Rechtsruck, Konservativen-Sieg

Rechtsruck ĂŒberschattet Konservativen-Sieg in Portugal

19.05.2025 - 00:49:47

Im MĂ€rz stĂŒrzte er ĂŒber ein Misstrauensvotum. Aber bei der vorgezogenen Wahl behauptet sich Portugals konservativer Regierungschef Montenegro. Doch im Mittelpunkt steht ein anderer.

  • Es war bereits die dritte Parlamentswahl in etwas mehr als drei Jahren. (Archivfoto) - Foto: Armando Franca/AP/dpa

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  • Montenegro wurde laut Prognosen nicht abgestraft. - Foto: Luis Vieira/AP/dpa

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  • Bei den Konservativen wird gejubelt. - Foto: Armando Franca/AP/dpa

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  • Ventura stand am Sonntag im Mittelpunkt. (Archivfoto) - Foto: Ana Brigida/AP/dpa

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Es war bereits die dritte Parlamentswahl in etwas mehr als drei Jahren. (Archivfoto) - Foto: Armando Franca/AP/dpaMontenegro wurde laut Prognosen nicht abgestraft. - Foto: Luis Vieira/AP/dpaBei den Konservativen wird gejubelt. - Foto: Armando Franca/AP/dpaVentura stand am Sonntag im Mittelpunkt. (Archivfoto) - Foto: Ana Brigida/AP/dpa

Ein historischer Rechtsruck ĂŒberschattet den Sieg der Konservativen von MinisterprĂ€sident LuĂ­s Montenegro bei der vorgezogenen Parlamentswahl in Portugal. Die Rechtspopulisten von Chega lieferten sich nach weit fortgeschrittener AuszĂ€hlung ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den zweiten Platz mit der Sozialistischen Partei (PS), die nur vor etwas mehr als einem Jahr das sĂŒdwesteuropĂ€ische EU-Land noch mit absoluter Mehrheit regiert hatte.

«Wir haben das seit 50 Jahren herrschende Zweiparteiensystem getötet», jubelte Chega-Chef AndrĂ© Ventura vor TV-Kameras. Das Freudengeschrei von Hunderten AnhĂ€ngern ließ die Aussagen des 42 Jahre alten Rechtsprofessors nur schwer verstehen. Die Partei, die erst vor einem Jahr einen Zuwachs von sieben (2022) auf 18 Prozent gefeiert hatte, kletterte nun sogar auf circa 23 Prozent, wie die Wahlbehörde in Lissabon mitteilte.

Auch in Portugal steht eine Brandmauer

Nach AuszĂ€hlung von rund 98 Prozent aller Wahlbezirke kam Montenegros BĂŒndnis Aliança DemocrĂĄtica (AD/Demokratische Allianz/AD) auf gut 33 Prozent der Stimmen. Das sind vier Punkte mehr als bei der letzten Abstimmung von MĂ€rz vorigen Jahres und rund zehn Prozentpunkte mehr als PS und Chega jeweils auf sich vereinen.

Doch die absolute Mehrheit von 116 von 230 Parlamentssitzen verpasst die AD erneut deutlich. Eine Zusammenarbeit mit den Rechtspopulisten hatte Montenegro zuletzt weiterhin ausgeschlossen. Die Brandmauer steht am Tejo-Fluss Àhnlich stabil wie in Deutschland. Anders als in Deutschland gilt aber eine Koalition zwischen den beiden Traditionsparteien nahe der Mitte als völlig ausgeschlossen. Dem beliebten Urlaubsland winkt deshalb wieder eine instabile Minderheitsregierung.

Dritte vorgezogene Neuwahl seit 2022

Es war bereits die dritte vorgezogene Wahl seit 2022. Diese neue Abstimmung war nötig geworden, weil Montenegro im MÀrz ein von ihm selbst gestelltes Misstrauensvotum deutlich verloren hatte. Der 52 Jahre alte Anwalt war von der Opposition aufgrund undurchsichtiger GeschÀfte eines Familienunternehmens in BedrÀngnis gebracht worden. Alles deutet nun darauf hin, dass die AffÀre ihm nicht geschadet hat. 

Viele wichtige Projekte liegen auf Eis

Seit der Abstimmungspleite von Montenegro in der Lissabonner «Assembleia da RepĂșblica» hat Portugal nur noch eine geschĂ€ftsfĂŒhrende Regierung mit begrenzten Befugnissen. Mehrere wichtige Vorhaben liegen deshalb bis zur Bildung einer neuen Regierung auf Eis. Darunter ist die Privatisierung der Fluggesellschaft TAP, an der unter anderem die Lufthansa interessiert ist.

Der AD-Sieg verspricht zwar KontinuitĂ€t. Doch die GesprĂ€che zur Bildung der neuen Regierung dĂŒrften - wie 2024 - wieder einige Zeit in Anspruch nehmen. Damit Montenegro von PrĂ€sident Marcelo Rebelo de Sousa erneut zum Kandidaten auf den Posten des Regierungschefs ernannt wird, mĂŒssen mehrere Parteien, darunter auch die Sozialisten, zusichern, dass sie bei der Abstimmung im Parlament nicht gegen Montenegro votieren werden. Als einzig echter Koalitionspartner kommt fĂŒr die AD wohl nur die liberale Iniciativa Liberal infrage, die - jedoch mit weitem Abstand - auf Platz vier lag.

Was genau hat die politische Krise ausgelöst?

Bei den VorwĂŒrfen gegen Montenegro geht es um die Firma Spinumviva, die von dem gelernten Juristen 2021 gegrĂŒndete wurde. Das Beratungsunternehmen soll von der Position des MinisterprĂ€sidenten profitiert haben, um VertrĂ€ge mit Privatfirmen zu unterzeichnen. Die Opposition sprach von Interessenkonflikten.

Auch wenn dem WĂ€hler die AffĂ€re offenbar weitgehend egal war und im Wahlkampf vor allem Themen wie Einwanderung und KriminalitĂ€t im Mittelpunkt standen: Ausgestanden ist diese AffĂ€re fĂŒr Montenegro wohl noch lange nicht. Es ist davon auszugehen, dass die linksgerichtete Opposition weiterhin auf eine parlamentarische Untersuchungskommission bestehen wird. Nach einer anonymen Anzeige beschĂ€ftigt sich auch die Staatsanwaltschaft mit dem Fall.

@ dpa.de