Schweiz will Moskau an Verhandlungstisch bekommen
14.01.2024 - 15:41:37Mehr als 80 Delegationen aus aller Welt haben in Davos an einer Konferenz ĂŒber die VorschlĂ€ge der Ukraine fĂŒr einen dauerhaften Frieden teilgenommen. Die VerstĂ€ndigung auf Grundprinzipien fĂŒr eine Friedenslösung auf so breiter Ebene könne dazu beitragen, Russland eines Tages an den Verhandlungstisch zu bekommen, sagte der Schweizer AuĂenminister Ignazio Cassis in der Mittagspause.
Auch China, das nicht teilnahm, mĂŒsse möglichst eingebunden werden, sagte Cassis. Es sei ermutigend, das LĂ€nder der Brics-Gruppe der aufstrebenden SchwellenlĂ€nder wie Brasilien, Indien, Saudi-Arabien und SĂŒdafrika dabei seien, die KommunikationskanĂ€le zu Moskau offen halten.
Friedensformel der Ukraine im Mittelpunkt
Je mehr LĂ€nder sich beteiligten, nicht nur aus dem Westen sondern aus aller Welt, desto eher sei es möglich, eine kreative Lösung zu finden, sagte Cassis. Im Mittelpunkt der Konferenz stand erneut die sogenannte Friedensformel der Ukraine. Der Zehn-Punkte-Plan sieht den Abzug aller russischen Truppen, Strafen fĂŒr russische Kriegsverbrecher, Reparationen und Sicherheitsgarantien vor. Es war das vierte Treffen dieser Art. Man mĂŒsse den Menschen in der Ukraine Hoffnung geben, sagte Cassis. Moskau hat den Prozess in der Vergangenheit als Farce bezeichnet.
Ukraine strebt Gipfel auf höchster Ebene an
Die Ukraine sieht wachsende UnterstĂŒtzung fĂŒr ihren Friedensplan und strebt perspektivisch einen Friedensgipfel auf höchster Ebene an. Russland könne an einem solchen Treffen aber nur teilnehmen, wenn es ein ernsthaftes Ansinnen fĂŒr einen Frieden im Sinne der Ukraine beweise, sagte der Leiter des ukrainischen PrĂ€sidentenbĂŒros, Andrij Jermak, in Davos.
Aktuell seien Friedensverhandlungen mit Russland nicht möglich, machte Jermak klar. Er zeigte sich zugleich zufrieden, dass zuletzt mehr LĂ€nder ihre UnterstĂŒtzung fĂŒr die Ukraine signalisiert und an den GesprĂ€chen auf Ebene der Sicherheitsberater teilgenommen hĂ€tten. In wichtigen Fragen sei man sich hier einig. Ziel sei, dass bis zu einem Gipfel der Staats- und Regierungschefs ein ausgearbeiteter Friedensplan vorliege.
Die Ukraine fordert unter anderem den RĂŒckzug aller russischen Truppen aus dem Land, auch von der Krim. Ebenso verlangt sie Strafen fĂŒr russische Kriegsverbrecher, Reparationen und Sicherheitsgarantien.
Langer Weg bis zu Friedenslösung
Die Ukraine verteidigt sich mit westlicher Hilfe seit dem 24. Februar 2022 gegen einen russischen Angriffskrieg. Noch sei keine Seite zu irgendwelchen ZugestĂ€ndnissen bereit, sagte Cassis. Bis zu einer Friedenslösung sei noch ein langer Weg. Mit solchen Konferenzen, auf denen eine einheitliche Sprache gefunden werde, sei die Welt auf den Dialog mit Russland besser gewappnet. «Die Arbeit ist mit dieser Konferenz nicht zu Ende», sagte er. In Davos berieten hohe Beamte und nationale Sicherheitsberater. Aus Berlin war ein Berater des Bundeskanzlers fĂŒr AuĂen- und Sicherheitspolitik dabei. Das nĂ€chste Treffen finde vermutlich auf höherer politischer Ebene statt, sagte Cassis. Konkrete PlĂ€ne gebe es aber noch nicht.
Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj wird persönlich in Davos erwartet. Er wollte am Dienstag beim bei der Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums (WEF) eine Rede halten. Das Treffen beginnt am Montagabend. Das WEF unterstĂŒtzte die Ukraine-Konferenz logistisch. Der deutsche WEF-GrĂŒnder Klaus Schwab stand beim Gruppenbild mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der ersten Reihe neben Jermak und Cassis.
Angesichts stockender Hilfen fĂŒr die Ukraine dienen solche Treffen Kiew dazu, UnterstĂŒtzerlĂ€nder bei der Stange zu halten und neue hinzuzugewinnen. Die Friedensformel sei keine Wunschliste, sagte Jermak in der «Neuen ZĂŒrcher Zeitung». «Durch die aktive Beteiligung vieler Drittstaaten wird er eine enorme Legitimation erhalten.»


