US-Regierung erhöht Druck auf Harvard weiter
22.05.2025 - 23:09:10Im andauernden Streit mit Harvard will die Regierung von PrĂ€sident Donald Trump die Elite-UniversitĂ€t an der Aufnahme internationaler Studierender hindern. Heimatschutzministerin Kristi Noem habe entsprechende Schritte eingeleitet, teilte ihr Ministerium mit. KĂŒnftig dĂŒrfe Harvard im Rahmen eines eigens dafĂŒr vorgesehenen Bundesprogramms keine neuen Studierenden aus dem Ausland mehr aufnehmen. Bereits eingeschriebene internationale Studierende mĂŒssten sich demnach nach anderen Hochschulen umsehen â sonst verlören sie ihren Aufenthaltsstatus in den USA.
Ein Sprecher der UniversitĂ€t im Bundesstaat Massachusetts bezeichnete das Vorgehen der Regierung in einer E-Mail als «rechtswidrig». Es war von einer «VergeltungsmaĂnahme» die Rede, die Harvard und den Vereinigten Staaten «ernsthaften Schaden» zufĂŒge und den akademischen Auftrag der Hochschule sowie ihre Forschung untergrabe. «Wir setzen alles daran, Harvards FĂ€higkeit zu bewahren, internationale Studierende und Wissenschaftler aus mehr als 140 LĂ€ndern aufzunehmen», hieĂ es darin weiter.Â
Wichtige Zertifizierung als Druckmittel
FĂŒr viele US-UniversitĂ€ten sind die Einnahmen internationaler Studierender ein bedeutender Teil des Budgets â nicht zuletzt, weil sie oft deutlich höhere StudiengebĂŒhren zahlen als inlĂ€ndische Studierende. Nach Angaben der Hochschule sind derzeit rund 6.800 internationale Studierende an Harvard eingeschrieben. Das entspricht etwa 27 Prozent der gesamten Studierendenschaft.
Damit Hochschulen in den USA internationale Studierende aufnehmen dĂŒrfen, benötigen sie eine Zertifizierung im Rahmen des sogenannten Student and Exchange Visitor Program (SEVP), das vom Heimatschutzministerium verwaltet wird. Diese Zertifizierung will das Ministerium Harvard nun entziehen. Ob und in welchem Umfang die MaĂnahme rechtlich Bestand haben wird, ist offen.Â
Dem Schritt war Mitte April ein Schreiben von Heimatschutzministerin Noem vorausgegangen. Darin forderte sie Harvard auf, bis Ende April detaillierte Informationen zu auslĂ€ndischen Studierenden vorzulegen â unter anderem zu möglichen illegalen AktivitĂ€ten, Protestbeteiligungen oder VerstöĂen gegen Visa-Vorgaben. In einem weiteren Schreiben erklĂ€rte Noem nun, Harvard sei dieser Aufforderung nicht nachgekommen â deshalb werde die Zertifizierung entzogen. Sie gab der Hochschule 72 Stunden Zeit, um ihren Forderungen doch noch zu erfĂŒllen.Â
Proteste als BegrĂŒndung â oder Vorwand?
Die Trump-Regierung begrĂŒndet ihr Vorgehen mit propalĂ€stinensischen Protesten an US-UniversitĂ€ten, die zwar nicht mehr so groĂ wie zu Beginn des Gaza-Kriegs ausfallen, aber weiterhin andauern. Hochschulen wie Harvard wird vorgeworfen, nicht entschieden genug dagegen vorzugehen und antisemitische VorfĂ€lle auf dem Campus zu dulden.
Kritiker werfen der Regierung vor, die Proteste lediglich als Vorwand zu nutzen, um politisch unliebsame Institutionen unter Druck zu setzen. Insbesondere als links geltende UniversitĂ€ten wĂŒrden demnach zunehmend ins Visier geraten â etwa wegen Programmen zur Förderung von Vielfalt und Chancengleichheit, die auf den Abbau historischer Benachteiligung von Schwarzen, Frauen und anderen marginalisierten Gruppen abzielen.
Besonders im Fokus der Trump-Regierung stehen auslĂ€ndische Studierende, denen eine Beteiligung an den propalĂ€stinensischen Protesten vorgeworfen wird. In mehreren FĂ€llen wurden Abschiebeverfahren eingeleitet â etwa gegen einen Absolventen der Columbia University in New York, der seit Anfang MĂ€rz im Bundesstaat Louisiana in Abschiebehaft sitzt, wĂ€hrend sich Gerichte mit seinem Fall beschĂ€ftigen.Â
Die rechtliche Grundlage fĂŒr solche Festnahmen ist stark umstritten. Harvard dĂŒrfte mit der Weigerung, sensible Informationen ĂŒber internationale Studierende offenzulegen, somit wohl auch den Schutz dieser Studierendengruppe im Blick gehabt haben.
Noem: Warnung fĂŒr andere UniversitĂ€ten
Beim Sender Fox News verteidigte Noem das Vorgehen der Regierung gegen Harvard. Die Hochschule habe «mehrfach die Gelegenheit» gehabt, Informationen ĂŒber kriminelle AktivitĂ€ten auslĂ€ndischer Studierender zu ĂŒbermitteln, sich jedoch geweigert.Â
«Studierende aus dem Ausland, die (...) nicht an diesen kriminellen AktivitĂ€ten beteiligt sind, werden sich eine andere UniversitĂ€t suchen mĂŒssen», sagte Noem und warf Harvard vor, nicht nur Proteste, sondern auch «gewalttĂ€tige Proteste» auf dem Campus zugelassen zu haben. Bei X hatte sie die UniversitĂ€tsverwaltung davor beschuldigt, Gewalt und Antisemitismus zu dulden und zudem auch eine «Kooperation mit der Kommunistischen Partei Chinas» auf dem Campus begĂŒnstigt zu haben. Die neue MaĂnahme sei «eine Warnung an alle anderen UniversitĂ€ten, endlich fĂŒr Ordnung zu sorgen», so Noem.
Harvard wehrt sichÂ
Anders als viele andere Hochschulen widersetzt sich Harvard offen politischen Vorgaben aus Washington, die auch Zulassungsverfahren, DiversitĂ€tsprogrammen und Personalentscheidungen betreffen. Die UniversitĂ€t geht juristisch gegen die MaĂnahmen vor.Â
Im Zuge des Streits hat die Regierung der Elite-UniversitĂ€t bereits Fördermittel in Milliardenhöhe gestrichen oder eingefroren. Angesichts der finanziellen Einschnitte hatte Harvard-PrĂ€sident Alan Garber zuletzt angekĂŒndigt, auf ein Viertel seines Gehalts zu verzichten.


