Iran und Israel ĂŒberziehen sich mit schweren Angriffen
15.06.2025 - 05:46:52 | dpa.deDie Erzfeinde Israel und Iran haben sich in der Nacht erneut mit heftigen Angriffswellen ĂŒberzogen. In Israel wurden mindestens 13 Menschen getötet, darunter mehrere Kinder, wie örtliche Medien unter Berufung auf die RettungskrĂ€fte berichteten. Rund 370 Menschen seien verletzt. Aus mehreren StĂ€dten wie der KĂŒstenmetropole Tel Aviv sowie Jerusalem und Bat Jam gab es Berichte ĂŒber getroffene GebĂ€ude.Â
Israels Luftwaffe wiederum bombardierte in der iranischen Hauptstadt Teheran nach eigenen Angaben das Verteidigungsministerium sowie «Infrastruktureinrichtungen des iranischen Atomwaffenprojekts» und Ăllager.
Zu den Angriffszielen in Teheran habe auch das Hauptquartier einer staatlichen Atom-Forschungsorganisation gehört, erklĂ€rte die Armee. Hinzu kĂ€men Attacken auf weitere Ziele, mit denen - vom Iran dementierte - BemĂŒhungen zum Bau von Atomwaffen unterbunden werden sollten, darunter das Versteck des staatlichen Atomarchivs.
Die als Sprachrohr der iranischen Revolutionsgarden geltende Nachrichtenagentur Tasnim hatte zuvor berichtet, eine militĂ€rische Forschungseinrichtung im Norden der Metropole mit ihren rund 15 Millionen Einwohnern sei getroffen worden. Die Revolutionsgarden sind die ElitestreitkrĂ€fte der Islamischen Republik.Â
«Teheran brennt»
Auch Angriffe auf das Kommando des Verteidigungsministeriums wurden im Iran gemeldet. Im Nordwesten Teherans gerieten zudem Teile eines Ăllagers in Brand. Am Morgen lag in dem Stadtteil weiter der Geruch von verbranntem Ăl in der Luft, wie Augenzeugen berichtete. Auch aus anderen Teilen der Stadt berichteten Augenzeugen von heftigen Explosionen. Israels Verteidigungsminister Israel Katz schrieb auf der Plattform X: «Teheran brennt».
Das US-MilitĂ€r war nach Aussagen von US-PrĂ€sident Donald Trump an Israels jĂŒngsten Angriffen nicht beteiligt. «Die USA hatten nichts mit dem Angriff auf den Iran heute Abend zu tun», schrieb Trump auf der Plattform Truth Social. Zugleich warnte er die FĂŒhrung in Teheran vor Angriffen auf US-Einrichtungen. Sollten die USA in irgendeiner Form vom Iran angegriffen werden, wĂŒrden die US-StreitkrĂ€fte in noch nie dagewesenem AusmaĂ zuschlagen.Â
Trump ruft Iran zu Abkommen auf
Trump rief den Iran erneut auf, ein Abkommen rund um sein Atomprogramm abzuschlieĂen. «Wir können jedoch leicht ein Abkommen zwischen dem Iran und Israel erzielen und diesen blutigen Konflikt beenden!!!», schrieb Trump. Die USA sind der wichtigste VerbĂŒndete Israels und unterhalten in der Region StĂŒtzpunkte. Israel habe die Trump-Regierung in den vergangenen 48 Stunden gebeten, sich dem Krieg gegen den Iran anzuschlieĂen, berichtete die US-Nachrichtenseite «Axios» unter Berufung zwei israelische Beamte.Â
Israel will nach eigener Darstellung mit den Attacken verhindern, dass der Iran eine Atombombe bauen kann. Teheran betont dagegen, das Atomprogramm diene ausschlieĂlich zivilen Zwecken. Den VerbĂŒndeten Israels drohte der Iran. LĂ€nder, die sich an der Abwehr iranischer Angriffe beteiligten, mĂŒssten selbst mit Attacken rechnen, meldeten iranische Medien. Als mögliche Ziele wurden regionale MilitĂ€rstĂŒtzpunkte sowie Schiffe im Persischen Golf und Roten Meer genannt.
Bericht: Israels Angriffe dauern «Wochen, nicht Tage»Â
Israel attackiert seit der Nacht zu Freitag Ziele im Iran - darunter Atomanlagen, Verteidigungsstellungen, StĂ€dte und Berichten zufolge auch Ăl- und Erdgasfelder. Auch wurden fĂŒhrende MilitĂ€rs und Atomwissenschaftler gezielt getötet. Seither sind im Iran nach offiziellen Angaben Dutzende Menschen getötet und Hunderte weitere verletzt worden. In Israel wurden seit Freitag nach offiziellen israelischen Angaben mindestens 13 Menschen getötet.
Israels MilitĂ€reinsatz gegen den Iran werde voraussichtlich «Wochen, nicht Tage» dauern, zitierte der US-Fernsehsender CNN Beamte im WeiĂen Haus und in Israel. Die Islamische Republik wertete die Luftangriffe als KriegserklĂ€rung und feuerte in mehreren Angriffswellen Hunderte Raketen und Drohnen auf Israel ab.Â
Tote und Verletzte auch in Israel
Beim Einschlag einer iranischen Rakete in ein Wohnhaus kamen am frĂŒhen Morgen in der israelischen Stadt Bat Jam nach Angaben einer Regierungssprecherin mindestens sechs Menschen ums Leben. Unter den Opfern seien zwei 9 und 10 Jahre alte Kinder. Die RettungskrĂ€fte suchten am Morgen weiter fieberhaft nach noch 7 Vermissten. Das GebĂ€ude drohte komplett einzustĂŒrzen.
Bei einer vorherigen Angriffswelle aus dem Iran waren in dem Ort Tamra im Norden Israels laut Berichten drei Frauen und ein 13 altes MĂ€dchen getötet worden, die alle zur selben Familie gehören. Am frĂŒhen Morgen gab Israels Armee dann bekannt, dass die Menschen die SchutzrĂ€ume in einer Reihe von Gebieten in Zentral- und Nordisrael wieder verlassen dĂŒrfen. Die Such- und RettungskrĂ€fte seien an mehreren Orten im ganzen Land im Einsatz, wo Geschosse eingeschlagen sein sollen.
Oman: Am Sonntag keine Atom-GesprÀche zwischen USA und Iran
Eigentlich hĂ€tten Delegationen des Irans und der USA als Israels wichtigstem VerbĂŒndeten am Sonntag im Oman GesprĂ€che ĂŒber das iranische Atomprogramm fĂŒhren sollen - diese Runde in der Hauptstadt Maskat wurde jedoch wegen der militĂ€rischen Eskalation abgesagt. Diplomatie und Dialog seien dennoch «der einzige Weg zu dauerhaftem Frieden», teilte Omans AuĂenminister Badr al-Bussaidi auf X mit. Das Sultanat fungiert als Vermittler.
In den seit rund zwei Monaten laufenden Verhandlungen zwischen Washington und Teheran ĂŒber das umstrittene Atomprogramm gab es zuletzt keine Fortschritte mehr. Nach der Absage ist fraglich, ob es nun ĂŒberhaupt noch zu einer weiteren Runde kommen wird.Â
Israel ist die einzige Atommacht in der Region. Seit Jahrzehnten folgt die israelische Regierung der Doktrin, dass feindliche LĂ€nder in der Region nicht in den Besitz von Atomwaffen gelangen und damit die Existenz des jĂŒdischen Staates gefĂ€hrden dĂŒrfen.
Israel fliegt auch Angriffe gegen Huthi-Miliz im Jemen
Der Iran unterstĂŒtzt auch andere islamistische KrĂ€fte wie die Huthi-Miliz im Jemen, die palĂ€stinensische Terrororganisation Hamas und die Hisbollah-Miliz im Libanon - sie alle gehören der von Teheran gefĂŒhrten «Achse des Widerstands» gegen den Erzfeind Israel an. In Jemens Hauptstadt Sanaa, die von den Huthi kontrolliert wird, kam es ebenfalls zu lauten Explosionen.
Der arabische Nachrichtensender Al-Arabija berichtete unter Berufung auf nicht nĂ€her genannte Quellen, dass ein mutmaĂlich von Israel gefĂŒhrter Angriff eine Zusammenkunft ranghoher Huthi-FunktionĂ€re getroffen haben könnte. Weder die Huthi noch das israelische MilitĂ€r Ă€uĂerten sich zunĂ€chst dazu.
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