Nahost, Gazastreifen

Panik im Gazastreifen vor Israels drohender Bodenoffensive

14.10.2023 - 06:38:26

Im Gazastreifen droht angesichts einer möglichen Bodenoffensive Israels gegen die islamistische Hamas eine Katastrophe. Die UN fordern, den RĂ€umungsaufruf fĂŒr eine Million Menschen zu widerrufen.

  • PalĂ€stinensische GlĂ€ubige beten außerhalb der Altstadt von Jerusalem, wĂ€hrend israelische StreitkrĂ€fte Wache stehen. - Foto: Oren Ziv/dpa

    Oren Ziv/dpa

  • Ausgebrannte Wagen stehen auf dem GelĂ€nde eines Musikfestivals nahe der Grenze zum Gazastreifen. Mindestens 260 israelische Festivalbesucher wurden bei dem Angriff am vergangenen Samstag (07.10.2023) getötet. - Foto: Ariel Schalit/AP/dpa

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  • PalĂ€stinenser fliehen nach israelischen Luftangriffen. - Foto: Mohammed Talatene/dpa

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  • Israelische Panzer fahren auf die Grenze zum Gazastreifen im SĂŒden Israels zu. - Foto: Ariel Schalit/AP/dpa

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  • Ausgebrannte Wagen stehen auf dem GelĂ€nde eines Musikfestivals nahe der Grenze zum Gazastreifen. Mindestens 260 israelische Festivalbesucher wurden bei dem Angriff am vergangenen Samstag (07.10.2023) getötet. - Foto: Ariel Schalit/AP/dpa

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  • Ausgebrannte Wagen stehen auf dem GelĂ€nde eines Musikfestivals nahe der Grenze zum Gazastreifen. Mindestens 260 israelische Festivalbesucher wurden bei dem Angriff am vergangenen Samstag (07.10.2023) getötet. - Foto: Ariel Schalit/AP/dpa

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PalĂ€stinensische GlĂ€ubige beten außerhalb der Altstadt von Jerusalem, wĂ€hrend israelische StreitkrĂ€fte Wache stehen. - Foto: Oren Ziv/dpaAusgebrannte Wagen stehen auf dem GelĂ€nde eines Musikfestivals nahe der Grenze zum Gazastreifen. Mindestens 260 israelische Festivalbesucher wurden bei dem Angriff am vergangenen Samstag (07.10.2023) getötet. - Foto: Ariel Schalit/AP/dpaPalĂ€stinenser fliehen nach israelischen Luftangriffen. - Foto: Mohammed Talatene/dpaIsraelische Panzer fahren auf die Grenze zum Gazastreifen im SĂŒden Israels zu. - Foto: Ariel Schalit/AP/dpaAusgebrannte Wagen stehen auf dem GelĂ€nde eines Musikfestivals nahe der Grenze zum Gazastreifen. Mindestens 260 israelische Festivalbesucher wurden bei dem Angriff am vergangenen Samstag (07.10.2023) getötet. - Foto: Ariel Schalit/AP/dpaAusgebrannte Wagen stehen auf dem GelĂ€nde eines Musikfestivals nahe der Grenze zum Gazastreifen. Mindestens 260 israelische Festivalbesucher wurden bei dem Angriff am vergangenen Samstag (07.10.2023) getötet. - Foto: Ariel Schalit/AP/dpa

Im Gazastreifen herrscht unter der palÀstinensischen Bevölkerung Angst und Verzweiflung angesichts einer drohenden Bodenoffensive der Israelis gegen die islamistische Hamas.

Nach Ablauf einer vom israelischen MilitĂ€r gesetzten Frist zur Massenevakuierung des nördlichen Gazastreifens befĂŒrchten die Vereinten Nationen eine «katastrophale Situation», sollte die Armee in das dicht besiedelte KĂŒstengebiet einmarschieren. Augenzeugen berichteten von Panik unter der Bevölkerung. Die UN forderten Israel auf, die Anweisung zur Evakuierung der etwa 1,1 Millionen Menschen zu widerrufen. UN-GeneralsekretĂ€r AntĂłnio Guterres forderte sofortigen Zugang zum Gazastreifen fĂŒr humanitĂ€re Hilfe. «Auch Kriege haben Regeln», betonte er gestern in New York.

Menschen auf der Flucht

Menschen in Autos machten sich auf Lastwagen, mit Eselskarren und zu Fuß auf der einzigen Hauptstraße des Gebiets Richtung SĂŒden auf. Die im Gazastreifen herrschende Hamas versuchte, fliehende Zivilisten davon abzuhalten, dem israelischen Aufruf zur RĂ€umung des Nordens zu folgen. Sie sollten nicht auf die «Propagandanachrichten» reinfallen, hieß es.

Laut Hamas-Angaben sollen Luftangriffe der israelischen StreitkrĂ€fte 70 Menschen auf der Flucht in den SĂŒden des Gazastreifens getötet und 200 weitere verletzt haben. Die meisten Opfer seien Kinder und Frauen, erklĂ€rte gestern ein Sprecher der Islamistenorganisation. Drei Konvois seien bei dem «Massaker» getroffen worden. Die Angaben ließen sich zunĂ€chst nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen. Vom israelischen MilitĂ€r gab es keine BestĂ€tigung. Die Berichte wĂŒrden geprĂŒft, hieß es dort.

Israel tötet mutmaßlich Verantwortlichen des Hamas-Massakers

Das israelische MilitĂ€r hat bei Bombenangriffen auf Einsatzzentralen der Hamas nach eigenen Angaben einen der mutmaßlich Verantwortlichen des Massakers an israelischen Zivilisten getötet. Merad Abu Merad, Leiter des Hamas-LuftĂŒberwachungssystems in Gaza-Stadt, sei maßgeblich fĂŒr die Steuerung der Terroristen wĂ€hrend des Massakers verantwortlich gewesen, teilte das israelische MilitĂ€r am frĂŒhen Morgen mit. Terroristen hatten vor genau einer Woche im Auftrag der Hamas ein Massaker unter israelischen Zivilisten in Grenzorten und auf einem Musikfestival angerichtet - das schlimmste seit Israels StaatsgrĂŒndung. Mehr als 1300 Menschen kamen dabei ums Leben.

Israels MilitÀr tötet Terroristen bei Eindringen aus Libanon

Das israelische MilitĂ€r hat nach eigenen Angaben mutmaßliche Terroristen beim versuchten Eindringen vom Libanon aus nach Israel getötet. Wie das israelische MilitĂ€r am Morgen bekannt gab, hĂ€tten Soldaten eine «Terrorzelle» identifiziert, die versucht habe, vom Libanon aus in israelisches Gebiet einzudringen. Eine Drohne des MilitĂ€rs habe «einige der Terroristen» getötet, hieß es.

Israelische Geiseln tot gefunden

Israels MilitĂ€r flog unterdessen weitere Bombenangriffe auf Hamas-Ziele und unternahm zudem erste begrenzte VorstĂ¶ĂŸe in den Gazastreifen. Dabei hĂ€tten die Soldaten gestern Abend Leichen vermisster Landsleute entdeckt, berichtete die Zeitung «Jerusalem Post» am frĂŒhen Morgen. Angaben zur Anzahl der Toten gab es zunĂ€chst nicht. Laut einem israelischen Armeesprecher sei Ziel dieser EinsĂ€tze, «das Gebiet von Terroristen und Waffen zu sĂ€ubern». Dabei habe man auch versucht, Vermisste zu finden. Boden- und Panzertruppen hĂ€tten nach Spuren gesucht und «Terrorzellen ausgeschaltet».

Nach Angaben des militĂ€rischen Arms der Hamas sollen 13 der rund 150 aus Israel verschleppten Geiseln bei den israelischen Luftangriffen auf das KĂŒstengebiet getötet worden sein. Darunter seien auch auslĂ€ndische Staatsangehörige, behaupteten die Al-Kassam-Brigaden. Auch dies konnte nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒft werden. Israels Armee wollte dem Bericht nach eigenen Angaben nachgehen.

Netanjahu: erst der Anfang der Offensive gegen Hamas

Israels MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu bezeichnete die derzeitigen Gegenangriffe im Gazastreifen nach dem Hamas-Terror mit Hunderten getöteten Israelis nur als «Anfang» der Offensive gegen die militanten Islamisten. «Wir werden die Hamas zerstören und gewinnen, aber es wird Zeit brauchen», sagte er gestern Abend in einer Ansprache an die Nation. «Unsere Feinde haben gerade erst begonnen, den Preis zu zahlen. Ich werde unsere PlĂ€ne nicht nĂ€her erlĂ€utern, aber ich sage Ihnen, das ist erst der Anfang.» Das jĂŒdische Volk habe seit Jahrzehnten nicht mehr solche Schrecken erlebt, so Netanjahu.

Terroristen im Auftrag der Hamas hatten am Samstag vergangener Woche ein Massaker unter israelischen Zivilisten in Grenzorten und auf einem Musikfestival angerichtet - das schlimmste seit Israels StaatsgrĂŒndung. Mehr als 1300 Menschen kamen dabei ums Leben. Die Zahl der bei den israelischen Gegenangriffen getöteten PalĂ€stinenser im Gazastreifen gab das dortige Gesundheitsministerium gestern Abend mit mindestens 1900 an. Darunter seien 614 Kinder und Jugendliche. Mindestens 7696 Menschen wurden demnach verletzt.

Kritik an Israels Evakuierungsaufruf

Saudi-Arabien und Ägypten kritisierten den Aufruf des israelischen MilitĂ€rs zur Massenevakuierung des nördlichen Gazastreifens. Saudi-Arabien lehne die «Zwangsumsiedlung» ab, teilte das Außenministerium gestern mit. Alle Formen der militĂ€rischen Eskalation, die sich gegen Zivilisten richteten, mĂŒssten gestoppt werden. Das Ă€gyptische Außenministerium verurteilte die Anweisung zur Evakuierung der Gaza-Einwohner als «schwerwiegende Verletzung der Regeln des humanitĂ€ren Völkerrechts».

Biden zeigt sich besorgt ĂŒber humanitĂ€re Lage

US-PrĂ€sident Joe Biden versicherte Israel erneut die SolidaritĂ€t der Vereinigten Staaten, Ă€ußerte sich aber auch besorgt zur Lage im Gazastreifen. «Wir dĂŒrfen die Tatsache nicht aus den Augen verlieren, dass die ĂŒberwĂ€ltigende Mehrheit der PalĂ€stinenser nichts mit Hamas oder den abstoßenden Attacken der Hamas zu tun hat und dass sie in der Folge auch leiden», sagte Biden gestern.

Baerbock zu GesprĂ€chen in Ägypten

Außenministerin Annalena Baerbock hĂ€lt sich zur Fortsetzung ihrer KrisengesprĂ€che im Nahen Osten in Ägypten auf. Nach Angaben aus dem AuswĂ€rtigen Amt wollte sich die GrĂŒnen-Politikerin heute Mittag in der Hauptstadt Kairo mit Außenminister Samih Schukri treffen. Aus Delegationskreisen hieß es, neben der regionalen Lage nach den Hamas-Angriffen auf Israel wĂŒrden bei den GesprĂ€chen in Ägypten auch die BemĂŒhungen um die Freilassung der von den Islamisten nach Gaza verschleppten Geiseln im Mittelpunkt stehen.

@ dpa.de