Versuchtes Trump-Attentat: Was wir wissen und was nicht
16.09.2024 - 05:36:20ZunĂ€chst berichtete Donald Trumps Wahlkampfteam von SchĂŒssen «in der NĂ€he» des frĂŒheren US-PrĂ€sidenten, dann meldete sich das FBI zu Wort: Die Bundespolizei geht von einem versuchten Attentat auf den PrĂ€sidentschaftskandidaten der Republikaner aus. Der 78-JĂ€hrige blieb bei dem Vorfall in seinem Golfclub in West Palm Beach in Florida unverletzt. HauptverdĂ€chtiger ist der 58 Jahre alte Ryan Wesley Routh - er wurde festgenommen und angeklagt. Doch viele Fragen sind noch offen.Â
Was wir wissen:
- Der Vorfall: Trump spielte am Sonntagnachmittag Golf in seinem Club in West Palm Beach, als ein PersonenschĂŒtzer des Secret Service einen Gewehrlauf aus dem mit BĂŒschen umpflanzten Zaun des Golfplatzes herausragen sah. Aus von US-Medien veröffentlichten Gerichtsdokumenten geht hervor, dass sich das Mobiltelefon von Routh zuvor rund zwölf Stunden lang am Tatort befand - und damit wohl auch er selbst. Nach dessen Entdeckung eröffneten Beamte den Behörden zufolge zĂŒgig das Feuer. Der VerdĂ€chtige gab keinen Schuss ab, wie der Sheriff von Palm Beach County, Ric Bradshaw, dem Sender Fox News erklĂ€rte.Â
 - Die Flucht: Routh ergriff nach Angaben der Polizei mit einem Auto die Flucht. Ein Zeuge habe ihn dabei allerdings beobachtet und der Polizei so helfen können, das Auto und den Mann zu identifizieren. Er wurde kurze Zeit spĂ€ter auf einer Autobahn in der NĂ€he des Tatorts festgenommen, wie Bradshaw sagte.Â
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- Der Tatort: Trumps Golfclub ist von einem Zaun umgeben, davor stehen meterhohe BĂŒsche und BĂ€ume. Die Polizei sperrte einen Bereich direkt an einer StraĂe ab - mutmaĂlich der Ort, an dem sich der Mann positioniert hatte. Der Polizei zufolge lieĂ er dort ein Gewehr im SKS-Stil zurĂŒck. Die SicherheitskrĂ€fte fanden auĂerdem zwei RucksĂ€cke und eine Kompaktkamera. Bradshaw zufolge wurden auch Keramikfliesen gefunden. «Das war glaube ich ein Versuch, sich eine Art Schutzpanzer zu verpassen, falls jemand auf ihn schieĂen wĂŒrde», sagte der Sheriff bei Fox News.
 - Der VerdĂ€chtige: Gegen den HauptverdĂ€chtigen Routh wurde vor einem Bundesgericht in Florida Anklage erhoben worden. Dem 58-JĂ€hrigen werden der Besitz einer Feuerwaffe als verurteilter StraftĂ€ter und der Besitz einer Feuerwaffe mit unkenntlich gemachter Seriennummer vorgeworfen. Weitere Anklagepunkte könnten folgen. US-Medien zufolge arbeitete Routh als selbststĂ€ndiger Bauunternehmer auf Hawaii.Â
Was wir nicht wissen:
- Das Motiv: Die Ermittler machten zunĂ€chst keine offiziellen Angaben zu den BeweggrĂŒnden des VerdĂ€chtigen. US-Medien berichten allerdings, dass Routh sich in sozialen Netzwerken hĂ€ufig politisch geĂ€uĂert habe und vor allem die von Russland angegriffene Ukraine unterstĂŒtze, deren wichtigster VerbĂŒndeter wiederum die US-Regierung unter PrĂ€sident Joe Biden ist. Er habe versucht, AuslĂ€nder dafĂŒr anzuwerben, in der Ukraine zu kĂ€mpfen - und in einem Beitrag geschrieben, dass er bereit sei, in der Ukraine zu kĂ€mpfen und zu sterben. Es ist offen, ob dies etwas mit dem Geschehen am Golfplatz zu tun hat. Dem Sender CNN zufolge Ă€uĂerte sich Routh im Netz auch kritisch ĂŒber Trump, der stets behauptet, er könne den Ukraine-Krieg binnen 24 Stunden beenden.
 - Das Vorgehen: Trump hat als PrĂ€sidentschaftskandidat keinen öffentlichen Terminplan wie etwa der amtierende PrĂ€sident Biden. Es ist also unklar, woher der VerdĂ€chtige wusste, dass Trump an diesem Tag in seinem Golfclub sein wĂŒrde, wenn er es denn tatsĂ€chlich auf den Politiker abgesehen hatte. Trump spielt am Wochenende aber hĂ€ufiger Golf in einem seiner Clubs. Am Sonntagnachmittag spielte er mit dem Immobilieninvestor und Parteispender Steve Witkoff. US-Journalisten merkten an, dass es fĂŒr Anwohnerinnen und Anwohner nicht zu ĂŒbersehen sei, wenn Trump mit seiner Autokolonne von seinem nur wenige Kilometer entfernten Anwesen Mar-a-Lago nach West Palm Beach fahre.
 - Die Gefahr: Der VerdĂ€chtige war nach Angaben der Polizei nur wenige hundert Meter von Trump entfernt. Ein geĂŒbter SchĂŒtze könnte aus einer solchen Entfernung mit der richtigen Ausstattung groĂen Schaden anrichten. Es ist unklar, wie nach dem Attentat auf den Republikaner vor zwei Monaten in Pennsylvania erneut ein Bewaffneter so nah ihn herankommen konnte. Klar ist aber, dass ein PrĂ€sidentschaftskandidat und frĂŒherer PrĂ€sident weniger Secret-Service-Schutz genieĂt als ein amtierender PrĂ€sident. Trumps Sicherheitsteam wurde nach dem Attentat zumindest verstĂ€rkt.Â
 - Die Folgen: Es ist möglich, dass der Personenschutz Trumps nochmals erhöht wird. Biden sagte nach dem Vorfall, der Sicherheitsdienst mĂŒsse besser ausgestattet werden. Was der Vorfall fĂŒr die PrĂ€sidentenwahl am 5. November bedeutet, lĂ€sst sich schwer abschĂ€tzen. Schon jetzt versucht Trump, den Vorfall zu nutzen, um seine AnhĂ€nger zu mobilisieren. Unmittelbar danach bat er um Spenden. Er machte auĂerdem Biden und dessen Stellvertreterin Kamala Harris mitverantwortlich. «Wegen dieser kommunistischen linken Rhetorik fliegen die Kugeln, und es wird nur noch schlimmer werden!», schrieb er auf seiner Plattform Truth Social. Sowohl Biden als auch Harris hatten unmittelbar nach dem Vorfall betont, dass fĂŒr Gewalt in den USA kein Platz sei. Bei der Wahl zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Trump und seiner demokratischen Kontrahentin Harris ab.Â











