BND, Russland

BND: Russland verstÀrkt Einsatz von Chemiewaffen in Ukraine

04.07.2025 - 08:45:36

Immer wieder wirft die Ukraine der russischen Armee den Einsatz von TrÀnengas vor. Westliche Geheimdienste haben nun Erkenntnisse, dass Russland noch gefÀhrlichere chemische Kampfstoffe einsetzt.

Russland verstĂ€rkt nach Erkenntnissen des Bundesnachrichtendienstes und von zwei niederlĂ€ndischen Geheimdiensten den Einsatz von Chemiewaffen in der Ukraine. «Der Einsatz von TrĂ€nengasen sowie Chlorpikrin durch russische Truppen ist nun zur Standardpraxis geworden und weit verbreitet», teilten der deutsche Auslandsgeheimdienst sowie der niederlĂ€ndische MilitĂ€rnachrichtendienst MIVD und der niederlĂ€ndische Nachrichtendienst AIVD gemeinsam mit. Russland verstoße damit gegen das Chemiewaffenabkommen, das auf ein weltweites Verbot solcher Waffen abzielt.

Chlorpikrin, auch Trichlornitromethan genannt, ist ein chemischer Kampfstoff aus der Gruppe der Lungenkampfstoffe. Im Ersten Weltkrieg wurde er auch unter der Bezeichnung GrĂŒnkreuz-1 eingesetzt. GrĂŒnkreuz deshalb, weil damals mit solchen Kampfstoffen gefĂŒllte Granaten mit einem grĂŒnen Kreuz gekennzeichnet wurden.

«Chlorpikrin ernster Verstoß gegen ChemiewaffenĂŒbereinkommen»

Chlorpikrin könne in hoher Konzentration in geschlossenen RĂ€umen tödlich sein, hieß es weiter. Die Verwendung stelle einen ernsten Verstoß gegen das ChemiewaffenĂŒbereinkommen dar, das den Einsatz dieses Lungenkampfstoffs unter allen UmstĂ€nden untersage, betonten die Geheimdienste. Auch der Einsatz von TrĂ€nengas verstĂ¶ĂŸt gegen das Übereinkommen.

Geheimdienste: Russland investiert in Chemiewaffenprogramm

Nach Beobachtungen von BND, MIVD und AIVD unterstĂŒtzt und fördert die russische FĂŒhrung und deren radiologische, chemische und biologische Abwehrtruppe den verbotenen Einsatz aktiv. Es sei sehr wahrscheinlich, dass dies weiterhin eine Bedrohung darstelle. DarĂŒber hinaus investiere Russland stark in sein Chemiewaffenprogramm. Die Forschungen auf dem Gebiet wĂŒrden ausgeweitet, neue Wissenschaftler rekrutiert.

Der ukrainische Verteidigungsminister erklĂ€rte nach diesen Angaben, dass Russland in seinem Angriffskrieg bereits ĂŒber 9.000 Mal chemische Wirkmittel gegen ukrainische Truppen eingesetzt habe. Laut der Ukraine könnten mindestens drei TodesfĂ€lle direkt auf die Wirkung der chemischen Waffen zurĂŒckgefĂŒhrt werden. 

Indirekt fĂŒhrt der Einsatz chemischer Waffen durch Russland zu wesentlich mehr Opfern, da chemische Waffen ukrainische Soldaten zwingen, ihre Deckung zu verlassen, woraufhin sie mit herkömmlicher Munition beschossen und getötet werden.

Ukrainischer Generalstab Ă€ußert sich zu Kampfstoffen 

In einer Informationsveranstaltung fĂŒr 35 MilitĂ€rattachĂ©s in Kiew Ende Mai wurde laut einer Mitteilung des ukrainischen Generalstabs neben dem Einsatz von TrĂ€nengas erwĂ€hnt, dass die russische Armee bisher noch keine tödlichen chemischen Kampfstoffe eingesetzt habe. Zudem wurde demnach in der Unterweisung gesagt, dass die von Russland verwendeten Mittel zwar formell keine Chemiewaffen seien, der Einsatz im Krieg aber dennoch gegen die Genfer Konventionen verstoße. 

Im Juni hatte die Ukraine die Organisation fĂŒr das Verbot chemischer Waffen (OPCW) darĂŒber informiert, dass man von Februar 2023 bis Juni 2025 gut 9.700 FĂ€lle dokumentiert habe, in denen russische Truppen Munition mit gefĂ€hrlichen chemischen Kampfstoffen als Kriegsmittel eingesetzt hĂ€tten.

@ dpa.de