennähe. Eine Stellungnahme Saudi-Arabiens lag dazu zunächst nicht vor.
Offensive der jemenitischen Regierung
Der Bürgerkrieg im Jemen war im Sommer im Zuge des Iran-Krieges erneut aufgeflammt. Seitdem bekämpfen sich die Huthi und die von Saudi-Arabien unterstützte, international anerkannte Regierung wieder. Saudi-Arabien fliegt dabei regelmäßig Luftangriffe auf Huthi-Stellungen im Nachbarland.
Am Wochenende kündigte die jemenitische Regierung eine großangelegte Offensive zur Rückeroberung aller von den Huthi kontrollierten Gebiete an. Zuletzt konnte die Miliz strategisch wichtige Gebiete gewinnen.
Rückkehr des grenzüberschreitenden Raketenkriegs
Die erneuten Angriffe markieren eine Verschärfung des Jemenkonflikts: Die Huthi beschießen wieder Ziele im benachbarten Saudi-Arabien, während saudische Streitkräfte Stellungen der Miliz im Jemen angreifen. Damit verlagert sich die Auseinandersetzung erneut deutlich über die jemenitischen Frontlinien hinaus. Saudi-Arabien ist als Unterstützer der international anerkannten jemenitischen Regierung unmittelbar in den Krieg eingebunden.
Nach einer mehrjährigen Waffenruhe sind die Kämpfe im Zuge des Iran-Krieges wieder aufgeflammt. Nach Angaben der Vereinten Nationen wurden dabei fast 1000 Menschen getötet und mehr als 200.000 vertrieben. Die von der jemenitischen Regierung angekündigte Offensive zur Rückeroberung Huthi-kontrollierter Gebiete erhöht den militärischen Druck zusätzlich.
Bedeutung für Luftverkehr und Energie
Die Warnungen der Huthi an Fluggesellschaften und Ölanlagen zielen auf zwei besonders empfindliche Bereiche. Angriffe oder Trümmer an Flughäfen können den zivilen Luftverkehr beeinträchtigen; Drohungen gegen Anlagen des staatlichen Ölkonzerns Aramco richten sich gegen die wirtschaftliche Infrastruktur eines der wichtigsten Ölexporteure der Welt. Zugleich liegt Saudi-Arabien an einer wichtigen Ausweichroute zur Straße von Hormus, deren Schiffsverkehr wegen des Irankrieges bereits eingeschränkt ist.
Für Reisende und Unternehmen bedeutet die Entwicklung vor allem ein erhöhtes Risiko kurzfristiger Flugstörungen, Umleitungen und verschärfter Sicherheitsmaßnahmen. Politisch wächst der Druck auf Saudi-Arabien, seine militärische Unterstützung für die jemenitische Regierung mit dem Schutz des eigenen Staatsgebiets zu verbinden. Eine weitere Ausweitung könnte zudem regionale Akteure stärker in den Konflikt hineinziehen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
DER SPIEGEL: „Saudi-Arabien: Huthi-Miliz bekennt sich zu Angriffen auf Flughäfen in Riad und Abha“ (07.10.2026)
Der Bericht hebe hervor, dass bei Angriffen auf die Flughäfen Riad und Abha drei Menschen getötet und Dutzende verletzt worden seien. Er ordne die neue Eskalation in die Kämpfe nach einer vierjährigen Waffenruhe ein und nenne fast 1000 Tote sowie mehr als 200.000 Vertriebene; zugleich bleibe offen, in welchem Umfang einzelne Angriffe den Huthi zugerechnet werden könnten.
Der Artikel betone außerdem die Bedeutung der saudischen Energie- und Militärinfrastruktur sowie die Gefährdung einer Ausweichroute zur Straße von Hormus. Damit setze er einen stärkeren Schwerpunkt auf die regionalen und wirtschaftlichen Folgen als die aktuelle Meldung, die vor allem den erneuten Raketenangriff auf Riad und die Gefechte in Hudaida beschreibe.
Medienübergreifend bestätige sich damit das Bild einer erneuten Ausweitung des Jemenkriegs auf saudisches Territorium. Unterschiede ergäben sich vor allem bei der Gewichtung von Opferzahlen, Infrastrukturgefahren und den möglichen regionalen Folgen; offen bleibe insbesondere, welche Schäden der jüngste Beschuss in Riad verursacht habe.
