Estland, Moskau

Estland: Moskau fĂŒr GPS-Störungen verantwortlich

02.05.2024 - 11:25:37

Im Ostseeraum hĂ€ufen sich GPS-Störungen. Zuletzt setzte die finnische Fluggesellschaft Finnair ihre FlĂŒge in die estnische Stadt Tartu aus. FĂŒr Estlands Außenminister fĂŒhren die Spuren nach Russland.

Estlands Außenminister Margus Tsahkna hat dem benachbarten Russland vorgeworfen, fĂŒr die schon seit lĂ€nger auftretenden Störungen des GPS-Signals im Ostseeraum verantwortlich zu sein.

«Wir wissen, dass Russland seit Beginn seiner Aggression in der Ukraine das GPS-Signal stört. In den letzten anderthalb Jahren ist dieses Problem in unserer Region sehr ernst geworden», sagte Tshanka einem Rundfunkbericht zufolge im estnischen Fernsehen. Davon betroffen sei nicht nur Estland, sondern auch Lettland, Litauen, Finnland, Norwegen, Schweden und Polen.

«Wenn wir uns die AktivitĂ€ten Russlands ansehen, ist dieser Angriff auf GPS Teil einer hybriden Aktion, die unser Leben stört und alle möglichen internationalen Vereinbarungen bricht», sagte Tsahkna. GPS dĂŒrfe gemĂ€ĂŸ einer Konvention, der auch Russland beigetreten sei, von niemandem gestört werden. Doch gebe es zahlreiche Beweise dafĂŒr, dass die Störungen aus der NĂ€he von St. Petersburg, von Pskow und aus Kaliningrad kommen, sagte der estnische Außenminister - ohne Details zu nennen.

Tshakna: Russland will austesten

Das GPS-Signal wird von Flugzeugen etwa zur Bestimmung der eigenen Position und zur Navigation verwendet. Ende vergangener Woche mussten zwei Finnair-Flugzeuge umgeleitet werden, nachdem GPS-Störungen den Landeanflug auf Estlands zweitgrĂ¶ĂŸte Stadt Tartu verhindert hatten. Es ist einer von wenigen FlughĂ€fen in der Region, an denen dafĂŒr eine GPS-Verbindung erforderlich ist. Die finnische Fluglinie kĂŒndigte deshalb an, ihre FlĂŒge von Helsinki nach Tartu zunĂ€chst auszusetzen.

Nach den VorfĂ€llen hatte die estnische Behörde fĂŒr Verbraucherschutz und technische Regulierung (TTJA) die GPS-Störungen untersucht. Sie geht nicht von einem vorsĂ€tzlichen Angriff auf Estland aus. Nach ihrer EinschĂ€tzung handelt es sich bei den Signalstörungen um eine «Nebenwirkung» - sie seien wahrscheinlich darauf zurĂŒckzufĂŒhren, dass Russland seine kritische Infrastruktur vor Angriffen verteidigt und versucht, Drohnen abzuschrecken.

Dem widersprach Tshakna. Wenn ein Ă€ußerer Einfluss das Leben von Menschen gefĂ€hrde und die Luftfahrt beeintrĂ€chtige, handle es sich nicht um Übertragungseffekt, betonte der estnische Außenminister. Auch gebe es keine logische Grundlage und Notwendigkeit, die GPS-Signale in Norwegen, Schweden oder Finnland zu stören. Aus dieser Richtung kĂ€men ebenso wie aus Estland keine Drohnenangriffe, sagte Tshakna. Es sei klar, dass Russland stattdessen austeste, was es Richtung Westen tun könne.

@ dpa.de