Huthi treffen Aramco-Wolkenkratzer im Zentrum von Riad
Veröffentlicht am: 08.11.2026 um 17:48 Uhr | dpa, AD HOC NEWSFolgen für Riad und den Jemen
- Trümmerteile beschädigten das 34 Stockwerke hohe Aramco-Gebäude im zentralen Geschäftsbezirk von Riad.
- Huthi-Sprecher Jahja Sari bestätigte Angriffe auf den Finanzdistrikt König Abdullah und den internationalen Flughafen.
- Nach Angaben des Yemen Data Project starben im Oktober mindestens 140 Zivilisten bei saudischen Angriffen im Jemen.
Aramco-Gebäude in Riad bei Huthi-Angriff beschädigt
Die vom Iran unterstützte Huthi-Miliz hat im Zentrum der saudischen Hauptstadt Riad einen bekannten Wolkenkratzer angegriffen. Trümmerteile fielen auf das Verwaltungsgebäude des staatlichen Ölkonzerns Aramco und verursachten nach Angaben des saudischen Energieministeriums begrenzten Schaden; Tote oder Verletzte gab es demnach nicht.
Treffer im Geschäftsbezirk
Im Internet verbreitete Aufnahmen zeigten schwere Schäden an der Glasfassade des 34 Stockwerke hohen Aramco Towers. Das Gebäude liegt im zentralen Geschäftsbezirk von Riad, in dem auch weitere bekannte Hochhäuser stehen.
Huthi-Militärsprecher Jahja Sari bestätigte den Angriff. Er erklärte, die Miliz habe unter anderem das Bankenviertel von Riad, den internationalen Flughafen sowie Aramco-Ziele im Osten Saudi-Arabiens und saudische Truppen im Jemen angegriffen.
Raketen und Drohnen abgefangen
Die von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition teilte mit, sie habe Drohnen und Marschflugkörper über Riad und im Süden des Landes abgefangen. Der saudische Zivilschutz gab für die Hauptstadt erneut Warnungen heraus.
Später erklärte die Koalition, sie habe in der jemenitischen Provinz Saada zwei Abschussrampen für ballistische Raketen zerstört. Die Huthi-Hochburg habe die Anlagen bei dem Angriff auf Riad eingesetzt.
Zahl der Toten in Sanaa steigt
Saudi-Arabien setzte nach Angaben der Huthi seine Luftangriffe im Jemen fort. Nach einem Angriff in Sanaa sei die Zahl der Toten auf 33 gestiegen, darunter 13 Kinder; 39 weitere Menschen seien verletzt worden.
Saudi-Arabien bombardiert seit 2015 gemeinsam mit Verbündeten Stellungen der Huthi im Jemen. Nach einer Waffenruhe ab 2022 eskalierten die Kämpfe im Zuge des Iran-Kriegs wieder.
140 getötete Zivilisten im Oktober
Das unabhängige Yemen Data Project zählte im Oktober mehr als 430 saudische Bombardierungen im Jemen. Dabei seien mindestens 140 Zivilisten getötet und mehr als 280 weitere verletzt worden.
Der Aramco-Konzern hat seinen Sitz in Dhahran im Osten Saudi-Arabiens, ist aber auch in Riad stark vertreten. Der Geschäftsbezirk mit rund 100 Gebäuden gilt als Symbol für den Wirtschafts- und Finanzstandort des Landes.
Der Angriff markiert eine Ausweitung der bisherigen Zielauswahl der Huthi auf das sichtbare wirtschaftliche Zentrum Saudi-Arabiens. Der Aramco Tower steht nicht nur für den staatlichen Ölkonzern, sondern auch für den Anspruch Riads, sich als internationaler Standort für Unternehmen, Finanzgeschäfte und Tourismus zu positionieren.
Die Attacke fällt in eine Phase, in der sich die gegenseitigen Angriffe zwischen den Huthi und Saudi-Arabien wieder verstärkt haben. Nach der Waffenruhe ab 2022 waren die Fronten im Jemen zeitweise deutlich ruhiger geblieben. Die erneuten Raketen- und Drohnenangriffe zeigen jedoch, dass der Konflikt weiterhin grenzüberschreitende Risiken birgt und neben militärischen Einrichtungen auch zivile Infrastruktur und Verkehrsknotenpunkte gefährdet.
Risiko für Standort und Bevölkerung
Für Saudi-Arabien geht es damit um mehr als Gebäudeschäden. Angriffe auf Riad, den Flughafen und Anlagen des wichtigsten Ölkonzerns können das Sicherheitsgefühl von Einwohnern, Beschäftigten und internationalen Besuchern beeinträchtigen. Zugleich erhöhen die saudischen Luftangriffe im Jemen den humanitären Preis der Eskalation: Das Yemen Data Project zählte im Oktober mehr als 430 Bombardierungen sowie mindestens 140 getötete Zivilisten.
Eine unmittelbare politische Lösung ist daraus nicht abzuleiten. Die Entwicklung erhöht aber den Druck auf Riad und die Huthi, militärische Vergeltung und Verhandlungen wieder gegeneinander abzuwägen. Für die Region bleibt entscheidend, ob die Angriffe auf saudisches Gebiet und die Luftschläge im Jemen weiter zunehmen oder erneut durch eine belastbare Waffenruhe begrenzt werden.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
taz: „+++ Nachrichten im Nahost-Krieg +++: Huthi-Angriffe in Saudi-Arabien“ (08.11.2026)
Der Beitrag greife die Schäden am Aramco Tower auf und ordne den Angriff in die laufende Nahost-Kriegslage ein. Der Schwerpunkt liege auf der aktuellen Entwicklung und der Einordnung als Teil einer breiteren Eskalation.
n-tv: „Huthi treffen berühmten Aramco-Wolkenkratzer in Riad“ (08.11.2026)
Der Artikel berichte ebenfalls über den Treffer am bekannten Hochhaus und verweise auf im Internet kursierende Bilder schwerer Fassadenschäden. Damit setze er einen stärkeren Akzent auf das Ausmaß der sichtbaren Gebäudeschäden, während die Zahl der Opfer und die militärische Reaktion im Mittelpunkt der dpa-Meldung stünden.
Gemeinsam sei den Beiträgen die Darstellung des Angriffs auf das Aramco-Gebäude als zentralem Ereignis. Unterschiede ergäben sich vor allem beim Schwerpunkt zwischen Bildmaterial, regionaler Eskalation und den Folgen für Saudi-Arabien.
