Biden, Joe

Biden und Xi telefonieren wieder miteinander

02.04.2024 - 18:04:24

Im November trafen sich Joe Biden und Xi Jinping in Kalifornien, um das VerhÀltnis beider LÀnder etwas zu entspannen. Sie versprachen, wieder hÀufiger zu telefonieren. Das lösen sie nun ein.

US-PrĂ€sident Joe Biden und Chinas Staatschef Xi Jinping haben erstmals seit ihrem Krisentreffen in Kalifornien im November wieder miteinander telefoniert. Das teilte das Weiße Haus im Anschluss an das GesprĂ€ch mit.

Die beiden PrĂ€sidenten waren im vergangenen November nach einem ganzen Jahr kompletter Funkstille in der NĂ€he der US-Metropole San Francisco zu einem persönlichen Treffen zusammengekommen, um die Beziehungen beider LĂ€nder zu stabilisieren. Dort hatten sie auch vereinbart, kĂŒnftig wieder regelmĂ€ĂŸig zu telefonieren. Dem kamen sie nun nach. 

Die US-Regierungszentrale sprach von einer «offenen und konstruktiven» Diskussion, in der Biden auch viele kritische Punkte angesprochen habe: darunter Chinas Haltung zu Taiwan, chinesische UnterstĂŒtzung fĂŒr Russlands RĂŒstungsindustrie sowie «unfaire» Handelspraktiken Pekings. Auch Gefahren im Zusammenhang mit KĂŒnstlicher Intelligenz und der Kampf gegen internationalen Drogenhandel seien zur Sprache gekommen. 

VerstÀrkte Reisediplomatie

Eine hochrangige Vertreterin der US-Regierung sagte, nach dem Telefonat der PrĂ€sidenten sei ein weiterer Austausch auf Ebene von Kabinettsmitgliedern zu erwarten. So wolle US-Finanzministerin Janet Yellen in den kommenden Tagen erneut nach China reisen und US-Außenminister Antony Blinken in den kommenden Wochen. Ebenso seien Besuche von Mitgliedern der chinesischen Regierung in den USA geplant. Außerdem solle es bald ein Telefonat der Verteidigungsminister beider LĂ€nder geben. 

Die Wiederaufnahme der MilitĂ€r-Kommunikation beider LĂ€nder galt als wichtigstes Ergebnis des Krisentreffens von Biden und Xi in Kalifornien vor viereinhalb Monaten. Die US-Regierung hatte zuvor wiederkehrend beklagt, dass der sonst ĂŒbliche direkte Austausch zwischen den StreitkrĂ€ften beider LĂ€nder nicht funktioniere und dies zu gefĂ€hrlichen MissverstĂ€ndnissen und Fehlkalkulationen in krisenhaften Situationen fĂŒhren könnte. 

Das große Streitthema Taiwan

Das VerhĂ€ltnis der beiden grĂ¶ĂŸten Volkswirtschaften der Welt ist seit langem angespannt, unter anderem nach wirtschaftlichen Sanktionen gegen Peking und angesichts von BefĂŒrchtungen im Westen, Chinas Armee könnte in Taiwan einmarschieren. Die Inselrepublik, die nur durch eine Meerenge von China getrennt wird, hat seit Jahrzehnten eine demokratische Regierung. China sieht das Land mit mehr als 23 Millionen Einwohnern jedoch als Teil seines Territoriums an.

BefĂŒrchtet wird, dass China sich Taiwan mit militĂ€rischer Gewalt einverleiben könnte. Biden hat Taipeh fĂŒr einen solchen Fall militĂ€rischen Beistand versprochen. Das Gebiet rund um Taiwan ist immer wieder Schauplatz militĂ€rischer Machtdemonstrationen. 

Eine wesentliche Entspannung in der Taiwan-Frage hatte das Treffen in Kalifornien damals nicht gebracht. Aus dem Weißen Haus hieß es nun, Biden habe in dem Telefonat mit Xi erneut betont, wie wichtig es sei, Frieden und StabilitĂ€t in der Straße von Taiwan aufrechtzuerhalten, wie auch Rechtsstaatlichkeit und Freiheit der Schifffahrt im SĂŒdchinesischen Meer.  

Wirtschaft und Drogen

Mit Blick auf die intensive wirtschaftliche Konkurrenz beider LĂ€nder erklĂ€rte die US-Regierungszentrale: «PrĂ€sident Biden brachte auch die anhaltende Besorgnis ĂŒber die unfaire Handelspolitik und die nicht marktwirtschaftlichen Praktiken der Volksrepublik China zum Ausdruck, die amerikanischen Arbeitnehmern und Familien schaden.» Der PrĂ€sident habe außerdem betont, die Vereinigten Staaten wĂŒrden weiterhin die notwendigen Vorkehrungen treffen, «um zu verhindern, dass fortschrittliche US-Technologien zur Untergrabung unserer nationalen Sicherheit eingesetzt werden».

Auch das Thema Drogen kam auf den Tisch. Biden und Xi hatten bei ihrem persönlichen Treffen in Kalifornien unter anderem vereinbart, im Kampf gegen die Einfuhr der tödlichen Droge Fentanyl zu kooperieren. Bestandteile fĂŒr die Produktion des Opioids kommen oft aus China. Peking soll daher deren Ausfuhr bestimmter chemischer Stoffe beschrĂ€nken.

Die US-Regierungsvertreterin sagte, seit dem Treffen im November habe China dazu erste Maßnahmen ergriffen. «Aber natĂŒrlich entwickelt sich der Drogenhandel stĂ€ndig weiter und verĂ€ndert sich.» Um den Handelsfluss zu unterbrechen, mĂŒssten sich die USA und China weiter eng austauschen, unter anderem auf Ebene der Strafverfolgung. 

SpÀrliche Kommunikation

Die beiden PrĂ€sidenten hatten sich im November in Kalifornien am Rande des Gipfels der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) getroffen, allerdings weit entfernt vom Gipfelort und vor idyllischer Kulisse: in einem prunkvollen Anwesen außerhalb von San Francisco. Zuvor hatten sich Biden und Xi ein ganzes Jahr lang, seit dem G20-Gipfel auf Bali im November 2022, nicht gesehen und auch nicht persönlich miteinander gesprochen. Das jĂŒngste Telefonat vor dem GesprĂ€ch am Dienstag liegt ebenfalls lange zurĂŒck: Zuletzt hatten die beiden nach Angaben der US-Regierung im Juli 2022 miteinander telefoniert.  

Die US-Regierungsvertreterin sagte, eine regelmĂ€ĂŸige Kommunikation auf oberster Ebene sei unersetzlich, um die komplexen und oft angespannten bilateralen Beziehungen effektiv zu gestalten. Wann sich die beiden PrĂ€sidenten wieder in Person zusammensetzen könnten, ist allerdings unklar. In den USA steht Anfang November eine PrĂ€sidentenwahl an, bei der Biden fĂŒr eine zweite Amtszeit antreten will. Sein voraussichtlicher Herausforderer ist der republikanische Ex-PrĂ€sident Donald Trump. Umfragen sagen derzeit ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den beiden voraus.

@ dpa.de